FilmWelt: Ein toller Käfer

Einen Tag vor Veröffentlichung dieser Rezension ist der neue Streamingdienst von Disney in Europa gestartet. Dass ausgerechnet „Ein toller Käfer“ von 1968 (!) der erste Film sein würde, den ich mir dort ansehe, hätte ich nie gedacht – denn eigentlich waren die Star Wars-Rechte der einzige Grund, wieso ich Disney+ überhaupt testen wollte. Erst beim Durchscrollen des Angebots wurde mir wieder bewusst, dass Disney auch früher schon mehr gemacht hat als nur Zeichentrick. Und so musste ich einfach einen Klassiker aus meiner Kindheit sehen, bevor ich überhaupt an „The Mandalorian“ & Co denken konnte.

Gesamteindruck: 5/7


Unschuldiger Spaß für die ganze Familie.

In meiner Erinnerung ist „Ein toller Käfer“ ein großartiger Film. Meine Eltern hatten ihn irgendwann Ende der 1980er auf Video aufgenommen und ich bin mir sicher, dass das eine der Kassetten ist, die ich am öftesten abgespielt habe; so gut hat mir gefallen, was Regisseur Robert Stevenson (u.a. Mary Poppins) hier fabriziert hat. Und nun, Ende März 2020, war ich sehr gespannt, ob dieser Streifen nur durch Kinderaugen etwas taugt oder ob man sich auch als Erwachsener gut unterhalten fühlt.

Inhalt in Kurzfassung
Der glücklose Rennfahrer Jim Douglas ist auf der Suche nach einem neuen Wagen, um endlich an frühere Erfolge anschließen zu können. Durch Zufall kommt er an einen weißen VW Käfer, der nicht nur unglaublich schnell ist, sondern auch einen eigenen Willen zu haben scheint. Am Steuer von „Herbie“, wie der kleine Wagen genannt wird, fährt Douglas wieder um den Sieg mit – doch ist das seine Leistung als Fahrer oder gewinnt Herbie die Rennen selbst? Zu allem Überfluss rufen die Erfolge des Duos schnell Neider auf den Plan, allen voran den zwielichtigen Autohändler Peter Thorndyke, der Douglas den Käfer ursprünglich verkauft hat. 

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film angeschaut habe – allerdings bin ich mir sicher, dass ich ihn nie im TV gesehen habe, sondern immer nur auf besagter Videokassette. Letztmals einen Videorekorder hatte ich wohl vor 25 Jahren oder so, seither habe ich ihn definitiv nicht mehr gesehen. Sehr wahrscheinlich ist es sogar länger als 25 Jahre her, dass ich „Herbie“ zum letzten Mal bewundert habe. Wieso ich das alles erzähle? Nun, gestern ist mir aufgefallen, dass ich nach wie vor jede Szene kenne und vermutlich sogar noch einen Teil der Dialoge mitsprechen könnte. Unglaublich, zeigt aber auch, dass ich wirklich beeindruckt von „Ein toller Käfer“ gewesen sein muss.

Immer noch ein guter Film.

Nun aber zur Sache. „Ein toller Käfer“ enthält zwar einige Szenen mit ein bisschen Renn-Action, ist aber insgesamt eine völlig harmlose Komödie für die ganze Familie. Garniert ist der Film mit einer kleinen, ebenfalls harmlosen Liebesgeschichte. Daher wohl auch der englische Originaltitel, in diesem Fall muss man aber sagen, dass „Ein toller Käfer“ ausnahmsweise sogar der passendere Titel ist. Die Story ist denkbar einfach, die Charaktere klar in Gut und Böse getrennt. Ein bisschen Ärger gibt es zwar, als Jim Douglas, durch seine bzw. Herbies Erfolge Starallüren bekommt, doch auch das löst sich schnell in Wohlgefallen auf. Übrigens sind die schauspielerischen Leistungen weitgehend in Ordnung; wie üblich glänzt hier vor allem der Darsteller des Bösewichts. Verdammt, war mir der damals unsympathisch… Alles richtig gemacht also.

Das Drehbuch ist zweckmäßig, man merkt aus heutiger Sicht, dass einiges mit Hilfe von Rennszenen, die sich stets ähneln, gestreckt wurde. Dadurch entstehen tatsächlich kleinere Längen, die mir früher gar nicht aufgefallen sind. Weil sich das aber in Grenzen hält, würde ich hierfür keine großen Abzüge geben. Wichtiger ist ohnehin der Humor – und ich finde nach wie vor, dass ein Großteil der Pointen sitzt. Klar, vieles ist vorhersehbar, dennoch habe ich gestern Abend ausgiebig gelacht. Weniger über Dinge wie das Auto, das seinen Erzfeind mit Öl bepinkelt, sondern tatsächlich über den Wortwitz. Man darf hier aber auch nicht die ganz feine Klinge erwarten – unterhaltsam ist es meiner Meinung nach trotzdem.

Abschließend noch ein Wort zur Technik. Die Musik ist ebenfalls etwas, das mir stark in Erinnerung geblieben ist. Hier muss ich aber zugeben, dass mich der ewig gleiche Soundtrack tatsächlich genervt hat. Optisch ist hingegen alles im grünen Bereich und ich könnte nicht sagen, was man hier besser machen kann. Man erkennt zwar ab und an sehr gut, dass die Hintergründe nur Kulissen sind, auch dass das Bild immer mal wieder beschleunigt wird, um den Käfer schneller darzustellen, fällt auf. Dennoch – hier ist nichts computeranimiert und das tut einfach nur gut, finde ich. Den einen oder anderen Spezialeffekt gibt es auch zu bewundern, überbordend ist da aber nichts.

Fazit: Ja, mir hat „Ein toller Käfer“ auch anno 2020 gefallen. Nicht so extrem wie früher, ich glaube nicht, dass ich ihn mir in näherer Zukunft nochmal ansehen werde. Aber es war ein schönes Erlebnis, den Film wieder einmal zu sehen. Wie viel davon reine Nostalgie ist und wie viel Qualität tatsächlich drin steckt, werden andere beurteilen müssen. Ich fürchte, ich bin dafür zu voreingenommen – wobei mir ein Blick auf meine eigene Bewertung zeigt, dass sich der Zauber der Kindheit wohl doch nicht mehr ganz hat reproduzieren lassen…

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: The Love Bug
Regie: Robert Stevenson
Jahr: 1968
Land: USA
Laufzeit: 107 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dean Jones, Michele Lee, David Tomlinson, Buddy Hackett, Joe Flynn



 

MusikWelt: Spiritual Black Dimensions

Dimmu Borgir


„Spiritual Black Dimensions“ ist der vierte Longplayer der Osloer Formation Dimmu Borgir – und gleichzeitig Album Nummer 1 nach dem internationalen Durchbruch „Enthrone Darkness Triumphant“ (1997). Das Ziel war also klar: Die Qualität des Vorgängers mindestens zu halten, um zu beweisen, dass der Erfolg weder Zufall noch eine Eintagsfliege war. Um das zu schaffen, setzen die Norweger auf ihr bewährtes Rezept, erweitern es aber um die eine oder andere Nuance.

Gesamteindruck: 5/7


Überzeugt nicht voll.

Wenn ich an „Spiritual Black Dimensions“ denke, fallen mir auf Anhieb drei definierende Songs ein: Der Opener „Reptile“, dann „Dreamside Dominions“ und – als mein Highlight des Albums – „The Insight and the Catharsis“. Diese Nummern stehen meines Erachtens für alles, was man bereits vorher an Dimmu Borgir zu schätzen wusste (bzw. wofür viele die Band spätestens ab „Enthrone Darkness Triumphant“ zu verachten begannen). Ausufernde, mal unheimliche, mal verträumte Keyboardharmonien treffen auf harschen Gesang und (teils) schwarzmetallisches Riffing. Soweit, so bekannt und gut. Erweitert wird dieses Konzept hier um den fast als „opernhaft“ zu bezeichnenden Gesang von Borknagar-Frontmann Simen „Vortex“ Hestnæs, der bald nach Veröffentlichung des Albums als Vollzeit-Mitglied (Bass und Klargesang) bei Dimmu Borgir einsteigen sollte.

Abgesehen von dieser Neuerung hätten vor allem die relativ geradlinigen und sehr zugänglichen „Reptile“ und „Dreamside Dominions“ aber auch auf „Enthrone Darkness Triumphant“ eine gute Figur gemacht. „The Insight and the Catharsis“ verfolgt hingegen einen etwas komplexeren Ansatz und kann durchaus als Fingerzeig in Richtung Zukunft von Dimmu Borgir gedeutet werden. In diesen Song sind verhältnismäßig viele Ideen gepackt, was schnell nach hinten losgehen kann. Im Falle von „The Insight and the Catharsis“ gelingt den Norwegern allerdings das Kunststück, aus vielen Zutaten eine dramatische und spannende Nummer zu konstruieren – man höre allein den Übergang bei ca. 5:30 Minuten, der meines Erachtens mit zu den besten Beispielen für grandioses Songwriting der sonst in dieser Hinsicht eher einfach gestrickten Dimmu Borgir gehört.

An dieser Stelle sei auf zwei Änderungen im Bandgefüge hingewiesen, die durchaus Einfluss auf das Hörerlebnis haben: Shagrath legt die Klampfe mit „Spiritual Black Dimensions“ endgültig aus der Hand und konzentriert sich voll auf den Gesang – die Lead Gitarre übernimmt der Australier (!) Jamie „Astennu“ Stinson, der gemeinsam mit Bassist Nagash bei den damals noch unter Covenant firmierenden The Kovenant tätig war. Dieser Wechsel führt dazu, dass es nun tatsächlich das eine oder andere gelungene und memorable Solo zu hören gibt (z.B. ab ca. 4:05 Minuten in „The Insight and the Catharsis“), während Shagrath seine bis dato beste und variablste Gesangsleistung abliefert. Mindestens ebenso auffällig ist der Wechsel am Keyboard: Stian Aarstad, der zu „Stormblåst“-Zeiten als Plagiator entlarvte Tastenmann, musste für Øyvind „Mustis“ Mustaparta Platz machen. Abgesehen vom optischen Aspekt (Aarstad ging gerne mal mit Umhang, Zylinder und wenig Corpsepaint auf die Bühne, was so gar nicht zum bemüht bösen Image der Band passen wollte) scheint mir, dass Mustis seine eigenen Instrumente mitgebracht hat. Zumindest klingen die Keyboards in meinen Ohren deutlich symphonischer und orchestraler, als das bisher im Hause Dimmu Borgir der Fall gewesen war. Nicht falsch verstehen: Das Gefühl, hier wäre ein echtes Orchester am Werk, schafft Mustis nicht. Aber sein Spiel und seine Effekte gehen in eine noch neo-klassizistischere Richtung als die seines Vorgängers.

Stellenweise überladen.

Die veränderte Personalsituation scheint mir auch erwähnenswert, weil damit zu tun haben könnte, dass „Spiritual Black Dimensions“ insgesamt etwas an fehlender Kohärenz leidet. Will sagen: Die Keyboard-Harmonien, die sich auf „Enthrone Darkness Triumphant“ noch nahezu perfekt in das Gesamtbild eingefügt haben, fühlen sich hier stellenweise etwas …hmmm… entrückt von der metallischen Basis an. Bei den oben genannten Songs fällt das nicht so sehr auf, weil das einfach gut geschriebene Nummern sind, in denen das Tasteninstrument entweder ganz klar die Führung übernimmt oder die Atmosphäre verdichtet. Beim Rest des Albums verhält es sich ein wenig anders. Über weite Strecken fühlt sich „Spiritual Black Dimensions“ an, als würden ausladende, nein, überladene Keyboard-Arrangements gegen ziemlich straighte, wenig originelle Metal-Riffs kämpfen, statt eine Symbiose mit ihnen einzugehen oder sich gegenseitig zu veredeln. Besonders ohrenfällig ist das für mein Dafürhalten in „The Promised Future Aeons“ und dem Rausschmeißer „Arcane Lifeforce Mysteria“ zu vernehmen. Beide Nummern scheinen mir extrem überfrachtet, verwirrend und ziellos. „United in Unhallowed Grace“ kann zumindest mit seinen thrashigen Riffs und einer vergleichsweise unauffälligen Pianobegleitung punkten, was eine nette Abwechslung auf diesem Album ist.

Abgesehen davon gibt es noch die wenig auffälligen „Behind the Curtains of Night – Phantasmagoria“ und „The Blazing Monoliths of Defiance“ zu hören, die beide am ehesten als klassische Black Metal-Nummern durchgehen können, dabei aber einmal mehr offen legen, dass das nicht der Weg ist, den Dimmu Borgir kompositorisch glaubwürdig zu gehen vermögen. Wie schon bei „Relinquishment of Spirit and Flesh“ (auf „Enthrone Darkness Triumphant“) wäre vor allem zweiterer Song per se gar nicht so schlecht, ist aber nicht zwingend das, was man von dieser Band hören will; um vielleicht trotzdem zu begeistern, soll es ja auch geben, ist dieses Material leider einfach nicht gut genug. Und was schließlich „Grotesquery Conceiled (With Measureless Magic)“ betrifft: Ein netter Cradle of Filth Rip-off. Genau so schreiben die Engländer ihre Songs, ihre Riffs und setzen das Keyboard ein. Ja, macht schon Spaß, der Track, aber eigentlich passt sowas dann doch wesentlich besser zu den Vampiren um Dani Filth.

Merkwürdige Produktion.

Dass „Spiritual Black Dimensions“ gegenüber seinem großartigen Vorgänger das Nachsehen hat, lässt sich letztlich auf zwei Bereiche zurückführen: Einerseits wären da die Keyboards, die ich keineswegs per se verdammen möchte. Aber so, wie sie auf diesem Album eingesetzt werden, hat man teilweise Probleme, die Songs dahinter überhaupt zu erkennen. Das liegt – andererseits – zu einem Gutteil an der Produktion, der die scharfen Kanten von „Enthrone Darkness Triumphant“ vollkommen fehlen. Unverständlich, saß doch hier wie dort Peter Tägtgren, eigentlich ein Könner seines Faches, hinter den Reglern. Wieso der Hypocrisy– und Pain-Chef die Keyboards mit ihren gefühlt 1.000 Spuren hier dermaßen in den Vordergrund gestellt hat, ist mir ein Rätsel. Die Riffs von Dimmu Borgir mögen einfach sein, aber so, wie sie hier zugedeckt werden, hat man stellenweise keine Chance, das überhaupt zu erkennen. Generell ist die gesamte Produktion viel zu verschwommen ausgefallen, was das Gefühl eines wabernden Keyboard-Teppichs, der alles überdeckt, noch verstärkt. All das macht „Spiritual Black Dimensions“ trotz eigentlich eingängiger Melodien insgesamt unerwartet schwer am Stück hörbar. Konfus und verworren, so präsentiert sich die Platte bei den ersten Durchgängen; ein Eindruck, der sich bei manchen Songs auch nach zig Hörversuchen nicht bessern will.

All das heißt nun nicht, dass „Spiritual Black Dimensions“ eine miese Platte ist. Aber, und damit schließt sich der Kreis zum ersten Absatz dieser Rezension: Mein Gedächtnis hat mich nicht getäuscht, es gibt tatsächlich nur drei uneingeschränkte Highlights auf dem Album. Das ebenfalls recht starke „United in Unhallowed Grace“ hatte ich hingegen – aus welchen Gründen auch immer – verdrängt. Diese Nummern sind meines Erachtens so stark, dass sie den Gesamteindruck, den ich nach wie vor von „Spiritual Black Dimensions“ habe, deutlich nach oben korrigieren würden, wenn ich nicht aufpasse. Zu Unrecht, wenn ich ganz ehrlich und halbwegs objektiv sein soll – daher müssen wohlwollende 5 Punkte reichen, auch wenn 4 vermutlich noch angemessener gewesen wären.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Reptile – 5:17 – 6/7
  2. Behind the Curtains of Night – Phantasmagoria – 3:20 – 3/7
  3. Dreamside Dominions – 5:13 – 7/7
  4. United in Unhallowed Grace – 4:22 – 5/7
  5. The Promised Future Aeons – 6:51 – 3/7
  6. The Blazing Monoliths of Defiance – 4:37 – 4/7
  7. The Insight and the Catharsis – 7:17 – 7/7
  8. Grotesquery Conceiled (With Measureless Magic) – 5:10 – 4/7
  9. Arcane Lifeforce Mysteria – 7:03 – 3/7

Gesamteindruck: 5/7 


Dimmu Borgir auf “Spiritual Black Dimensions” (1999):

  • Shagrath – Vocals
  • Silenoz – Rhythm Guitars
  • Astennu – Lead Guitars
  • Nagash – Bass, Backing Vocals
  • Tjodalv – Drums, Percussion
  • Mustis – Keyboards
  • Vortex [Guest] – Vocals

Anspieltipp: The Insight and the Catharsis

 

BuchWelt: Heeresbericht

Edlef Köppen


Von den von mir bis dato zum Thema 1. Weltkrieg gelesenen Romanen ist „Heeresbericht“ von Edlef Köppen der wohl Unbekannteste. Zu Unrecht – tatsächlich denke ich, dass dieses Buch zwei deutschsprachige Referenzwerke übertrifft: „Im Westen nichts Neues“ (1929, Erich Maria Remarque) und „In Stahlgewittern“ (Erstfassung 1920, Ernst Jünger). Dabei dürfte die geringere Bekanntheit von Köppens Werk vor allem dem mehr oder weniger zeitgleichen Erscheinen von u. a. „Im Westen nichts Neues“ geschuldet sein, das bereits damals zum Bestseller wurde, was es ähnlich gelagerten Romanen schwer machte, überhaupt wahrgenommen zu werden.

Gesamteindruck: 7/7


Vom Soldaten zum Pazifisten.

Freilich änderte auch die verhältnismäßig kleinere Auflage von „Heeresbericht“ nichts daran, dass auch dieses Werk der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Daran zeigt sich schon, dass der Inhalt des Buches keineswegs geeignet war, erneute Kriegsbegeisterung in Deutschland zu schüren; ganz im Gegensatz zum abenteuerlich-unkritischen „In Stahlgewittern“.

Inhalt in Kurzfassung
Student Adolf Reisiger meldet sich 1914 freiwillig zum Kriegseinsatz. Als Artillerist kämpft er im Westen, wird später an die Ostfront verlegt und kehrt schließlich – mittlerweile zum Leutnant der Reserve befördert – mit seinem Regiment an die Westfront zurück. Anfänglich noch mit Begeisterung in den Weltkrieg gezogen, hinterfragt Reisinger mehr und mehr den Sinn dieses Konflikts. Schließlich weigert er sich, an weiteren Kämpfen teilzunehmen und erlebt das Ende des Krieges im Irrenhaus.

Auf den ersten Blick entspricht der „Heeresbericht“, dessen fiktive Handlung stark autobiografische Züge trägt, dem, was Ernst Jünger in seinem Buch beschreibt: Protagonist Adolf Reisiger meldet sich 1914 freiwillig und dient sich im Laufe der Zeit vom einfachen Soldaten zum Offizier hoch (wobei ihm das eher „passiert“, wenn man es genau nimmt), wird mehrfach verwundet, wird ausgezeichnet und überlebt den Krieg. Er sieht wie seine Kameraden verwundet werden und/oder sterben, immer wieder muss er sich mit neuen Leuten arrangieren, die als Ersatz in seine Batterie kommen.

Eine Art Entwicklungsroman.

All das kommt Lesern von „In Stahlgewittern“ bekannt vor. Und doch ist es ganz anders, denn Köppen lässt seinen Protagonisten tatsächlich eine Entwicklung durchmachen, die dem von Anfang bis Ende schneidigen und nahezu perfekten Soldaten Ernst Jünger meiner Ansicht nach völlig abgeht. Denn Adolf Reisiger (bzw. Edlef Köppen selbst) ist als junger Kanonier naiv, fragt sich zum Beispiel, wo denn der Krieg sei und was die Front eigentlich ist (als Artillerist war man ja Kilometer hinter den Gräben der Infanterie stationiert und bekam kaum jemals einen Feind zu sehen). Mit Fortdauer des Krieges beginnt Reisiger mehr und mehr zu zweifeln – nicht nur an der Obrigkeit, sondern vor allem auch an sich selbst. Und das endet auch mit seiner Beförderung zum Leutnant der Reserve nicht, im Gegenteil, als solcher ist es seine Pflicht, Menschen in den Tod zu schicken, womit er schwer fertig wird. Der „Heeresbericht“ ist damit eindeutig ein Statement gegen den Krieg und kombiniert die Stärken von „Im Westen nichts Neues“ mit der militärisch detaillierteren Ausgestaltung und sprachlichen Leichtigkeit von „In Stahlgewittern“.

Neben dem Lob für eine eindringliche, realistische und wirkungsvolle Schilderung scheinen mir zwei Dinge erwähnenswert: Einerseits sind in den „Heeresbericht“ durchgängig historische Auszüge aus echten Heeresberichten, Tagesbefehlen, Zeitungsausschnitten usw. eingearbeitet. Dadurch werden u. a. Differenzen in der Wahrnehmung der Frontsoldaten und dem, was in der zensierten Presse erscheint, kritisch beleuchtet. Zweiter Punkt, der hervorzuheben ist: Es ist hochinteressant, einmal nicht die übliche Perspektive des Infanteristen zu verfolgen. Reisiger ist Artillerist, das Geschehen findet also nur am Rande in den Schützengräben statt, spielt sich vielmehr weit dahinter ab. Freilich war es auch dort alles andere als angenehm, stand man doch häufig mit den gegnerischen Kanonen im mörderischen Fernduell. Für den an die Leiden der Infanterie gewöhnten Leser ist das durchaus bemerkenswert, weil dadurch ein gänzlich anderes Gefühl und eine andere Atmosphäre erzeugt werden. Immerhin sieht der Artillerist kaum jemals seinen Feind, nicht mal, ob die Geschosse überhaupt treffen, ist in der Regel zu erkennen. Man schießt und tötet blind, sozusagen anonym, was aber den Soldaten nicht von seinen Schuldgefühlen zu befreien vermag.

Kaufempfehlung.

Stilistisch ist Edlef Köppen sehr sauber unterwegs. „Heeresbericht“ liest sich angenehm und deutlich flüssiger als das stellenweise etwas schwerfällige „Im Westen nichts Neues“. Ich halte den Bestseller von Remarque zwar auch für ein Meisterwerk, im direkten Vergleich offenbaren sich dann aber doch einige sprachliche Schwächen. Für mein Dafürhalten ist Köppen stilistisch übrigens auch Ernst Jünger überlegen, hat ihm gegenüber außerdem den Vorteil (wenn man das als Vorteil sehen will), sich mit diesem Buch eindeutig gegen den Krieg zu positionieren. Zu alledem kommt noch die genannte Einarbeitung von zeitgenössischen Dokumenten, die sich perfekt in das Gesamtwerk einfügen. Damit ist „Heeresbericht“ für mich tatsächlich einer der besten, wenn nichts sogar der beste Roman zum 1. Weltkrieg. Klare Kaufempfehlung!

Gesamteindruck: 7/7


Autor: Edlef Köppen
Originaltitel: Heeresbericht.
Erstveröffentlichung: 1930
Umfang: ca. 315 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: E-Book

MusikWelt: Enthrone Darkness Triumphant

Dimmu Borgir


Wir schreiben das Jahr 1997. Es ist ein gutes Metal-Jahr, das die Debüts von HammerFall, Children of Bodom und Nightwish sieht, außerdem großartige Alben von Emperor, Immortal, In Flames, Stratovarius und Rammstein. Und auch der dritte Longplayer von Dimmu Borgir, „Enthrone Darkness Triumphant“, wird auf die Menschheit losgelassen – und verändert die öffentliche Wahrnehmung des Black Metal für immer.

Gesamteindruck: 7/7


Der Durchbruch.

„Enthrone Darkness Triumphant“ war für Dimmu Borgir in vielerlei Hinsicht eine Zäsur. Dabei unterscheidet sich das Album musikalisch gar nicht so sehr von seinen Vorgängern, wie man vielleicht meinen könnte – es dominieren regelrecht verträumt wirkende Keyboard-Harmonien, die über mal mehr, mal weniger harsche Black Metal-Riffs gestülpt sind. Insgesamt ist Album Nummer 3 sogar härter und schneller als „Stormblåst“. Und auch das Bandgefüge hat sich nur an einer Position (der neue Mann am Bass hört auf den Namen Nagash) verändert. Und dennoch – 1997 ist plötzlich alles ganz anders. Das beginnt beim Bandlogo, das nicht mehr klassisch-unlesbar ist, setzt sich bei Album- und Songtiteln fort (bis zu diesem Zeitpunkt spielte sich im Hause Dimmu Borgir alles auf norwegisch ab), reicht über die professionelle Peter Tägtgren-Produktion und endet bei der modifizierten Atmosphäre.

In der Retrospektive scheint jede einzelne dieser Veränderungen, die Basis für die Anfeindungen durch die trve Black Metal-Szene sind, auf den Wechsel des Labels zurückzuführen zu sein. Denn es begab sich just zu jener Zeit, dass Dimmu Borgir, gestartet beim zweifelhaften No Colours Records, dann schnell gesigned vom recht undergroundigen Cacophonous Records (dort standen u.a. Cradle of Filth unter Vertrag), bei Nuclear Blast landeten. Das deutsche Label war damals gerade im Aufstieg begriffen, hatte u. a. mit HammerFall, Hypocrisy, Therion und Amorphis diverse heiße Eisen im Feuer. Mit Dimmu Borgir bewiesen die Verantwortlichen ebenfalls den richtigen Riecher. Auch weil es – im Gegensatz zu heute – überhaupt nicht üblich war, Black Metal aus Norwegen im Portfolio zu haben. Zu lebhaft war damals noch die Erinnerung an die brennenden Stabkirchen, an Mord und Gewalt. Eine lange Vorgeschichte, ich weiß. Aber die halte ich für essenziell, weil sie letztlich nicht nur Dimmu Borgir betrifft, sondern das Tor für eine breitere Wahrnehmung des wohl extremsten aller Musikgenres in der Öffentlichkeit aufstieß – mit allen positiven und negativen Konsequenzen.

Punktet auf allen Ebenen.

Nun kommen aber endlich zur Musik auf „Enthrone Darkness Triumphant“. Wie erwähnt unterscheidet sich dieses Album vom Songwriting her nicht so sehr von seinen Vorgängern, wie man meinen könnte, wenn man verschiedene Reviews liest. Ja, insgesamt ist die Platte etwas härter, aber die Unterschiede zu „Stormblåst“ scheinen mir im Großen und Ganzen dann doch eher der guten (zu guten?) Produktion geschuldet zu sein. Außerdem von Beginn an auffällig: Shagrath tritt hier erstmals als hauptamtlicher Sänger auf. Seine Stimmlage unterscheidet sich tatsächlich stark vom klassisch-schwarzen Gekrächze, das er selbst und Kumpel Silenoz auf früheren Platten zum Besten gegeben haben. Auch das ist ein Faktor, der „Enthrone Darkness Triumphant“ zugänglicher macht, obwohl man hier den Klargesang späterer Alben vergeblich sucht.

„Enthrone Darkness Triumphant“ startet mit drei Songs, die direkt zu Klassikern auf der Setlist der Norweger avancieren sollten. Vor allem der Opener „Mourning Palace“ ist hier zu nennen, nicht, weil er meines Erachtens der beste Song des Albums ist (allerdings ist er nah dran), sondern weil er einfach zum Soundtrack des Jahre 1997 gehört. Bei den ersten Keyboard-Klängen fühlt sich hier auch der Fan der esten beiden Alben der Osloer noch recht heimisch, wenn es dann aber mit den Gitarren los geht, reibt man sich im ersten Moment verwundert die Ohren. Denn so heavy wie hier klangen Dimmu Borgir in den alten Tagen keineswegs. Hier gibt es Heavy Metal-Riffing vom Feinsten, clever arrangiertes Keyboard-Spiel und ausgefeiltes Songwriting. Ähnliches gilt für „Spellbound (By the Devil)“ und meinen persönlichen Favoriten „In Death’s Embrace“. Letztere Nummer ist mit dem zwischen Shagrath und Nagash aufgeteilten Gesang und stark verzerrten Gitarren zum Teil tatsächlich sehr Black Metal-affin. Was mich hier aber wirklich begeistert, ist die Art, wie das Keyboard eingesetzt wird, einerseits in der Melodieführung während der Strophen, andererseits im instrumentalen Mittelteil. Ich denke, diese Nummer steht für alles, was ihre Fans an Dimmu Borgir schätzen. Und das in völlig unverbrauchter und frischer Form.

Nach solchen Lobeshymnen folgt oft ein Satz wie „naturgemäß fällt der Rest des Songmaterials im Vergleich dazu etwas ab“. Im Falle dieses Albums gibt es allerdings mit „Tormentor of Christian Souls“, „Entrance“, „Master of Disharmony“ und dem finalen, fast schon romantisch-verträumten „A Succubus in Rapture“ vier weitere Hits, die jeder, der zumindest ein bisschen was mit der melodischen Seite des Black Metal anfangen kann, zu schätzen wissen müsste. Wobei speziell zu „Tormentor of Christian Souls“ gesagt sei, dass derartige Texte bei Dimmu Borgir immer schon höchst irritierend waren. Denn das Image der bösen Satanisten hat dem Quintett tatsächlich von Anfang an niemand abgenommen – und dass die Lyrics auf diesem Album in weiten Teilen in diese Kerbe hauen, war der Credibility auch nicht unbedingt zuträglich.

Zu erwähnen sind noch die übrigen drei Songs, die immer ein bisschen vergessen werden, wenn man über „Enthrone Darkness Triumphant“ spricht. Im Fall von „Prudence’s Fall“ zu Unrecht, diesen Track finde ich schon sehr stark. „Relinquishment of Spirit and Flesh“ ist hingegen eine Art Opfer des Dimmu Borgir’schen Songwritings: Eigentlich wäre das ein Song, der jeder Black Metal-Band gut zu Gesicht stehen könnte. Bei der speziellen Form von Black Metal, die Dimmu Borgir spielen, wirkt die Nummer aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Eingängigkeit hingegen wie ein Fremdkörper. Mir gefällt der Song eigentlich gar nicht so schlecht, aber von dieser Band und auf diesem Album ist er irgendwie fehl am Platze. Und schließlich gibt es noch „The Night Masquerade“, ein Lied, an das man sich nur wegen der kurzen weiblichen Stimmeinlage gegen Ende erinnert. Ausfälle sind das alles keine, aber richtig gut geht halt auch anders.

Fazit: Das Songmaterial gehört meiner Ansicht nach zum Besten, das Dimmu Borgir jemals veröffentlicht haben. Das liegt vornehmlich daran, dass die Norweger hier tatsächlich die perfekte Balance zwischen melodiöser Zugänglichkeit und schroffer Härte schaffen. Klar muss man dafür als Hörer eine grundsätzliche Affinität für neoklassizistisch-symphonische Klänge mitbringen – die sollte theoretisch aber bei jedem Metalhead, der ein etwas breiteres Spektrum zu schätzen weiß, vorhanden sein. Auch logisch, dass dem Anhänger des ursprünglichen Black Metal der 2. Generation selbst Nummern wie „Tormentor of Christian Souls“ oder „Spellbound (By the Devil“, die ja vom Titel her genau ins Beuteschema fallen müssten, höchstens ein müdes Lächeln abringen. Ich persönlich verstehe das gut, bin aber deshalb nicht bereit, Dimmu Borgir zu verdammen. Selbstverständlich klingen sie nicht wie Darkthrone, ich halte das aber keinesfalls für ein Qualitätskriterium – das anders handzuhaben bleibt natürlich jedem unbenommen.

Nuclear Blast und die Folgen.

Eine Schlussbemerkung zum Deal mit Nuclear Blast sei mir gestattet – freilich, ohne genaue Hintergründe zu kennen. Fakt ist, dass das Label schon immer ein Händchen bei der Auswahl seiner Talente hatte. Inwiefern die unter Vertrag genommenen Bands musikalisch, aber auch hinsichtlich Auftreten, Ideologie etc. geformt werden, entzieht sich zwar meiner Kenntnis. Fakt ist jedoch auch, dass Dimmu Borgir nach dem Wechsel zu Nuclear Blast in fast allen Bereichen herzeigbarer und leichter konsumierbar wurden. Es war weder ihr Schaden, noch der des Labels, muss man konstatieren. Für die um Kredibilität bemühte Black Metal-Szene muss es hingegen eine Art Weckruf gewesen sein, schien es doch plötzlich möglich, mit vermeintlich geringen Anpassungen auch mit dieser Musik Geld zu machen.

Ich weiß es tatsächlich nicht, glaube aber, hierin DIE Ursache einer bis heute dauernden Diskussion und Spaltung der Szene erkennen zu können. Und auch wenn Dimmu Borgir vom Start weg sowohl musikalisch als auch ideologisch weit weniger radikal als viele ihrer Landsleute zu Werke gingen, ist die Zusammenarbeit mit Nuclear Blast definitiv eine Erwähnung wert, weil sie letztlich zur Initialzündung für eine breitere öffentliche Wahrnehmung der schwarzen Tonkunst wurde. Freilich mit dem Nachteil, dass Außenstehende tatsächlich glaubten, Black Metal klinge immer wie bei Dimmu Borgir und sich mit Grausen von traditionelleren Klängen der 2. Generation (Darkthrone, anyone?) abwandten. Vermutlich, weil deren Musik allein, also ohne das richtige Feeling dafür, kaum konsumierbar ist, ganz im Gegenteil zu dem, was Dimmu Borgir machten und machen. Dieser Verwirrung fielen im Endeffekt auch die zwei Vorgängerwerke der Osloer zum Opfer, die bei vielen, die sie mit „Enthrone Darkness Triumphant“ kennengelernt hatten, so gar nicht punkten konnten. So jedenfalls meine, vermutlich sehr eingeschränkte und freie Interpretation der Ereignisse.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Mourning Palace – 5:12 – 7/7

    metal-archives.com

  2. Spellbound (By the Devil) – 4:07 – 6/7
  3. In Death’s Embrace – 5:41 – 7/7
  4. Relinquishment of Spirit and Flesh – 5:31 – 5/7
  5. The Night Masquerade – 4:23 – 4/7
  6. Tormentor of Christian Souls – 5:38 – 6/7
  7. Entrance – 4:46 – 6/7
  8. Master of Disharmony – 4:14 – 5/7
  9. Prudence’s Fall – 5:54 – 6/7
  10. A Succubus in Rapture – 5:57 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7 


Dimmu Borgir auf “Enthrone Darkness Triumphant” (1997):

  • Shagrath – Vocals, Lead Guitars
  • Erkekjetter Silenoz – Rhythm Guitars
  • Nagash – Bass, Backing Vocals
  • Tjodalv – Drums, Percussion
  • Stian Aarstad – Keyboards, Piano

Anspieltipp: In Death’s Embrace

 

BuchWelt: In Stahlgewittern

Ernst Jünger


„In Stahlgewittern“ ist, im Gegensatz zu „Im Westen nichts Neues“ (1929, Erich Maria Remarque), ein bis heute durchaus umstrittenes Werk. Ein Grund dafür mag sein, dass das Buch ein Bericht ist, der zwar anschaulich das Geschehen an der Westfront des 1. Weltkrieges schildert, dabei aber stets nüchtern und distanziert bleibt. Der Krieg wird von Autor Ernst Jünger nicht kritisch hinterfragt, sondern als Naturereignis, eben wie ein Gewitter, hingenommen.

Gesamteindruck: 5/7


Der Krieg als Naturgewalt.

Inhaltlich schildert Ernst Jünger in den „Stahlgewittern“ durchaus ähnliche Situationen und Erlebnisse, wie sie auch Erich Maria Remarque in „Im Westen nichts Neues“ erzählt. Hier wie dort kommt der Protagonist als junger Kriegsfreiwilliger an die Front, erlebt die ganze Dramatik von Stellungskrieg, Artillerieüberfall, Nahkampf, Chaos und Tod. Damit sind die Gemeinsamkeiten jedoch erschöpft. Denn während Remarques Paul Bäumer immer tiefer in den Strudel aus Gewalt und Verzweiflung gezogen wird und das auch sehr deutlich erkennen lässt, macht Ernst Jünger Karriere: Vom Kriegsfreiwilligen zum Offizier und Zugsführer. Dieser Unterschied wäre – ebenso wie die militärisch viel exakteren Beschreibungen – natürlich Makulatur, wenn sich „In Stahlgewittern“ nicht auch völlig anders lesen würden.

Inhalt in Kurzfassung
Kurz nach Ausbruch des 1. Weltkrieges meldet sich Ernst Jünger nach dem Notabitur als Kriegsfreiwilliger. Nach seiner ersten Verwundung schlägt er die Offizierslaufbahn ein und kämpft – immer wieder unterbrochen durch Verwundungen – als Leutnant, Zugs- und Stoßtruppführer an der Westfront. Ab dem dritten Kriegsjahr wird sein Regiment vorwiegend an Brennpunkten der Front eingesetzt. Seine Erlebnisse hält Jünger in Form eines Tagebuchs fest, an dem er in Ruhestellung, teilweise aber sogar während kurzer Gefechtspausen schreibt.

Zunächst: „In Stahlgewittern“ entstand aus den Tagebuchaufzeichnungen von Ernst Jünger. Das zeigt sich beim Lesen und am Aufbau sehr deutlich, ein Roman mit durchgehender Handlung ist das Buch nur im weitesten Sinne. Schwer zu lesen ist es aber dennoch nicht, ganz im Gegenteil.

Nun aber zum Inhalt; wie der Titel es andeutet, scheint der Krieg für Jünger eine Art Naturereignis, das über den Menschen hereinbricht, gewesen zu sein. Er hinterfragt kaum sein eigenes Tun und das seiner Vorgesetzten – nur an ganz wenigen Stellen schimmert ein wenig Zweifel durch. Ferner schildert der Autor zwar die Grausamkeit des Krieges, der ein Kamerad nach dem anderen zum Opfer fällt, bleibt dabei aber sehr distanziert. Ja, es gibt auch hier die schrecklichen Verwundungen, den Dreck, die erbärmlichen hygienischen Zustände, die immer wieder aufkommende Langeweile und den allgegenwärtigen Tod. Doch all das nimmt Jünger als gegeben und unveränderbar hin, ohne daran zu verzweifeln oder es gar zu kritisieren. Im Gegenteil, der junge Mann scheint ein echter Draufgänger gewesen zu sein; immer wieder ging er, offenbar um der Langeweile zu entkommen, als Freiwilliger auf gefährliche Erkundungs- und Stoßtruppmissionen, bei denen er des Öfteren auch diverse Kameraden gefallen, verwundet oder gefangen zurücklassen musste. Elfmal wurde Jünger verwundet, was ihm aber offenbar nicht sonderlich beeindruckt hat. Der Mann muss ein echter Hasardeur gewesen sein, beschreibt er doch immer wieder, wie lästig ihm beispielsweise trotz diverser Verletzungen sein Stahlhelm war und wie gern er auch im Feuer nur mit einer Mütze unterwegs war.

Keine nationalistischen Anwandlungen.

All das mag dem einen oder anderen Leser reichen, um Jüngers Werk zu verdammen. Mir persönlich nicht, weil ich überzeugt bin, dass es im und nach dem Krieg nicht nur die Remarques, sondern eben auch die Jüngers, die stoisch alles ertragen haben, ohne daran zu zerbrechen, gegeben haben muss. Das mag einem nicht gefallen, weil es auf den ersten Blick kaum geeignet sein ist, nachhaltig aus dem Geschehenen zu lernen – dennoch muss auch diese Sichtweise möglich sein. Zugute halten kann man Jünger auch, dass die Nüchternheit seines Berichtes für beide Seiten der Medaille gilt. So gibt es bei ihm kaum eine Stelle, an der er von Gefühlen wie Zorn oder gar Hass gegenüber den feindlichen Soldaten schreibt; und auch patriotisch-nationalistische Anwandlungen sucht man im Text vergeblich. Jünger kämpft für mein Dafürhalten weniger aus Pflichtgefühl, sondern fast schon um des Kampfes Willen; auch um zu Überleben, aber vorwiegend hat man das Gefühl, dass ihn tatsächlich die Abenteuerlust antreibt. Man kann ihm auch vorwerfen, dass er im Felde viel zu leichtfertig unterwegs war, was vielleicht sogar Menschenleben gekostet hat. Dass er das aus irgendwelchen ach-so-hehren Motiven wie Vaterlandsliebe getan hat, vermag ich aber nicht zu erkennen. Dass er überhaupt überlebt hat, scheint im Übrigen vor allem einer geradezu unglaublich Portion Glück geschuldet zu sein.

Letztlich empfinde ich die Werke z. B. von Erich Maria Remarque, Henri Barbusse oder Edlef Köppen als wichtiger, weil sie meiner Meinung nach dem Krieg genau jenes abenteuerliche Element nehmen, das ihn für uns, die wir nie unter Waffen gestanden haben, in manchen Zeiten verlockend zu machen scheint. Wenn man nur die „Stahlgewitter“ kennt, ist der Schritt zum Gedanken, dass ein Krieg ja gar nicht so schlimm wäre, nicht weit. Denn Jünger schreibt gut, er schreibt leicht lesbar, er schreibt unterhaltsam – und genauso wirkt der Krieg dann auch bei ihm: Letztlich ein einziges großes Abenteuer, bei dem es zwar den einen oder anderen Toten zu beklagen gibt, was aber eher irritiert als traumatisiert. Umso wichtiger ist meines Erachtens eine entsprechend reflektierte Lektüre dieses Buches.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Ernst Jünger
Originaltitel: In Stahlgewittern.
Erstveröffentlichung: 1920
Umfang: ca. 280 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: E-Book

BuchWelt: Der Weg zurück

Erich Maria Remarque


„Der Weg zurück“ ist die Fortsetzung von „Im Westen nichts Neues“. Erfolgsautor Erich Maria Remarque beschreibt darin – wiederum quasi-autobiografisch – den Versuch der ehemaligen Soldaten, nach Kriegsende im Zivilleben Fuß zu fassen.

Gesamteindruck: 6/7


Traumatisierte Heimkehrer.

Der 1. Weltkrieg war nicht nur zwischen 1914 und 1918 ein allseitiges und umfassendes Desaster. Der bis dahin größte Konflikt der Menschheitsgeschichte hatte auch tiefgreifende Folgen für Europa und die ganze Welt. Während in Sachbüchern neben Ursachen und Verlauf vor allem politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachwehen diskutiert werden, ist das Erlebnis des Einzelnen großteils der Romanliteratur vorbehalten. Meist konzentrieren sich die Autoren darin eher auf das Geschehen direkt an der Front – so auch Erich Maria Remarque in seinem Bestseller „Im Westen nichts Neues“. Ein Aspekt, den der Autor dort anlässlich der Episode um einen Heimaturlaub des Protagonisten andeutet, findet hingegen weniger Beachtung in der Literatur: Am Ende des Krieges wurden Millionen ehemalige Soldaten ins Zivilleben entlassen – meist völlig auf sich gestellt, oft traumatisiert und mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich grundlegend verändert hatte.

Inhalt in Kurzfassung
Herbst 1918: Der 1. Weltkrieg ist zu Ende, die überlebenden Soldaten kehren in ihre Heimat zurück. Dort müssen sie schnell feststellen, dass sie keineswegs als Helden gefeiert oder auch nur als verdiente Veteranen begrüßt werden. Noch dazu hat sich niemand darüber Gedanken gemacht, ob und wie die teils schwer traumatisierten Männer überhaupt in ein normales Leben zurückfinden sollen.

Inhaltlich ist „Der Weg zurück“ lose mit „Im Westen nichts Neues“ verbunden. Der Ich-Erzähler, Ernst Birkholz, scheint in der Kompanie von Paul Bäumer, dem Protagonisten von „Im Westen nichts Neues“ gewesen zu sein. Denn eben dieser und einige andere Soldaten, die man aus dem Vorgänger kennt, werden namentlich erwähnt; als einziger überlebt hat übrigens der Soldat Tjaden, der hier eine Nebenrolle spielt.

Remarque, der nach dem Krieg selbst mit Depressionen zu kämpfen hatte, arbeitet in „Der Weg zurück“ sehr gut heraus, dass das Drama 1918 keineswegs vorüber war. Die ehemaligen Frontsoldaten begegnen episodenhaft verschiedensten Problemen, die sich über sämtliche Lebensbereiche erstrecken. Das beginnt beim durch Gesichtsverletzungen entstellten Kommilitonen, der sich fragt, ob sein Berufswunsch (Lehrer) noch erreichbar ist, reicht über die offene Feindseligkeit ehemaliger Kameraden, die sich der Revolution angeschlossen haben, bis hin zu den Eltern, die einfach nicht verstehen können, was mit ihren Söhnen im Krieg passiert ist. Zu diesen äußeren Faktoren kommen dann noch innere Zerissenheit und posttraumatische Störungen (ein Begriff, den es damals freilich noch nicht gab), sodass sich insgesamt ein sehr trostloses Bild für die Heimkehrer ergibt. Absurde Situationen wie der Diebstahl und die Schlachtung des Hahnes des Nachbarn (ganz im Sinne des „Requirierens“ an der Front), der ehemalige Bursche, der in der Zivilgesellschaft im Stand deutlich über seinem damaligen Leutnant steht, der nach wie vor schneidige Offizier, der das Feuer auf ehemalige Kameraden, die im Verdacht stehen, Revolutionäre zu sein, eröffnen lässt usw. werden geschildert.

Einblicke in die Psyche.

Alles in allem ist dem Erich Maria Remarque mit „Der Weg zurück“ ein eindringliches Buch mit deutlich anderem Fokus als „Im Westen nichts Neues“ gelungen. Der Autor zeichnet ein Bild, das anhand relativ detaillierter Charaktere schonungslos die Folgen des Krieges aufzeigt – ganz im Gegenteil zur eher atmosphärische Schilderung des Geschehens im Vorgänger. Ich empfinde „Im Westen nichts Neues“ letztlich dennoch um eine Spur stärker, weil geradliniger. In „Der Weg zurück“ bemüht sich der Autor verstärkt darum, das, was in der Psyche der Charaktere passiert, zu beschreiben. Der Versuch ist aller Ehren wert und stellenweise auch sehr intensiv, etwa, wenn sich ein Offizier und Kamerad des Protagonisten zurück an die ehemalige Front begibt und dort (in seinem Kopf) erneut die Schrecken des Grabenkrieges durchlebt. Allerdings muss man auch konstatieren, dass diese Darstellung, eine Art innerer Monolog, nicht ganz die Stärke von Remarque ist und teilweise etwas langatmig ausfällt. Dennoch gelingt es ihm hier ganz gut, das Gefühl von Drama und Trauma in Metaphern zu fassen.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Erich Maria Remarque
Originaltitel: Der Weg zurück.
Erstveröffentlichung: 1931
Umfang: ca. 275 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: E-Book

MusikWelt: Stormblåst

Dimmu Borgir


Dimmu Borgir zeigen sich auf ihrem Zweitwerk „Stormblåst“ in fast allen Belangen verbessert. Die Band wirkt eingespielter, technisch gereift und wesentlich konstanter als auf ihrem Debüt „For All Tid“ (1995). Tatsächlich enthält „Stormblåst“ bereits alle Elemente, die die Norweger später zu Megastars machen sollten – allerdings in deutlich roherer und weniger opulenter Form. Welche Variante man bevorzugt ist letztlich Geschmackssache, ich persönlich mag letztlich beides. Ja, auch das ist möglich.

Gesamteindruck: 5/7


Rundum verbessert.

An ein Album der in der (norwegischen) Black Metal-Szene wohl verhasstesten Band halbwegs subjektiv heranzugehen, ist eine Herausforderung. Ich persönlich habe Dimmu Borgir erst mit ihrem Durchbruch „Enthrone Darkness Triumphant“ (1997) kennengelernt und wusste und weiß vieles (bei weitem nicht alles!), was danach kam, zu schätzen. „Stormblåst“ und „For All Tid“ habe ich hingegen eher stiefmütterlich behandelt. Grund genug, das nachzuholen – und während man das Debüt eher als Kuriosität abheften kann, klingt Album Nummer 2 tatsächlich nach einer vollwertigen Platte von Musikern, die ihr Handwerk zwar noch nicht perfekt, aber immerhin schon sehr gut, beherrschen.

Man kann es auch deutlicher formulieren: Zwischen „For All Tid“ und „Stormblåst“ liegen Welten, was die Qualität betrifft. Auf technischer Seite zeigt sich das an der Produktion, die bei „Stormblåst“ zwar noch weit vom späteren, polierten Klang entfernt ist, den gewollten oder ungewollten Dilettantismus von „For All Tid“ jedoch um Längen schlägt. Größter Kritikpunkt dürften in dieser Hinsicht die merkwürdig gedämpft klingenden Drums sein, denen es an Punch fehlt. Apropos Drums: Die zweitbeste Entscheidung (Platz 1 gebührt dem Wechsel des Labels vom zweifelhaften No Colours Records hin zu Cacophonous), die Dimmu Borgir zwischen „For All Tid“ und „Stormblåst“ getroffen haben, war der Positionstausch zwischen Tjodalv und Shagrath. Denn ersterer klingt tatsächlich wie ein passabler Drummer, während Shagrath als Gitarrist eine deutlich bessere Figur macht als hinter der Schießbude, auf die er auf dem Debüt mehr schlecht als recht einprügelte. Und weil wir gerade von der Besetzung sprechen: Der Gesang auf „Stormblåst“ stammt großteils nach wie vor von Silenoz, wurde teilweise aber auch von Shagrath übernommen, der hier noch ganz anders klingt, als auf späteren Werken. Beiden Vokalisten gemeinsam ist ihr Gekrächze, das tatsächlich nach trve Black Metal klingt.

Gemäßigt, aber dennoch schwarz.

Tatsächlich ist der Unterschied zwischen Dimmu Borgir und dem, was man in der Regel als echten Black Metal bezeichnet, ziemlich groß. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten – hier wie da setzt man auf Corpsepaint, Nieten und Kreischgesang, lässt gerne mal Satan hochleben und ist im Allgemeinen nicht gerade philanthropisch unterwegs. Allerdings gehen die 1993 in Oslo gegründeten Dimmu Borgir musikalisch deutlich gemäßigter zu Werke, sodass man fast von einem anderen Genre sprechen könnte (analog übrigens zu Children of Bodom im melodischen Death Metal). Ja, „fast“, denn die Basis ist meines Erachtens schon Black Metal, wie man am Großteil der Gitarrenriffs sehr gut erkennen kann. Blendet man das sehr prominente Keyboard aus, klingt „Stormblåst“ in seinen schnelleren Momenten sogar nach lupenreinem Schwarzmetall. Weil das Tasteninstrument jedoch oft sehr vordergründig zum Einsatz kommt, ist die Atmosphäre grundlegend anders, eher melancholisch geprägt und hat wenig mit dem vertonten Hass zu tun, den man von anderen Gruppen kennt.

Einzelne Songs hervorzuheben fällt mir schwer. Es gibt typische Dimmu Borgir-Nummern wie das großartige „Alt Lys er Svunnet Hen“, die auch auf späteren Alben eine gute Figur gemacht hätten. Hier sitzt die Symbiose aus Klassik, Heavy und Black Metal sehr gut. Dann gibt es eine paar Stücke, die man als Black Metal im klassischen Sinne bezeichnen könnte, weil sie auf übertriebenen Keyboard-Einsatz verzichten – bestes Beispiel ist „Vinder fra en Ensom Grav“, das zeigt, dass die Osloer auch ohne Überstraphazierung des Tasteninstruments Atmosphäre erzeugen können. Das eine oder andere eher belanglose Lied („Antikrist“) gibt es auch zu hören, von Totalausfällen kann man aber nicht sprechen.

Und dann ist da noch „Sorgens Kammer“, dessen Geschichte bekannt sein sollte. Die Kurzfassung: Keyboarder Stian Aarstad gab die Nummer – angeblich ohne Wissen seiner Bandkollegen – als eigene Komposition aus, während es sich in Wirklichkeit um ein Plagiat einer Melodie handelt, die von einem gewissen Tim Wright für das Amiga-Spiel „Agony“ geschrieben wurde. Zusätzlich hat Aarstad sich für den Beginn von „Alt Lys er Svunnet Hen“ – ebenfalls ohne Erwähnung im Booklet – bei „Sacred Hour“ von Magnum bedient. Ironie des Schicksals, dass Dimmu Borgir unter umgekehrten Vorzeichen später selbst die Plagiierten sein sollten… Aber auch, wenn die Melodie geklaut ist, ist das ein Stück Musik, das sich auf wunderbare Weise in den Gesamtkontext von „Stormblåst“ einfügt.

Alles in allem ist die erste Hälfte der Platte deutlich stärker, was vor allem dem grandiosen Eröffnungsdoppel „Alt Lys er Svunnet Hen“ und „Broderskapets Ring“ zu verdanken ist. Für mein Dafürhalten legten diese beiden Nummern, gemeinsam mit dem Titeltrack von „For All Tid“ sowie „Raabjørn Speiler Draugheimens Skodde“ den Grundstein für den Durchbruch und die Erfolgsformel, die Dimmu Borgir in den folgenden 10 Jahren weidlich ausnutzen sollten. Doch das ist eine Geschichte für Rezensionen zu den jeweiligen Alben… In Hinblick auf „Stormblåst“ bleibt zu sagen, dass sich das Album meiner Meinung nach auch für jene lohnt, die diese Band erst später kennengelernt haben. Im ersten Moment mag es aus verschiedenen Gründen ein wenig abschrecken – es macht sich aber bezahlt, genau hinzuhören, einerseits weil die Musik über weite Strecken tatsächlich sehr gut geschrieben ist, andererseits, weil man damit ein besseres Verständnis und Gefühl für die Historie einer Truppe bekommt, die eine der bekanntesten ihres Genres werden sollte.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Alt Lys er Svunnet Hen – 6:05 – 7/7
  2. Broderskapets Ring – 5:07 – 6/7
  3. Når Sjelen Hentes til Helvete – 4:30 – 5/7
  4. Sorgens Kammer – 6:19 – 5/7
  5. Da den Kristne Satte Livet til – 3:06 – 5/7
  6. Stormblåst – 6:13 – 5/7
  7. Dødsferd – 5:28 – 4/7
  8. Antikrist – 3:42 – 4/7
  9. Vinder fra en Ensom Grav – 4:25 – 5/7
  10. Guds Fortapelse – Åpenbaring av Dommedag – 4:23 – 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


Dimmu Borgir auf “Stormblåst” (1996):

  • Shagrath – Guitars, Vocals
  • Erkekjetter Silenoz – Vocals, Guitars
  • Brynjard Tristan – Bass
  • Tjodalv – Drums, Percussion
  • Stian Aarstad – Keyboards, Piano

Anspieltipp: Alt Lys er Svunnet Hen