MusikWelt: Kings Of Metal

Manowar


Trotz dreier Durchhänger kann man nur die Höchstwertung geben – „Kings Of Metal“ ist nach wie vor ein Monument. In meiner CD-Sammlung ist das einer der wenigen Fälle, wo sieben von zehn Nummern derart gut sind, dass sie die restlichen drei rausreißen. Wobei man sagen muss, dass ein Stück wie „The Warriors Prayer“ eigentlich sowieso außerhalb der musikalischen Wertung liegen muss. Merkwürdiges Gefühl, wenn man sich an den ersten Hördurchgang von „Kings Of Metal“ erinnert und dann mal kurz bei „Kings Of Metal MMXIV“ reinhört.

Gesamteindruck: 7/7


 Genie und Wahnsinn liegen eng beieinander.

Vorhalten kann und konnte man Manowar vieles – das bisweilen doch arg lächerliche Image, die größenwahnsinnigen Versprechen, die zu oft nicht halten (Stichwort: Magic Circle Festival, Zusammenarbeit mit Wolfgang Hohlbein usw.), die zeitweise grenzenlose Arroganz und Selbstüberschätzung von Band-Boss Joey DeMaio, dessen Ansagen bei Konzerten, den Auftritt mit Stefan Raab und einiges mehr… Aber dass sie jemals Alben für die Tonne abgeliefert hätten, kann man nicht behaupten (wenn man von dem Reinfall „Kings Of Metal MMXIV“ absieht). Sogar die schwächeren Alben der Neuzeit sind noch vergleichsweise gut und dass sollte allen, die das Hauptaugenmerk auf das Wichtigste, also die Musik, legen, eigentlich reichen, wobei Joey DeMaio mittlerweile (anno 2015) tatsächlich vollkommen durchgeknallt zu sein scheint.

Mit „Kings Of Metal“ legten die vier Amis 1988 eine Platte vor, deren beste Songs nahezu perfekt sind. „Wheels Of Fire“ und der Titeltrack sind der optimale Einstieg in das Album, zwei Hymnen, die jeder Metal-Fan wohl in- und auswendig kennen wird, wenngleich bei zwieterem gleich mal der Text eher zum Fremdschämen einlädt. Noch besser gelungen ist der immer etwas unterschätze Midtempo-Song „Kingdom Come“, der einen Eric Adams in Bestform zeigt. Beim Rausschmeißer „Blood Of The Kings“ huldigen Manowar ihren Anhängern in den unterschiedlichsten Ländern und bauen nebenbei einige ihrer wichtigsten Songtitel in die Nummer ein – für meinen Geschmack äußerst gelungen. Auf Position 8 „versteckt“ sich mit „Hail And Kill“ einer der in meinen Ohren besten Songs der Band überhaupt. Eine schnelle Schlachthymne mit einem Mitgröl-Refrain, der seinesgleichen sucht. Alle Trademarks, die man als Manowar-Fan so liebt, sind in diesem Song enthalten. Wie bei einer solchen Platte üblich, dürfen natürlich auch sanftere Töne nicht fehlen. „Heart Of Steel“ kann man ruhigen Gewissens als eine der Metal-Balladen schlechthin bezeichnen (Manowar selbst schafften meiner Meinung nach lediglich mit „Master Of The Wind“ einen ähnlichen Gänsehaut-Faktor, eventuell noch mit „Mountains“ und dem 2012er Stück „Righteous Glory“). Ebenfalls sehr getragen, aber gänzlich anders kommt „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“ aus den Boxen. Hier wird Eric Adams lediglich von Chören und Kirchenorgel begleitet, typischer klischeebeladene Manowar-Lyrics inklusive, was eine ganz eigene Stimmung erzeugt und den Hörer direkt in eine Geschichte wie „Conan“ hineinversetzt (obwohl der Text in der nordischen Mythologie angesiedelt ist). Dieses Stück ist eine einzige Demonstration der Gesangskünste des Frontmannes – unglaublich, was der Adams hier aus seinen Stimmbändern rausholt. Das merkt man natürlich auch bei anderen Manowar-Songs, auf diesem Track wird es aber durch das fehlen der klassischen Metal-Instrumente noch mal deutlicher. All diese Songs sind praktisch perfekt gelungen und sollten eigentlich jeden Zuhörer von den Qualitäten der Band überzeugen.

Leider gibt es aber einige Sorgenkinder, die den superben Gesamteindruck trüben. So befindet sich mit „Sting Of The Bumblebee“ („Der Hummelflug“) ein völlig überflüssiges Bass-Solo auf der Platte, dass wohl DeMaios Fähigkeiten veranschaulichen soll, aber für die meisten nach einmaligem Hören eher zum Fall für die Skip-Taste werden dürfte. Ein Grund für eine Abwertung ist das Stück jedoch – ähnlich wie „Pulling Teeth (Anasthesia)“ auf Metallica’s „Kill ‚Em All“ – nicht. Dafür geben eher die zwei anderen Ärgernisse Anlass: „The Warrior’s Prayer“ ist eine gesprochene Geschichte, die ein Großvater seinem Enkel erzählt. Hier kommt der Hang zum Helden-Pathos ganz besonders zur Geltung, sodass sich viele Zuhörer mit Grausen abwenden werden. Ich persönlich finde die Geschichte zwar ganz in Ordnung, kann mir aber dennoch ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen und frage mich, wieso dieses Ding auf der Platte (und schlimmer noch: auf Konzerten!) gelandet ist. Noch viel übler ist allerdings „Pleasure Slave“, ein Midtempo-Song, der musikalisch eher durchschnittlich ist. Katastrophal ist allerdings der Text, der sogar auf gestandene Machos einfach lächerlich wirken muss. Unerfahrene Hörer dürfte es vielleicht erstaunen, aber sogar bei einer Band wie Manowar kann die Peinlichkeit ins Maßlose gesteigert werden… Gerüchteweise ist dieses Stück sogar ein Mitgrund für den Manowar-Ausstieg von Gitarisst Ross „The Boss“ Friedman unmittelbar nach den Aufnahmen zu „Kings Of Metal“.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Wheels Of Fire – 4:10 – 6/7
  2. Kings Of Metal – 3:45 – 5/7
  3. Heart Of Steel – 5:10 – 7/7
  4. Sting Of The Bumblebee – 2:49 – 1/7
  5. The Crown And The Ring (Lament Of The Kings) – 4:50 – 7/7
  6. Kingdom Come – 3:56 – 7/7
  7. Pleasure Slave – 5:38 – 2/7
  8. Hail And Kill – 5:58 – 7/7
  9. The Warrior’s Prayer – 4:20 – 2/7
  10. Blood Of The Kings – 7:29 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7


Manowar auf “Kings Of Metal” (1988):

  • Eric Adams − Vocals
  • Ross the Boss − Guitar
  • Joey DeMaio − Bass
  • Scott Columbus (†) − Drums

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Musikwelt: Beyond The Red Mirror

Blind Guardian


Insgesamt finde ich „Beyond The Red Mirror“ wesentlich besser, als ich zunächst nach der Single, dann nach den ersten Komplett-Durchläufen befürchtet hatte. Das erinnert mich vom Gefühl her ein wenig an „A Twist In The Myth“, wo ich eine ähnliche „Lernkurve“ gebraucht habe. Ankreiden lassen müssen sich Blind Guardian meiner Ansicht nach zwei Dinge: Erstens ist der Sound in meinen Ohren sub-optimal. Ein wenig dumpf und nicht perfekt abgemischt, teilweise fragt man sich, wo da überhaupt Gitarren zu hören sind. Zweitens frage ich mich schon, ob es sinnvoll ist, jeden noch so kleinen Schnipsel wahlweise mit Chören oder Orchesterparts (oder beidem) zuzukleistern. Das lässt den Songs kaum Luft zu atmen und macht es dem Otto-Normal-Metaller extrem schwer, sich die Platte zu erschließen – super Beispiel dafür: „Sacred Mind“. Gut, sowas kann spannend sein – aber die Krefelder übertreiben es meiner Ansicht nach gnadenlos. Ich fürchte, das wird sich auch bei den Konzerten sehr deutlich zeigen – zum Mitsingen lädt hier nämlich so gut wie nichts ein, auch weil es keine zwingenden Refrains gibt. Und der ganz große Hit leider einmal mehr fehlt.

Gesamteindruck: 5/7


Braucht viel von beidem: Zeit und Geduld.

So richtig gefreut habe ich mich auf das 2015er-Werk von Blind Guardian, „Beyond The Red Mirror“, nicht. Dafür waren die Alben davor einfach zu ernüchternd gewesen. Vor allem „At The Edge Of Time“ war meines Erachtens eine herbe Enttäuschung und hatte zur Folge, dass ich bei Blind Guardian nicht mehr blind (höhö…) zugreifen wollte. Zum Glück ist „Beyond The Red Mirror“ ein ganz anderes Kaliber, doch dazu gleich.

Zunächst ein kleiner Exkurs zu meiner persönlichen Blind Guardian-Historie: Bis inklusive „Nightfall In Middle-Earth“ (1998) finde ich an keinem Album der Krefelder etwas auszusetzen. Ja, richtig gelesen: „inklusive“. „Nightfall In Middle-Earth“ war im Prinzip mein Einstieg in das Schaffen von Blind Guardian – und es hat mich sofort gepackt. Im Anschluss kamen alle älteren Platten dran, von denen mich jede voll und ganz überzeugen konnte. Nach 1998 sah die Sache aber anders aus. An „A Night At The Opera“ (2002) konnte ich mich nach einer kurzen Schrecksekunde (die bereits beim Betrachten des Covers begann) noch gewöhnen. „A Twist In The Myth“ (2006) war hingegen eine wesentlich härtere Nuss, Hauptgrund dafür war der Tonspuren-Overkill, der einen geradezu erschlug. Letztlich waren es dann aber doch ein paar Einzelsongs, die mir im Gedächtnis geblieben sind („Turn The Page“, „Fly“, „Another Stranger Me“, „Skalds And Shadows“) und die Platte doch noch positiv in meiner Erinnerung verankert haben. Bei „At The Edge Of Time“ (2010) ging dann nichts mehr. Ok, „Sacred Worlds“ kennt man (vor allem wegen dem Computerspiel „Sacred“), „Tanelorn (Into The Void)“ ist aufgrund von „The Quest For Tanelorn“ (auf: „Somewhere Far Beyond“, 1992) und eventuell auch Michael Moorcock-Lesern ein Begriff und „A Voice In The Dark“ ist ein veritabler Hit, zumindest im Kontext des Albums. Aber insgesamt kann man nicht sagen, dass das 2010er Album ein Gutes gewesen wäre.

Soviel zur Geschichte, kommen wir zur Gegenwart und zum Grund meines Abschweifens: Nach den ersten drei oder vier Hördurchgängen dachte ich, „Beyond The Red Mirror“ würde sich in die Riege der letzten Alben einreihen. Da tat sich nämlich nicht viel. Aber: Irgendwann ist es tatsächlich gelungen und die Songs begannen sich zu erschließen. Zugegeben, bei allen hat das nicht geklappt, aber insgesamt muss man sagen: Geduld lohnt sich hier wirklich. Fraglich, ob alle Hörer so viel Muse mitbringen, versuchen sollte man es aber auf jeden Fall.

Und nun kommen wir zu den Details und beginnen mit den positiven Seiten von „Beyond The Red Mirror“. Zunächst wäre da die Auskopplung „Twilight Of The Gods“, die sich vorab schwach anhörte, im Album-Kontext aber als verhältnismäßig eingängig und leicht hörbar hervorsticht. Besser als ich im Vorhinein gedacht hatte – da darf man mit seinem Urteil nicht zu schnell bei der Hand sein. Noch viel besser macht es der stärkste und gleichzeitig härteste Song des Albums, nämlich „The Holy Grail“. Hier können sich die Krefelder tatsächlich auszeichnen und schaffen es, ihre eigene Vergangenheit mit der Zeit von ungefähr „A Night At The Opera“ gekonnt zu verbinden, ohne das Ganze zu überfrachten. Und die Textzeile „There on the battlefield / She sings praise, hallelujah“ ist praktisch unmöglich wieder loszuwerden. Fast ebenso gut zu hören sind „Prophecies“ (mit dem einen oder anderen Teil, der sich live gut zum Mitsingen eignen könnte), „Ashes Of Eternity“ (relativ hart und – zum Glück – sehr metallisch für die neueren Blind Guardian-Verhältnisse), „The Throne“ (merkwürdiger, chaotisch-hymnischer Reiz ohne so richtig zum Höhepunkt zu kommen, dafür aber mit dem besten Gitarrensolo des Albums ausgestattet) und „Sacred Mind“ (noch ein fast reinrassiger Metal-Song, auf der dunkleren Seite angesiedelt und mit sehr aggressivem Gesang, wo die Zeit zeigen muss, ob Hansi Kürsch das live noch hinkriegt).

Eher nichtssagend, aber auch nicht negativ auffallend in meinen Ohren: „Distant Memories“ und „Miracle Machine“, die Standard-Ballade (In diesem Fall quasi nur Hansi Kürsch und ein Piano, ein wenig Chor und Orchester sind auch noch dabei. Immerhin schön gesungen.).

Und nun kommen wir zum negativen Teil, der – man ahnt es schon – leider auch zu zweifelhaften Ehren kommen muss. „At The Edge Of Time“ (sic!) ist völlig zum Vergessen. Langweilig und bleibt nicht hängen – keine Ahnung, wer einen derartig aufgebauten Song überhaupt hören will. Ebenso ergeht es dem sperrigen und nichtssagenden Opener „The Ninth Wave“, der viele schon im Vorhinein abschrecken dürfte. Hätte man wenigstens den dramatisch-orchestralen Beginn als Intro ausgegliedert, wäre es vielleicht noch erträglich gewesen. So leider nicht, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich viele Leute dieses Lied am Stück geben wollen. „Ausgeglichen“ wird der Fehlstart meiner Meinung nach durch das Ende: „The Grand Parade“ ist ein Song, an dem sich die Geister scheiden werden. Mein Geist zeigt mit dem Daumen nach unten. Wenn man hier eine Art „…And Then There Was Silence“ kreiren wollte, ist das gründlich in die Hose gegangen. So einen Song hätte ich eher von Avantasia erwartet – aber doch nicht von Blind Guardian. Und das ist kein Kompliment, weder für die eine Band, noch für die andere. Bei Avantasia hätte das Stück durch verschiedene Sänger eventuell funktionieren können, hier ist es eher so… naja… kitschiges Tra-la-la. Oder so. Kein Beinbruch zwar, aber dieser „Say good-bye my friend…“-Refrain geht bei mir halt gar nicht.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. The Ninth Wave – 9:29 – 2/7
  2. Twilight Of The Gods – 4:51 – 5/7
  3. Prophecies – 5:27 – 6/7
  4. At The Edge Of Time – 6:55 – 1/7
  5. Ashes Of Eternity – 5:41 – 4/7
  6. Distant Memories – 5:53 – 3/7
  7. The Holy Grail – 6:02 – 7/7
  8. The Throne – 7:56 – 6/7
  9. Sacred Mind – 6:25 – 5/7
  10. Miracle Machine – 3:03 – 4/7
  11. Grand Parade – 9:29 – 3/7

Gesamteindruck: 5/7


Blind Guardian auf „Beyond The Red Mirror“ (2015):

  • Hansi Kürsch – Vocals
  • André Olbrich – Lead, Rhythm and Acoustic Guitars, Backing Vocals
  • Marcus Siepen – Rhythm guitar, Backing Vocals
  • Barend Courbois – Bass
  • Frederik Ehmke – Drums, Percussion

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