Live (Kreator)

KonzertWelt: Sabaton (Wien, 06.02.2015)

Datum: Freitag, 6. Februar 2015
Location: Gasometer (Wien)
Tour: „Heroes Tour 2015“
Headliner: Sabaton
Support: Battle Beast – Delain
Ticketpreis: 33,30 Euro (VVK)


„Noch ein Bier!“ Oder doch lieber nicht?

Wie „over“ (um einen Begriff aus der wunderbaren Wrestling-Welt zu verwenden) SABATON aktuell sind, können viele offenbar nicht verstehen. Ich erinnere mich, wie viele den Kopf schüttelten, als in Wacken 2014 die Schweden als einer der Headliner für 2015 angekündigt wurden und lautstarker Beifall unter den Besuchern aufbrandete. Und so ähnlich war es auch beim Konzert in Wien, um das Fazit vorweg zu nehmen: SABATON können derzeit praktisch nichts falsch machen, sie sind so unglaublich over, dass sich selbst etablierte Bands und auch Gruppen mit „zeitgemäßerer“ Musik schwer tun, ähnliche Euphorie beim Publikum auszulösen. Zumindest ist das meine Beobachtung.

Nun also SABATON auf Headliner-Tour in Wien. Vorgruppe 1, BATTLE BEAST haben wir leider mal wieder verpasst, dabei hätte ich zu gerne „Let It Roooooooaaaaaar“ gehört. Ganz generell wäre es mir lieber gewesen, wenn die Finnen den Platz von Vorgruppe 2, DELAIN, gehabt hätten. Deren Stil erinnerte ein wenig an eine Mischung aus NIGHTWISH und LACUNA COIL (grob gesagt). Das Publikum war brav und hat ordentlich gejubelt, mir war das Ganze nicht packend genug, wenn ich ehrlich bin. Denn im Gegensatz zu den (vermeintlichen?) Vorbildern aus Finnland und Italien fehlen den Niederländern einfach die Hits. Und ohne die ist es schwierig zu punkten, wenn die Bands davor und danach massig davon am Start haben. Immerhin konnte die Sängerin bei mir Sympathiepunkte mit ihrer weißen Fransen-Jacke abstauben.

Wie laut das Wiener Publikum werden kann, zeigte sich allerdings erst im Anschluss. Die Halle war sowieso gesteckt voll, obwohl sie mir im Vorhinein für eine Band wie SABATON fast zu groß vorkam. Noch ein Zeichen dafür, wie sehr man mit den Schweden aktuell rechnen muss. Jedenfalls gab es bereits vor dem klassischen Intro (bestehend wie üblich aus „The Final Countdown“ und „The March To War“) lautstarke „Sabaton! Sabaton!“– und natürlich auch „Noch ein Bier!“-Sprechchöre. Als das Konzert dann stilecht mit „Ghost Divison“ losging, gab es kein Halten mehr. Jeder Refrain wurde vom Publikum mitgesungen, dass es nur so eine Art hatte. Zwischen den Songs war keine Ruhe, ständig begannen die Sprechchöre von Neuem. Die Band konnte – und auch das habe ich bereits bei einigen SABATON-Shows bemerkt, die ich besucht habe – ihr Glück kaum fassen. Zumindest interpretiere ich die Dauergrinser auf der Bühne so. Einmal tat Sänger Joakim Brodén dem Publikum auch den Gefallen und zog sich ein bisschen Bier rein. Einen „Pfiff“ nennt man das wohl – von den großen Bieren, die er früher gelegentlich ge-ext hat, war keine Rede mehr. Ich bilde mir ein, dass er auch irgendeine Erklärung dafür gab, aber mittlerweile zeigte mein eigener Bierkonsum schon Wirkung, sodass ich nicht mehr so recht weiß, was er da laberte.

Bezüglich Setlist können die Herren aus Schweden inzwischen auch aus dem Vollen schöpfen, wie ich finde. Von der aktuellen CD „Heroes“ (2014) kamen gleich sechs Nummern zum Einsatz: „To Hell And Back“ (gleich als zweiter Song des Abends), das grandiose „Soldier Of 3 Armies“, die Neueinspielung „7734“ und gleich danach „Resist And Bite“, bei dem es sich Brodén nicht nehmen ließ, selbst zur Gitarre zu greifen (merkwürdiger Anblick übrigens!). Später noch „Far From The Fame“ und – im Zugabenblock – „Night Witches“. Unglaublich eigentlich – andere Bands haben ja immer ein wenig „Angst“, zu viele neue Nummern einzubauen. Und was machen SABATON? Sie nehmen sechs von 16 Songs vom aktuellen Album und gehen einfach davon aus, dass das schon so passt. Und so war es auch – an den Publikumsreaktionen war keine Spur von Irritation ob der Songauswahl zu erkennen.

Gab natürlich auch genug Klassiker zu hören – und auch die üblichen Auswahlspielchen. „Swedish Pagans“ wurde vom Publikum gewünscht (angeblich nicht auf der Setlist… wer’s glaubt…), bei „Carolus Rex“ entschieden sich die Fans für die englische Variante während „A Lifetime Of War“ a) „Carolean’s Prayer“ aus dem Rennen kickte und b) auf Schwedisch dargeboten wurde. Die Auswahl zwischen „Uprising“ und „White Death“ entschied Letzteres für sich, auch wenn ich hätte schwören können, dass der Jubel für „Uprising“ lauter war…

Und was gab’s sonst noch? Neben dem Üblichen, also dem Finale aus „Primo Victoria“ und „Metal Crüe“ war natürlich auch „Gott Mit Uns“ auf der Setlist. Gesungen wurde im Refrain aber nicht der Wahlspruch von Gustav Adolf II., sondern „Noch ein Bier / As we all stand united / All together / Noch ein Bier“. Und zwar nicht nur vom Publikum, sondern auch von der Band auf der Bühne. War eine lustige Sache (wie auch hier bei einem anderen SABATON-Gig), wobei mir der „Noch ein Bier“-Gag langsam doch etwas zu ausgelutscht ist. A pro pos: Ja, die Setlist war super, und auch, dass sie die Band getraut hat, so viele neue Stücke einzubauen. Aber ein bisschen ambivalent bin ich in Bezug auf die gespielten Songs dann doch, und zwar, was die älteren Stücke betrifft. Beim Konzert ist mir das in meiner alkoholbedingten Euphorie nicht wirklich aufgefallen, aber: Die Stücke abseits von „Heroes“ waren mehr oder weniger die selben, die seit einiger Zeit stur durchgezogen werden. Ja, sie sind gut, aber irgendwie hätte ich mir da der Abwechslung wegen eine andere Mischung erwartet. Von „Coat of Arms“ hätte ich diesmal vielleicht lieber „Aces in Exile“ oder „Screaming Eagles“ gehört, von „The Art Of War“ vielleicht nicht nur „Ghost Division“ und von „Attero Dominatus“ habe ich das Titelstück schmerzlich vermisst. Gut, die von mir genannten sind nun auch keine Songs, die noch nie gespielt wurden, aber ein bisschen Abwechslung zur letzten Tour wäre das schon gewesen. Zumindest ist das mein Gefühl, kann mich aber auch täuschen.

Überhaupt müssen SABATON ein wenig aufpassen. Die Jungs sind meines Erachtens grundsympathisch und machen alles richtig. Auf und abseits der Bühne. Aber: Die Gags wiederholen sich langsam doch recht auffällig. Da muss man vorsichtig sein, dass man es nicht übertreibt, finde ich. Wobei Joakim Brodén mittlerweile zum Glück nicht mehr ganz so viel quasselt wie noch vor ein paar Jahren. Sei’s drum, es war ein ausgesprochen unterhaltsamer Abend.

Fazit: SABATON zeigen einmal mehr, wo der Hammer hängt. So beliebt ist meines Erachtens derzeit keine Band aus dieser Generation. AMON AMARTH können da vielleicht noch mithalten, aber abgesehen davon hört man eher selten derart ohrenbetäubenden Jubel für eine Gruppe, die trotz allem eher aus der zweiten Reihe kommt. Mir hat’s jedenfalls gefallen und ich bin schon gespannt, wie es mit SABATON weitergeht. Der Tour-Album-Tour-Rhythmus dieser Band ist ja wahrhaft mörderisch.


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