BuchWelt: Hellraiser

Clive Barker


Geschrieben ist die Geschichte nicht schlecht, da gibt es nichts zu rütteln. Leider ist sie so kurz, dass sich keinerlei nennenswerte Charaktere entwickeln können. Dafür wurde für die hier rezensierte Ausgabe ein relativ hoher Preis verlangt. Daran hapert es dann letztlich auch – der Lesespaß wird einem schon ein wenig genommen, wenn man sieht, was diese 128 Seiten kosten. Wem das egal ist, der kann den einen oder anderen Punkt zum Gesamteindruck addieren. Eine gute Gruselgeschichte bekommt man allemal, wenn man bei „Hellraiser“ zugreift.

Gesamteindruck: 4/7


(Zu) kurzes Vergnügen.

Vermutlich kennt der Großteil des Publikums „Hellraiser“ (Regie: Clive Barker!) nur durch den gleichnamigen Film – ein Klassiker der unheimlichen Unterhaltung, der trotz seines Alters und geringen Budgets nach wie vor zu den besten seines Faches zählt.

Dass die kurz vor dem Film entstandene Novelle nicht ganz überzeugend ist, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen ist die Geschichte sehr kurz ausgefallen, was dazu führt, dass es keine wirklich ausgefeilten Charaktere gibt. Diese könnten sich aufgrund der Kürze auch gar nicht entwickeln, haben lediglich rudimentäre Hintergrundgeschichten und lassen insgesamt kaum eine Identifikation zu. Wirklich Neues, das man aus den Filmen nicht kennt, erfährt man also nicht durch die Lektüre. Lediglich die näheren Beweggründe von Frank Cotton, sich mit dem „Würfel“ zu beschäftigen, sind sehr schön herausgearbeitet.

Das zweite Problemfeld ergibt sich eher aus der persönlichen Rezeption. Wenn man sich das Buch – wie wohl der Großteil der Leser – erst nach dem Film zu Gemüte führt, ist man doch einigermaßen ernüchtert. Ein wichtiges Motiv der Lektüre ist eben, mehr über die Zenobiten zu erfahren. Das passiert leider so gut wie gar nicht, noch dazu gibt es hier einige eklatante Unterschiede zu den durch den Film so stark geprägten Vorstellungen („Pinhead“ als weibliches Wesen?). Das liegt natürlich nicht am Buch selbst, sondern an den Erwartungen, die der Einzelne daran hat.

Überzeugend ist hingegen die Idee und der generelle Einfallsreichtum, den Barker hier einmal mehr an den Tag legt. Auch seinen ureigenen Stil, der bei „Hellraiser“ noch nicht ganz ausgeprägt ist, lässt er durchblitzen. Leider geht auch hier durch die Übersetzung einiges verloren, dennoch ist die morbide Atmosphäre der unheimlichen Geschichten des Briten einfach unnachahmlich.

Insgesamt reicht es aber leider nur für eine durchschnittliche Wertung. Potential zu höherem wäre vorhanden gewesen, wurde aber meines Erachtens nur bedingt abgerufen. Der Stoff an sich schreit geradezu nach einer weiterführenden Bearbeitung. Aber vielleicht ist es besser, wenn es bei diesem Band bleibt – der Großteil der Fortsetzungen des Filmes gibt trauriges Zeugnis darüber, was ansonsten passieren kann.

Ein abschließendes Wort zum Preis-Leistungs-Verhältnis: „Hellraiser“ ist ein Roman, der eigentlich nur als Kurzgeschichte durchgehen kann (128 Seiten, davon manche nicht einmal doppelseitig bedruckt, insgesamt nicht gerade platzsparendes Schriftbild). Dafür wurde für die rezensierte (momentan vergriffene) Ausgabe ein sehr hoher Preis verlangt – und auch für eine aktuelle Version greift eine große Handelskette mit 13,99 Euro recht tief in die Tasche ihrer Kunden. Zugute halten kann man dem Verlag eigentlich nur, dass die broschierte Ausgabe, die hier rezensiert wurde, mit ihrem Hochglanzeinband sehr schön anzusehen ist – ob das den Vollpreis rechtfertigt, ist allerdings eine andere Frage. Wie auch immer, als Liebhaber klassischer Horror-Geschichten und Kenner des gleichnamigen Films bleibt einem so oder so nichts anderes übrig, als hier zuzugreifen.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Clive Barker
Originaltitel: The Hellbound Heart
Erstveröffentlichung: 1986
Umfang: 128 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch (Edition Phantasia)


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