SpielWelt: Machinarium

Zwei Kritikpunkte führen zu Abzügen in der Gesamtwertung: Die Länge des Spiels und der mangelnde Wiederspielwert. Hätte der Entwickler daran ein wenig gefeilt, wäre die volle Punktezahl ohne weiteres möglich gewesen. Aber auch so bleibt „Machinarium“ ein exzellentes Spiel für alle Freunde der alten Adventure-Schule.

Gesamteindruck: 5/7


Viel zu kurzes Kleinod.

Kleinod? Ein merkwürdiger, im Bereich von Indie-Spielen viel zu häufig strapazierter Begriff. Dennoch habe ich keinen besseren für „Machinarium“ gefunden. Dieses Spiel erinnert tatsächlich an eine Zeit, in der man bei Computerspielen noch so etwas wie Herz und Seele fühlen konnte. Nicht, dass das bei allen heutigen Spielen anders ist, aber vieles ist doch sehr steril und sehr „casual“ geworden, wie man auf gut neudeutsch sagt.

Nicht so „Machinarium“, das durch mehrere Aspekte besticht. Zunächst fallen natürlich Grafik und Sound auf. Erstere ist superb – die handgezeichneten, zeichentrickartigen Hintergründe sind großteils statisch, warten aber mit unglaublich vielen, liebevollen Details auf. Die verwendeten Farben und Formen rücken das Ganze stark in Richtung einer eher düsteren Dystopie. Damit ist das Spiel trotz des „knuffig“ wirkenden Hauptdarstellers wohl eher etwas für eine ältere Zielgruppe. Dazu passt auch die meist sehr ruhige musikalische Untermalung, die nur als gelungen bezeichnet werden kann. Auf Sprachausgabe wird verzichtet, die Story wird anhand von Sprechblasen und Zeichnungen erklärt. Zur Spielsituation passende Soundeffekte verdichten die Atmosphäre weiter.

Was das Genre betrifft, ist „Machinarium“ am ehesten als klassisches Point & Click-Adventure zu bezeichnen, eingeschoben sind außerdem viele Denk- und Geschicklichkeitsspiele. Die Rätsel sind nicht immer ganz logisch, aber durch Probieren kann man die richtige Lösung meist recht schnell finden. Sollte es trotz aller Versuche nicht klappen, wurde in jeden Screen eine „zweistufige“ Spielhilfe integriert: Während der erste Tipp „gratis“ zur Verfügung steht, muss man für eine detailliertere Lösung ein kleines Geschicklichkeitsspiel absolvieren. Meiner Meinung nach ist das eine nette Idee. Die Story wird traditionell durch Lösen der verschiedenen Aufgaben vorangetrieben und in den genannten Sprechblasen erzählt. Die Geschichte, die sich dabei nach und nach entspinnt ist eher zweckmäßig als tiefgängig – zum Schluss wird es sogar ein wenig wirr. Trotzdem ist die Idee, der heruntergekommenen Roboterstadt an sich schon sehr gut.

Als nächstes kommen wir zur Spielmechanik. Das System ist sehr einfach und kommt mit einer einzigen Maustaste aus. Wer einen Rechtsklick probiert, stellt fest, dass es sich bei „Machinarium“ um ein Flash-Spiel handelt – in dem Fall erscheint nämlich das entsprechende Kontextmenü, was einigermaßen störend ist. Gesteuert wird der Roboter ausschließlich über die linke Maustaste, Verben oder ein Aktionsmenü gibt es nicht. Bei klickbaren Objekten führt die Spielfigur automatisch die richtige Aktion durch, maximal ein paar Kreisbewegungen oder ein bisschen Auf und Ab mit der Maus sind notwendig. Dass das Spiel trotz der simplen Steuerung eine Herausforderung sein kann, liegt eher daran, dass im Gegensatz zu modernen Titeln eine Hilfe wie z. B. die Hotspot-Anzeige, fehlt. Mich persönlich stört das nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass einige Spieler darin einen Mangel sehen. Gespeichert werden kann übrigens völlig frei – wirklich notwendig ist es aber zwischendurch kaum, es gibt nämlich keine Sackgassen und der Roboter kann im Endeffekt auch nicht sterben.

Soweit ist aus meiner Sicht also alles im grünen Bereich. Es gibt allerdings zwei Punkte, die die Höchstwertung verhindern. Einerseits ist die Länge des Spieles weit unter dem Durchschnitt. Nach wenigen Stunden hat man das Finale gesehen und bleibt einigermaßen konsterniert zurück – ich für meinen Teil hätte den Roboter jedenfalls gerne noch weiter durch diese faszinierende Welt gesteuert. Bei einer längeren Spielzeit wäre es vielleicht auch möglich gewesen, die Story ein wenig tiefgründiger zu gestalten bzw. weiterzuentwickeln – schade um diese Gelegenheit! Andererseits hat „Machinarium“ praktisch keinen Wiederspielwert. Wer einmal durch ist, kennt die Lösung aller Rätsel – alternative Wege gibt es nicht, nicht einmal eine Erledigung der Aufgaben in anderer Reihenfolge ist möglich, wenn man von ganz kleinen Ausnahmen absieht. Damit kann man das Spiel vielleicht alle paar Jahre mal hervorkramen, in kürzeren Abständen wird sich wohl niemand mehr als einmal damit beschäftigen.

Gesamteindruck: 5/7


Genre: Adventure
Entwickler:
Amanita Design
Jahr: 2009
Gespielt auf: PC


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