FilmWelt: Solo: A Star Wars Story

Als klar wurde, dass der Star Wars-Rechteinhaber Disney auf eine andere, wesentlich schnellere Veröffentlichungspolitik setzen würde, als man es bisher gewohnt war, habe ich mich zunächst gefreut. Keine gefühlt endlose Warterei auf den nächsten Film mehr, sondern jedes Jahr neuer Stoff – das schien eine gute Idee zu sein, weil das von George Lucas geschaffene Universum mehr als genug hergibt, um zahllose Geschichten zu erzählen. Leider zeigt sich am 2018er „Solo: A Star Wars Stoy“ (kurz: „Solo“), dass es vielleicht doch nicht so gut ist, von Film zu Film zu hetzen.

Gesamteindruck: 4/7


Schmuggler, Pilot und Wookie-Zähmer.

„Solo“ ist der zweite Film aus der Reihe der „A Star Wars Story“-Ableger, die außerhalb der Episoden der Hauptreihe existieren. Gleichzeitig ist „Solo“ der dritte Star Wars-Film, der innerhalb von drei Jahren veröffentlicht wurde (2015: Episode VII: Das Erwachen der Macht, 2016: Rogue One, 2017: Episode VIII: Die letzten Jedi). Dazu sei auch noch gesagt, dass zwischen „Die letzten Jedi“ und „Solo“ kein Jahr, sondern nur rund fünf Monate liegen. Masse statt Klasse also?

Inhalt in Kurzfassung
Auch wenn das Imperium mit eiserner Hand über die Galaxis herrscht, haben Schmuggler und Verbrechersyndikate Hochkonjunktur. Einer der Gesetzlosen, die am Rande der Gesellschaft stehen und jede sich bietende Gelegenheit nutzen, ist Han Solo. Der Film erzählt, wie aus dem jungen Dieb einer der besten Piloten und Schmuggler des Universums wird – und, wie er dabei zu seinem legendären Raumschiff kommt und seinen langjährigen Freund und Copiloten Chewbacca trifft.

Fangen wir mit dem Positiven an: Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht, keine Frage. Der Sound stimmt und die Effekte passen. Die Optik ist (fast) typisch, mir persönlich wirken wiederum einige Design-Elemente zu „neu“ bzw. zu glatt poliert. Im Haben sind – selbstverständlich – auch diverse Anspielungen und Momente zu verbuchen, die auf zukünftige Entwicklungen verweisen und so den Fans der Ursprungs-Trilogie als „Anker“ dienen.

Besetzungstechnisch bin ich dann schon weniger zufrieden. Zumindest hat man mit Donald Glover einen Goldgriff getan, er verkörpert den jungen Lando Calrissian tatsächlich so, dass man an Billy Dee Williams (Episoden V und VI) denkt. Alden Ehrenreich als Han Solo kann da für meinen Geschmack nicht mithalten. Den kann ich einfach nicht mit der von Harrison Ford so markant gespielten Rolle in Verbindung bringen. Nun sind das natürlich große Fußstapfen, die zu füllen wären – dass das nicht ganz funktioniert, kann man aber auch nicht Ehrenreich allein vorwerfen, es ist schon auch das Drehbuch, das ihn unter Wert verkauft.

Wen haben wir sonst noch? Emilia Clarke, bekannt aus der Serie „Game of Thrones“ (in „Solo“ allerdings – wie im wirklichen Leben – nicht blond und daher erst auf den 2. Blick zu erkennen) spielt das schmückende, weibliche Beiwerk – und kommt über dieses Klischee tatsächlich nicht hinaus. Ganz anders Woody Harrelson, den ich als undurchschaubaren, mal gut, mal böse agierenden Schurken überraschend und erfrischend empfinde. Leider hat auch er, ähnlich wie Alden Ehrenreich, mit einer Rolle zu kämpfen, die zwar Tiefe andeutet, im Endeffekt aber nicht über eben diese Andeutung hinaus kommt. Ebenso der Oberschurke Dryden Vos (gespielt von Paul Bettany) der mit seinem Narbengesicht wohl Gefährlichkeit ausstrahlen soll – davon aber weit entfernt ist, sodass er nicht mehr als ein Abziehbild eines typischen Star Wars-Bösewicht darstellt. Richtig Angst muss man vor ihm nicht haben. Bleiben Joonas „Chewbacca“ Suotamo und Phoebe „L3-37“ Waller-Bridge, die zwar größere Rollen haben, aber aufgrund der verkörperten Figuren eine Sonderstellung einnehmen, die kaum eine Beurteilung der schauspielerischen Leistung zulässt.

Bleibt inhaltlich viel zu flach.

Das größte Problem an „Solo“ ist – leider – wie schon bei „Das Erwachen der Macht“ der Inhalt. In diesem Zusammenhang könnte man bei den Dingen, die an „Solo“ stören, den einen oder anderen Einzelaspekt nennen – so z.B. dass es relativ am Anfang gleich mit einer handelsüblichen Verfolgungsjagd losgeht, die mir viel zu lang dauert und die man so ähnlich schon aus praktisch jedem Star Wars-Film kennt. Nervte mich hier ganz besonders. Es macht aber meiner Meinung nach gar nicht so viel Sinn, auf solche Details einzugehen, die einen per se guten Film vielleicht ein wenig schwächen mögen, aber normalerweise kein Beinbruch sind. Ausklammern muss man auch dabei die generelle Problematik, dass ein Prequel wenig Überraschungen hinsichtlich des Ausganges bieten kann – weiß man doch genau, wer zum Schluss überleben muss.

Unabhängig von alledem gibt es Logiklöcher und, noch störender, ungelöste Handlungsfäden (die wohl auf eine Fortsetzung hindeuten). Pläne scheitern hier relativ häufig, sodass man sich immer wieder fragt, wozu die teils sehr aufwändige Inszenierung dient. Ganz generell ist die Story flach und vorhersehbar, die Dialoge zum Teil schon witzig, insgesamt aber doch eher fad. Und: Es ist klar, dass sich dieser Film um den Hauptprotagonisten drehen muss – aber das mittelmäßige Drehbuch und die Leistung von Aldo Ehrenreich können das Ganze einfach nicht tragen. Das hätte nur durch einen starken Bösewicht/Gegenspieler kompensiert werden können, den es aber nicht gibt. Durch dessen Fehlen haben wir es mit lauter flachen Figuren zu tun, maximal der genannte Woody Harrelson (Was für einen unspektakuläreren Namen hat seine Rolle Tobias Beckett überhaupt?) ist einigermaßen interessant.

Ohne Droiden geht es nicht.

Ich persönlich hätte auch auf den gesamten Handlungsstrang um L3 verzichten können – das passt für mich nicht rein, macht zum Schluss Lando Calrissian sogar ein bisschen lächerlich und wirkt wie der plumpe Versuch, zwanghaft eine tragende Rolle für einen Roboter zu finden. Dass dadurch witzige Momente entstehen bestreite ich nicht – ich hätte aber z.B. lieber Solos Weg bei der Pilotenausbildung verfolgt, das hätte mir – zumindest in meiner Fantasie – mehr geholfen, eine tiefere Bindung zum Helden aufzubauen. Oder den Weg von Chewbacca in die Sklaverei. Keine Ahnung – so vieles wäre möglich gewesen und fehlt einfach.

Fazit: „Solo“ hat durchaus seine Momente und weiß zum Teil zu unterhalten. Gleichzeitig lässt er mich aber an meinem eigenen Geschmack zweifeln. Oder, anders gesagt: Er gibt mir erneut das Rätsel auf, was ein aktueller Film eigentlich haben muss, um uneingeschränkt zu gefallen. Das gilt ganz allgemein, weil ich im Kino in letzter Zeit immer wieder enttäuscht werde, speziell aber eben auch für Star Wars. Mit „Episode VII“ erging es mir genau wie mit „Solo“, „Episode VIII“ fand ich wesentlich stärker als diese beiden, am besten war meiner Meinung nach aber „Rogue One“. Wieso ist das so? Ich kann es einfach nicht festmachen, dabei wollte ich sowohl „Episode VII“ als auch „Solo“ unbedingt mögen. Vielleicht zu sehr? Zu hohe Erwartungen? Ich weiß es nicht.

Und so würde ich Solo im bisherigen Star Wars-Film-Kanon einordnen:

Episode I – Die Dunkle Bedrohung 3/7
Episode II – Angriff der Klongkrieger 2/7
Episode III – Die Rache der Sith 5/7
Episode IV – Eine neue Hoffnung 6/7
Episode V – Das Imperium schlägt zurück 7/7
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter 7/7
Episode VII – Das Erwachen der Macht 4/7
Episode VIII – Die letzten Jedi 5/7
Rogue One 6/7

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Ron Howard
Jahr: 2018
Land: USA
Laufzeit: 135 Minuten
Besetzung (Auswahl): Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Donal Glover, Emilia Clarke, Joonas Suotamo, Thandie Newton



 

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BuchWelt: „Southern Reach Trilogie“ – Zusammenfassende Bewertung

Jeff VanderMeer


Für den Auftaktroman zur „Southern Reach Trilogie“, „Auslöschung“, räumte Autor Jeff VanderMeer 2014 die Hugo- und den Shirley Jackson-Awards für die beste Novelle ab. Die Trilogie als Ganzes wurde 2015 für den World Fantasy Award und 2016 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Für jedes der drei „Southern Reach“-Bücher gibt es eine Vielzahl an positiven Rezensionen und viel Lob von Schriftsteller-Kollegen, darunter z.B. auch Stephen King. Warum gibt es hier also nur zwei Punkte für eine Trilogie, die in der Öffentlichkeit derart positiv aufgenommen wurde?

Gesamteindruck: 2/7


Anstrengend, frustrierend und unbefriedigend.

In der „Southern Reach Trilogie“ geht es um Themen, die man so ähnlich aus anderen Werken kennt. So erinnert zB. Area X, ein durch einen unbekannten Vorgang kontaminiertes Gebiet, an die Zone der Strugatzki-Brüder, während die gnadenlose Offenlegung der Grenzen unserer Wissenschaft an „Solaris“ von Stanislaw Lem denken lässt. Und auch die Art der Erzählung kommt dem erfahrenen Leser bekannt vor – so denkt man stellenweise sehr intensiv an H.P. Lovecraft, dazwischen gibt es viel Stephen King und ab und an ein bisschen Michael Crichton. Das alles zusammen sollte eigentlich ein gutes Gesamtwerk ergeben.

Leider ist dem meines Erachtens überhaupt nicht so. Im Gegenteil, trotz des geringen Umfanges (insgesamt rund 1.000 Seiten, annähernd gleichmäßig verteilt auf die drei Bücher) gestaltet sich die Lektüre sehr zäh. Vor allem der Abschlussband, „Akzeptanz“, hat es diesbezüglich in sich und zieht die Gesamtwertung noch einmal deutlich nach unten. Doch warum ist das so? Ich konnte dafür folgende Gründe ausmachen:

  • Klappentext verspricht etwas Anderes: Natürlich kann und sollte man ein Buch nicht nach seinem Äußeren – zu dem letztlich auch der Klappentext gehört – beurteilen. Und doch ist es so, dass genau an dieser Stelle Erwartungen geweckt und Vorfreude geschürt werden. Im Falle der vorliegenden Trilogie ist es so, dass die Klappentexte zwar inhaltlich einigermaßen zutreffen (zumindest bei Teil 1 und 2), gleichzeitig aber nur einen minimalen Ausschnitt dessen wiedergeben, was in den Büchern tatsächlich passiert. Ob dieses Problem, das wohl eher beim Verlag als beim Autor anzusiedeln ist, irgendwie befriedigend zu lösen gewesen wäre, weiß ich nicht – Fakt ist jedoch, dass genau daraus ein Teil meiner persönlichen Enttäuschung resultiert.
  • Stilistische Inkonsistenz: Verschiedene Perspektiven auf eine Geschichte sind grundsätzlich zu begrüßen. In der „Southern Reach Trilogie“ entsteht genau daraus allerdings ein Problem: Mit den Perspektiven ändert sich der Schreibstil. „Auslöschung“ ist in der Ich-Form geschrieben, „Autorität“ aus Sicht eines Erzählers und „Akzeptanz“ eine Mischung aus zweiter („Du-Form“) und dritter Person. Vor allem in „Akzeptanz“ wird das zum Problem und macht das Werk sehr schwer lesbar und extrem zäh.
  • Inhaltliche Zerfahrenheit: Hauptanlass zur Kritik ist die inhaltliche Zerfahrenheit. Im Wesentlichen bedeutet das, dass die Idee gut ist, die Umsetzung nicht. Die Story ist sehr dünn und will entsprechend erst einmal ausgemacht werden. Die Romane zeigen ja durchaus eine Entwicklung der Charaktere auf (die zum Zeitpunkt der Handlung bereits abgeschlossen ist). Es geht im Prinzip nur darum, wie die Personen zu dem wurden, was sie sind. Area X? Interessiert nur am Rande; findet zwar immer wieder Erwähnung, wird aber nicht vorangetrieben.
  • Geringer Erkenntnisgewinn: Letztlich muss man sich nach der Lektüre fragen, was das Ganze eigentlich soll. Die einzige Erkenntnis scheint zu sein, dass die Wissenschaft durchaus an ihre Grenzen stoßen kann. Keine neue Idee, das wurde schon in vielen anderen Büchern auf lesenswertere Weise diskutiert. Es stellt sich auch die Frage, wozu die relativ mühselige und aufwändige Charakterentwicklung – abgesehen von reinem Selbstzweck – letztlich dient. Denn dass z.B. „Control“ so ist, wie er ist, spielt für den Ausgang der Geschichte nur eine sehr marginale Rolle. Das alles wäre nur dann sinnvoll, wenn das Ziel gewesen wäre, mehr oder weniger normale Menschen in eine unmögliche Situation zu bringen und sie genau so reagieren zu lassen, wie wir es wohl alle täten – nämlich gar nicht. Zumindest nicht im Sinne des Versuchs, eine Erklärung für Area X zu finden. Nun mag es Leser geben, die genau auf so einen Ansatz gewartet haben. Ich gehöre definitiv nicht dazu.

Somit ist klar, dass es für die Trilogie keine bessere Wertung geben kann. Ich wollte die drei Bücher wirklich mögen, aber allein die Qual, „Akzeptanz“ wirklich zu Ende zu lesen, hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Zwei Punkte gibt es, weil Band 1 und 2 durchaus ihre Momente haben. Das ist aber auch schon alles, was ich positiv über die „Southern Reach Trilogie“ sagen kann.

Einzelwertungen:

  1. Southern Reach Trilogie 1: Auslöschung: 3/7
  2. Southern Reach Trilogie 2: Autorität: 3/7
  3. Southern Reach Trilogie 3: Akzeptanz: 1/7

Gesamteindruck: 2/7


Autor: Jeff VanderMeer
Umfang: 3 Bände, ca. 1.000 Seiten
Originaltitel:
 Southern Reach Trilogy.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Akzeptanz

Jeff VanderMeer


„Akzeptanz“ ist Buch 3 der „Southern Reach Trilogie“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Jeff VanderMeer. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 3 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung der Trilogie. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 1/7


Bankrotterklärung einer Serie.

„Akzeptanz“ ist im Licht der Gesamtentwicklung der „Southern Reach Trilogie“ ein merkwürdig passender Titel. Denn spätestens, wenn man diesen dritten und finalen Band der Reihe liest, sollte man akzeptiert haben, dass die Trilogie so ist, wie sie eben ist. „Akzeptanz“ ist allerdings noch einmal extremer als seine Vorgänger. Die waren bereits zerfahren und ließen einen roten Faden nur erahnen. Das Finale setzt noch einen drauf und ist – soweit lehne ich mich einfach mal aus dem Fenster – für normale Lesegewohnheiten kaum noch erträglich – oder verstehe ich das alles nur nicht? So oder so, sowohl unterhaltsam als auch tiefsinnig gehen meines Erachtens anders.

Inhalt in Kurzfassung
Area X ist ein Landstrich, auf dem merkwürdige Dinge vorgehen und der sich seit Jahren jeglicher Erforschung widersetzt. Expeditionen wurden hineingeschickt und kehrten nicht zurück. Oder sie kehrten zurück, konnten aber nichts zur Lösung des Rätsels beitragen. Die Fragen sind dabei immer die gleichen: Was ist Area X? Wodurch ist Area X entstanden? Was geht dort vor sich? In „Akzeptanz“ trifft sich eine Reihe bereits bekannter Protagonisten innerhalb der Zone, um endlich die Geheimnisse zu lösen.

Der tatsächliche Inhalt, den ich hier in Kurzform versucht habe, wiederzugeben, weicht sehr stark vom Klappentext ab, in dem eine neue Expedition á lá „Auslöschung“ suggeriert wird. Man muss sich an dieser Stelle fragen, warum das so ist – es sei denn, es wäre ein letzter Versuch, auch mit „Akzeptanz“ noch Leser zu gewinnen, die vielleicht nur dieses Buch im Regal sehen und sich dann gleich die ganze Trilogie kaufen. Wie auch immer: Der erfahrene „Southern Reach“-Leser weiß, was auf ihn zukommt. Die interessante Prämisse von Area X, die leider komplett von pseudo-philosophischem Geschwafel überdeckt wird. Klingt hart? Mag sein, aber leider ist es genau das, was ich beim Lesen von „Akzeptanz“ empfunden habe, mehr noch als bei seinen Vorgängern.

Rein stilistisch gibt es eine große Neuerung: War „Auslöschung“ noch komplett aus Sicht einer einzigen Person geschrieben und behandelte in „Autorität“ ein anonymer Erzähler sozusagen die Gegenseite, ist „Akzeptanz“ eine krude Mischung daraus. Das Buch greift die Protagonisten, die bisher in der Trilogie vorgestellt wurden (Ghostbird, Control, die Direktorin) heraus und widmet ihnen abwechselnd Kapitel. Als neue Person kommt der Leuchtturmwärter, der bisher nur am Rande Erwähnung fand, hinzu.

Unglaublich zähe Lektüre.

Es gibt dabei durchaus wichtige und interessante Zusammenhänge, die offenbart werden. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Akzeptanz“ so zerfleddert und fragmentiert wirkt, dass „Autorität“ dagegen wie ein Ausbund an schriftstellerischer Kunst erscheint. Das hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Erstens sind die Einzelkapitel in „Akzeptanz“ von höchst unterschiedlicher Güte. Mal passiert tatsächlich etwas Essenzielles und wird auch gut erzählt, dann wieder langweilt Autor Jeff VanderMeer mit Betrachtungen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie Wort für Wort aus Band 1 und/oder 2 kopiert wurden (wo sie auch schon genervt haben). Zweitens ist der Schreibstil der Kapitel sehr unterschiedlich. Ich weiß nicht, ob manche Kritiker das als künstlerisch wertvoll ansehen – ich finde es schlicht und einfach misslungen, vor allem die in der Du-Form geschriebenen Teile der Direktorin sind eine Zumutung.

Abgesehen von diesen Unzulänglichkeiten gelingt es dem Autor nicht, die Trilogie befriedigend abzuschließen. Ja, Erkenntnisgewinn ist in „Akzeptanz“ vorhanden. Allerdings so versteckt und verklausuliert, dass sich nur wenige Leser die Mühe machen werden, überhaupt so lange durchzuhalten. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass das Ende offen ist, das ist allerdings bei anderen Büchern ebenso der Fall und per se kein Beinbruch. Im Falle von „Akzeptanz“ wirkt es aber so, als hätte VanderMeer selber nicht gewusst, wohin er will, als hätte er keinerlei Idee gehabt, wie er die von ihm geschaffene Welt erklären kann. Das mag aus Sicht der Protagonisten tatsächlich so sein – einen Leser kann es aber nicht zufriedenstellen, auch weil die kleinen Puzzlesteine fehlen, die vielleicht die Fantasie anregen würden.

Somit ist „Akzeptanz“ eine noch schwierigere Angelegenheit als seine Vorgänger. Ich würde sogar soweit gehen, dieses Buch als Bankrotterklärung einer Reihe, in der von Anfang an der Wurm drin war, zu bezeichnen. Sehr schade, aber die sich wie Kaugummi ziehende Lektüre von „Akzeptanz“ ist in meinen Augen tatsächlich Zeitverschwendung.

(c) Knaur

Gesamteindruck: 1/7


Autor: Jeff VanderMeer
Originaltitel: Acceptance – Southern Reach Trilogy 3.
Erstveröffentlichung: 2014
Umfang: ca. 340 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

MusikWelt: Thunder Rider

Majesty


„Thunder Rider“ kann man beim besten Willen nicht so gut bewerten, wie man es sich als gegenüber dieser Band früher einmal wohlwollend eingestellter Zuhörer gewünscht hätte. Zu lasch, dazu sich ständig wiederholende Phrasen – das reicht heute einfach nicht mehr. Großzügige zwei Punkte für die paar brauchbaren Songs, den Rest kann man sich anhören, muss man aber definitiv nicht.

Gesamteindruck: 2/7


Majestätischer Metal geht anders.

Majesty aus Baden-Württemberg hatte ich mit dem quasi-Debüt „Sword & Sorcery“ (2002) eigentlich in sehr positiver Erinnerung. Das lag nicht nur an der Mitwirkung von Manowar-Legende Ross „The Boss“ Friedman, sondern auch an der unbekümmerten Herangehensweise an die typischen True Metal-Themen. Danach verlor ich die Band völlig aus den Augen – weder die Umbenennnung in MetalForce (2008) noch die Rückbenennnung in Majesty (2011) habe ich mitbekommen.

„Thunder Rider“ war 2013 sozusagen die Reunion-/Comeback-Scheibe unter altem Namen; von der Ur-Besetzung ist allerdings abgesehen von Bandchef Tarek „MS“ Taghary, das „MS“ steht natürlich für „Metal Son“, niemand mehr übrig. Leider ist das Album ganz und gar nicht so gut ausgefallen, wie ich nach Anhören des Titeltracks voller Vorfreude gehofft habe. Es ist gar nicht so leicht, den auf kauzige Art sympathischen Kriegern eine schwache Bewertung zu geben, aber „Thunder Rider“ kommt als Gesamtwerk nicht über den unteren Durchschnitt hinaus. Dabei geht es eigentlich gut los. Der eröffnende Titeltrack ist tatsächlich sehr stark, ein klassischer True Metal-Song, eingängig, melodiös und schön zum Mitsingen geeignet. Vom alten „Underground-Keep-it-true-Feeling“ ist zwar nicht mehr viel übrig, aber trotzdem: Ein gutes Stück, das auf jeder Metal-Party ohne Bedenken gespielt werden kann. Auch das darauf folgende, sehr schnelle „Warlords Of The Sea“ geht in Ordnung. Zumindest musikalisch; lyrisch gibt es mit „Ship ahoi!“-Rufen (die schon auf Running Wilds „Under Jolly Roger“ peinlich waren) erstmals auf diesem Album wirklich etwas zum Lachen. „Anthem Of Glory“ ist auch ok, rockiges Midtempo und Text erinnern hier wieder stark an die ewigen Vorbilder von Manowar. Deren (frühere) Klasse wird zwar bei weitem nicht erreicht, aber der Song ist immerhin brauchbar.

Nach diesem Eröffnungstrio geht es leider steil bergab. „Make Some Noise“ passt als lupenreiner Rocker Image-mäßig nicht wirklich zu Majesty, ist aber auch ansonsten vollkommen belanglos. Könnte in der Form auch von Bon Jovi stammen – und sogar bei den Amis würde die Nummer nicht einmal auf den lahmen Platten der Neuzeit Platz finden. „Metalliator“ bedient sich textmäßig insbesondere bei Judas Priest-Großtaten der 1980er, aber auch hier gilt: Eine gute Verbeugung vorm Original geht anders, speziell mit dem penetranten Refrain übertreibt es die Truppe um den „Metal Son“ völlig. A pro pos penetranter Refrain: Exakt das gleiche gilt für „New Era“. Ja, das ist sehr eingängig, aber nicht auf Metal- sondern eher auf Schlager-Art. Für eine Band, zu deren Wahlsprüchen „Keep it true“ gehört(e) ist das geradezu grotesk. Wenn das die neue Ära von Majesty sein soll, hat die Band wohl wirklich bald fertig. Ganz starke Nerven braucht man schließlich bei „Asteria“. Ja, „Aria Of Bravery“ war irgendwie kitschig, aber trotzdem ein durchdachter und erhabener Song. „Asteria“ ist… keine Ahnung. Peinlich? Klischeehaft? Kitschig-übertrieben? Klebrig? Pathostriefend bis jenseits der Schmerzgrenze? Egal, „Totalausfall“ trifft es am besten.

Und was gibt es sonst noch? „Raise The Beast“, „Rebellion Of Steel“, „Metal Union“ – die Songtitel deuten bereits an, wohin die Reise geht. Teilweise ist das Songwriting bei diesen Stücken ausgesprochen dreist von Manowar „inspiriert“. Nur leider nicht so gut, wie es Joey DeMaio früher mal hinbekommen hat – und noch dazu von einem, mit Verlaub, wesentlich schwächeren Sänger getragen, was man besonders bei den balladesken Teilen und dem Versuch, „Adams-Schreie“ nachzuahmen, merkt. Einzig der Bonustrack „Young And Free“ geht im hinteren Teil des Albums als brauchbarer Uptempo-Rocker in Ordnung.

Noch ein Wort zu den Texten: Jep, es ist gelegentlich zum Fremdschämen. Aber so ist das halt im True Metal – wobei derartige Kaliber eigentlich nur Manowar und eben Majesty liefern. So ist es dann kein Wunder, wenn man als Metal-Fan belächelt wird. Spielt aber im Prinzip keine große Rolle, wer Majesty kauft, weiß ja, welche Texte er bekommt. Damit kein wirklicher Grund zur Kritik, sondern nur die nüchterne Feststellung, dass man sich wie Manowar in eine Ecke manövriert hat, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt. Sollte der Band mal die Lust auf „Steel“, „Fight“ und „Sword“ vergehen oder es keine neuen Kombinationen dieser Wörter mehr geben, wird es schwierig.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Thunder Rider – 4:46 – 6/7
  2. Warlords Of The Sea – 6:12 – 5/7
  3. Anthem Of Glory – 4:48 – 5/7
  4. Make Some Noise – 3:48 – 2/7
  5. Metalliator – 4:52 – 3/7
  6. Raise The Beast – 6:08 – 3/7
  7. New Era – 4:55 – 2/7
  8. Asteria – 6:36 – 1/7
  9. Young And Free (Bonustrack) – 5:24 – 4/7
  10. Rebellion Of Steel – 4:36 – 3/7
  11. Metal Union – 6:10 – 2/7

Gesamteindruck: 2/7 


Majesty auf “Thunder Rider” (2013):

  • Tarek „MS“ Maghary – Vocals, Keyboard
  • Tristan Visser – Guitar, Backing Vocals
  • Alex Palma – Bass, Backing Vocals
  • Jan Raddatz – Drums, Backing Vocals

Anspieltipp: Thunder Rider

BuchWelt: Autorität

Jeff VanderMeer


„Autorität“ ist Buch 2 der „Southern Reach Trilogie“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Jeff VanderMeer. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 3 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung der Trilogie. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Lahmer Blick hinter die Kulissen.

Die Lektüre von „Auslöschung“, des ersten Bandes der „Southern Reach Trilogie“, hinterließ mich als Leser einigermaßen ratlos. Zu vieles blieb offen und vage – und das nicht auf angenehme, die Fantasie anregende Weise – letztlich fehlte schlicht das Gefühl, dass „etwas Großes“ im Verborgenen lauern würde. Es ist also  wenig überraschend, dass ich mir vom zweiten Band, „Autorität“, zumindest ein wenig Aufklärung erhofft habe. Doch so einfach macht es Autor Jeff VanderMeer seinen Lesern nicht. Im Gegenteil, nur sehr wenige der losen Enden werden überhaupt aufgegriffen.

Inhalt in Kurzfassung
Die Regierungsbehörde Southern Reach versucht seit Jahren, das als Area X bekannte Gebiet, das durch ein unbekanntes Ereignis von einer unsichtbaren Grenze umschlossen wurde, zu erforschen. Nennenswerte Erfolge sind nicht zu verzeichnen, es bleibt trotz großem Einsatz an Menschen und Material ein Geheimnis, was im Inneren des Areals vor sich geht. In dieser Situation übernimmt ein ehemaliger Agent die Leitung der Behörde – er soll herausfinden, warum es keine Ergebnisse gibt und was bei der 12. und bislang letzten Expedition nach Area X schief gelaufen ist

Wenn man sich die Seitenzahl der einzelnen Bücher der Trilogie ansieht, wundert man sich, dass es überhaupt drei Bände gibt. Der Gesamtumfang hätte auch in einer längeren Erzählung leicht Platz gefunden. Erst wenn man nach Band 1 zu Band 2 greift, merkt man, warum das wohl keine Option war. Denn „Autorität“ unterscheidet sich inhaltlich und stilistisch gravierend von seinem Vorgänger.

Erkenntnisgewinn? Kaum vorhanden.

Am überraschendsten an „Autorität“ dürfte für die meisten Leser der Wechsel der Perspektive sein, der so aus dem Klappentext auch nicht hervorgeht. Anstatt weiter in das Innere von Area X einzutauchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, halten sich die Protagonisten meist in vermeintlich sicherer Entfernung auf. Ort der Handlung ist das Hauptquartier von Southern Reach, die Hauptperson ist der neue Direktor dieser Regierungsbehörde. Area X selbst erlebt der Leser im krassen Gegensatz zu „Auslöschung“ nur aus zweiter Hand – aus Videoschnipseln, Fotos und fragmentierten Berichten, die die Hauptfigur durchforstet, um sich in den neuen Job einzuarbeiten. Das Problem daran: Der Leser hat weiterhin kaum Erkenntnisgewinn. Es ist eher so, als hätte Autor Jeff VanderMeer versucht, den zermürbenden Alltag in einer von frustrierten Mitarbeitern dominierten Behörde zu dokumentieren. Das ist stellenweise sogar unterhaltsamer, als man annehmen möchte, hat letztlich aber kaum Relevanz.

Der Perspektivenwechsel ist übrigens doppelter Natur: Während in „Auslöschung“ die Biologin als Ich-Erzählerin auftritt und alles Erlebte sorgsam dokumentiert, beobachten wir den Direktor in „Autorität“ von außen, also aus der Sicht eines unpersönlichen Erzählers. Wobei dieser nicht wirklich allwissend ist, weil er sich einzig und allein auf „Control“ und dessen Schwierigkeiten fokussiert und man als Leser auch nur das hört und sieht, was ihm widerfährt. Wieso es dafür ein Ausbrechen aus der Ich-Perspektive gebraucht hat, erschließt sich mir nicht. A pro pos „Control“: Es ist meines Erachtens ein interessanter Ansatz, in „Autorität“ im Gegensatz zu „Auslöschung“ nicht nur Berufsbezeichnungen für die Figuren zu verwenden. So hat der Direktor einen normalen Namen, der er allerdings zugunsten seines alias kaum jemals genannt wird. Alle anderen Figuren tragen ebenfalls ganz gewöhnliche Namen. Das unterscheidet das Buch schon sehr stark von seinem Vorgänger und nimmt ihm etwas von dessen Alleinstellungsmerkmal.

Letztlich krankt „Autorität“ trotz anderer Grundvoraussetzungen an ähnlichen Problemen wie „Auslöschung“: Der Autor ergeht sich seitenlang in Beschreibungen des Gemütszustandes seiner Hauptfigur oder in Gründen, warum die Erforschung von Area X nicht vorankommt. Die Ränkespiele und Intrigen im Hintergrund mögen teilweise interessant sein – hat man die Lektüre beendet, fragt man sich dennoch nach dem Sinn des Ganzen. Denn eine Relevanz für die Haupthandlung sehe ich großteils nicht. Und genau deshalb ist „Autorität“ im Endeffekt ebenso unbefriedigend wie sein Vorgänger. Aufklärung gibt es in homöopathischen Dosen – zu wenig, um diesem Buch eine bessere Wertung zu geben.

(c) Knaur

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Jeff VanderMeer
Originaltitel: Authority- Southern Reach Trilogy 2
Erstveröffentlichung: 2014
Umfang: ca. 370 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

BuchWelt: Auslöschung

Jeff VanderMeer


„Auslöschung“ ist Buch 1 der „Southern Reach Trilogie“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Jeff VanderMeer. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 3 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung der Trilogie. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Wenig Spannung.

„Auslöschung“ erschien 2014 als Auftakt-Roman der „Southern Reach Trilogie“ und wurde unter anderem mit dem prestigeträchtigen Nebula Award ausgezeichnet. 2018 wurde das Buch unter gleichem Namen von Alex Garland verfilmt. All das klingt nach Qualität und auch der Klappentext weckt sofort Interesse. Was Autor Jeff VanderMeer letztlich abliefert, lässt beim Rezensenten jedoch höchst zwiespältige Gefühle und einige Fragezeichen zurück.

Inhalt in Kurzfassung
Area X ist ein Landstrich, der vor vielen Jahren durch ein unbekanntes Ereignis von einer unsichtbaren Grenze umschlossen wurde. Was genau im militärisch abgeriegelten Gebiet vor sich geht, ist auch für die zuständige Behörde Southern Reach nach wie vor ein Rätsel. Alle Expeditionen, die „hinein“ geschickt wurden, kehrten entweder gar nicht oder merkwürdig verändert zurück und konnten nichts zur Lösung des Geheimnisses beitragen. Weil sich das Gebiet aber auszudehnen scheint, müssen immer neue Freiwillige gefunden werden, die die Grenze überschreiten um Informationen zu beschaffen. Das ist auch der Auftrag der 12. Expedition, die aus vier Frauen besteht: Eine Psychologin, eine Vermesserin, eine Anthropologin und eine Biologin versuchen, das Unbegreifliche zu verstehen. Dabei geraten sie schnell selbst in den Bann von Area X.

Diese Inhaltsangabe wird jedem bekannt vorkommen, der „Picknick am Wegesrand“ gelesen hat. Die Zone, die sich jedem Verständnis entzieht, die gefahrvollen Expeditionen, die merkwürdigen Veränderungen – all das wurde von Arkadi und Boris Strugatzki bereits 1971 thematisiert. Stilistisch erinnert der aus Sicht der Biologin in der Ich-Form geschriebene Roman hingegen eher an die Werke von H.P. Lovecraft, von dem auch der eher unterschwellig verpackte Horror inspiriert sein dürfte. Schließlich sollte man bei den Einflüssen auch das Schaffen von Stanisław Lem, speziell „Solaris“, in dem die Grenzen der Wissenschaft ähnlich anschaulich aufgezeigt werden, nicht vergessen. All das ist selbstverständlich kein Grund für die mittelprächtige Bewertung – man darf sich ruhig bei den Besten bedienen, vor allem, wenn man es wie Jeff VanderMeer auf durchaus angemessene Art macht.

Erwartungen nicht erfüllt.

Wie so oft scheint das Problem eher bei den Erwartungen des Lesers zu liegen. Die Geschichte über ein von der Natur zurückerobertes Gebiet, in dem allerlei Unheimliches und Rätselhaftes passiert, ist gut gelungen und spannend umgesetzt – auch wenn eine Lösung freilich ausbleibt, so viel sei verraten. Allerdings ist „Auslöschung“ auch nur der Auftakt einer Trilogie, sodass erschöpfende Erklärungen gar nicht zu erwarten sind. Letztlich macht die Handlung, die man aufgrund der Inhaltsangabe erwartet, jedoch maximal die Hälfte der rund 240 Seiten aus. Der Rest ist eher eine Art Entwicklungsroman, in dem versucht wird, die Beweggründe der Hauptperson, sich der Expedition anzuschließen, zu erörtern. Grob gesagt wird die Hintergrundgeschichte dieser Figur in jedem zweiten Kapitel behandelt, immer abwechselnd zu den Ereignissen in Area X.

Diese Herangehensweise macht die Lektüre zerfahren und teilweise zäh. Denn so gerne man erfahren möchte, was das Geheimnis von Area X ist und so schnell sich die Abenteuer, die das Team dort erlebt, meist lesen, so zäh sind die Episoden, die sich mit dem Leben der Ich-Erzählerin beschäftigen. Ich möchte nicht sagen, dass alles davon schlecht ist, kann aber auch nicht verhehlen, dass weite Teile ihrer Geschichte schlicht langweilen. Ist man mit dem Buch durch, fragt man sich automatisch, ob die oft extrem detaillierten Beschreibungen des Vorlebens der Protagonistin überhaupt notwendig gewesen wären – für den Ausgang der Geschichte spielen sie keine Rolle, was für einen schalen Nachgeschmack sorgt.

Leider konnte ich auch mit dem sachlich-nüchternen Stil von „Auslöschung“ relativ wenig anfangen. Im Gegenteil, dadurch gestaltete sich die Lektüre für mich großteils sogar noch zäher. Im Endeffekt habe ich damit für die rund 240 Seiten länger gebraucht, als man erwarten kann. Und das ist nie ein gutes Zeichen.

(c) Knaur

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Jeff VanderMeer
Originaltitel: Annihilation – Southern Reach Trilogy 1.
Erstveröffentlichung: 2014
Umfang: ca. 240 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

MusikWelt: Under A Funeral Moon

Darkthrone


Die Norweger Darkthrone waren von Anfang an vorne dabei, als es darum ging, möglichst hässliche Musik zu produzieren, bei der Atmosphäre wichtiger war als alles andere. Definiert wird das Duo Fenriz und Nocturno Culto bis heute vorwiegend über ihre ersten drei Alben, die im Black Metal angesiedelt waren: Die grandiose Initialzündung „A Blaze In The Northern Sky“ (1992), „Transilvanian Hunger“ (1994), das vorwiegend aufgrund seines Titeltracks Kultstatus hat, sowie das dazwischen liegende „Under A Funeral Moon“ (1993).

Gesamteindruck: 6/7


Vertonte Hässlichkeit.

“Under A Funeral Moon” (1993) beginnt textlich ein wenig ironisch aber nichtsdestotrotz ziemlich gut. „Natassja In Eternal Sleep“ bietet sehr räudigen Gesang, ein durchgetretenes Gaspedal und ist trotz aller Trockenheit relativ eingängig. Leider geht dem Lied ein wenig von der Hymnenhaftigkeit ab, die den Sound von Darkthrone auf „A Blaze In The Northern Sky“ noch auszeichnete. Besser machen es in dieser Richtung die Tracks „Summer Of The Diabolical Holocaust“, „The Dance Of Eternal Shadows“ (mit extrem bedrohlichem Finale) und – als Höhepunkt – das lange „To Walk The Infernal Fields“ (mit kleiner, aber feiner Melodie), deren Vollgas-Parts ab und an durch getragenes Midtempo unterbrochen werden, was für Abwechslung und Durchschlagskraft sorgt.

Unverhüllt brutal zeigt sich hingegen der Titeltrack, der pfeilschnellen Rumpel-Black Metal bietet, wie man ihn entweder lieben oder hassen muss. Hier ist insbesondere die exzellente Gitarrenarbeit hervorzuheben, die auch der gerade bei diesem Lied auffallend matschige Sound nicht zunichte machen kann. Dieses Stück verdient ebenfalls die Höchstnote, zumal vor allem der Mittelteil wirklich hörenswert ist. Diese vier Songs sind durchweg zu empfehlen und gehören mit zum Besten, was Darkthrone bisher komponiert haben. Zu dieser Reihe passt auch noch der Rausschmeißer “Crossing The Triangle Of Flames“, der als düsteres und bedrohliches Finale noch einmal sämtliche Register der Bösartigkeit zieht.

Weniger gut gefallen mir auf diesem Album lediglich „Unholy Black Metal“, bei dem der Name zwar Programm ist, das aber dennoch nicht recht zünden will und vor allem das langweilige (weil einfach zu monotone) „Inn I De Dype Skogers Favn“.

Was im Vergleich zum meisterhaften Vorgängeralbum „A Blaze In The Northern Sky“ schnell auffällt: Der Klang ist produktionstechnisch um einiges matschiger geworden, ohne jedoch die schwere Hörbarkeit eines „Transilvanian Hunger“ (1994) zu erreichen. Eine solche Produktion ist natürlich Geschmackssache und kann vermutlich sowieso nur diejenigen von der musikalischen Qualität (die zweifelsohne vorhanden ist) der Band überzeugen, die gewillt sind, sich näher mit ihr zu befassen. Einfach machen es Darkthrone der Hörerschaft jedenfalls nicht. Insgesamt halte ich „Under A Funeral Moon“ für ein starkes Stück Black Metal, das zwar nicht ganz an den genialen Vorgänger heranreicht, ihm aber zumindest sehr nahe kommt.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Natassja In Eternal Sleep – 3:33 – 5/7
  2. Summer Of The Diabolical Holocaust – 5:18 – 6/7
  3. The Dance Of Eternal Shadows – 3:44 – 6/7
  4. Unholy Black Metal – 3:31 – 4/7
  5. To Walk The Infernal Fields – 7:50 – 7/7
  6. Under A Funeral Moon – 5:07 – 7/7
  7. Inn I De Dype Skogers Favn – 5:25 – 3/7
  8. Crossing The Triangle Of Flames – 6:13 – 6/7

Gesamteindruck: 6/7 


Darkthrone auf „Under A Funeral Moon“ (1993):

  • Nocturno Culto − Vocals, Bass
  • Zephyrous − Guitars
  • Fenriz − Drums, Percussion

Anspieltipp: To Walk The Infernal Fields