FilmWelt: The Crow – Die Krähe

Wem der Sinn nach einem leicht konsumierbaren, dennoch spannenden und – vor allem – atemberaubend düsteren Spielfilm steht, wird mit „The Crow“ bestens bedient. 6 von 7 Punkten für einen trotz oberflächlicher Handlung sehr intensiven Film – der vor allem aufgrund der Atmosphäre zu überzeugen weiß.

Gesamteindruck: 6/7


Rachegeschichte in meisterhaft düsteren Bildern.

Innovationspreis für die Story gewinnt Alex Proyas‘ „The Crow“ keinen – zum Erscheinungszeitpunkt (1994) nicht, und schon gar nicht zum Zeitpunkt dieser Rezension (mehr als 20 Jahre später). Dafür besitzt die Handlung einfach nicht genug Tiefgang – mehr als dass ein geheimnisvoller Rächer eine Bande von Mördern und Schurken nach der Reihe ins Grab bringt, passiert eigentlich nicht. Ok, dass der tragische Held eigentlich schon tot war, dann aber untot und unverwundbar aus dem Grab steigt, um seine ebenso tragisch ermordete Geliebte zu rächen, ist zwar nicht alltäglich – aber auch nicht wahnsinnig innovativ.

Das ist aber auch nicht notwendig – der Regisseur serviert die altbekannte Geschichte in derart düsteren und stilistisch wunderbaren Bildern, dass man sich an dem Film kaum satt sehen kann, es sei denn man stört sich grundsätzlich am Gothic-angehauchten Ambiente. Die Szenerie der heruntergekommenen, verregneten Großstadt in Amerika wurde bestens ins Bild gesetzt und bietet den perfekten Hintergrund zum mystischen Rachefeldzug. Ebenso perfekt wurden dabei auch Ausstattung und Kostüme gewählt: vor allem das Outfit des dunklen Rächers, samt Ledermantel, Gesichtsbemalung und Gitarre wirkt wie aus einem Guss. Passend dazu gibt es einen interessanten Soundtrack, der mit Tracks von The Cure, Nine Inch Nails, Pantera, Rage Against The Machine und einigen anderen Leckerbissen aufwartet.

Auch die Riege der Schauspieler kann überzeugen, wenngleich es gerade den Bösewichten doch ein wenig an Profil mangelt. Vorbehaltlos gelungen ist dagegen die Figur des Oberschurken, dessen kühle Überlegenheit sehr gut eingefangen wurde. Schwerer zu bewerten ist die Rolle von Brandon Lee, der aus meiner Sicht nicht so untalentiert agiert, wie es ihm öfters vorgeworfen wurde und wird. Seine Mimik und Gestik wirken auf mich durchaus charismatisch, die Kampf- und Bewegungskünste des Bruce-Lee-Sprösslings sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben und eine Augenweide. Doppelt schade, dass er unter solch tragischen Umständen sterben musste (versehentlich während der Dreharbeiten von Schauspieler-Kollege Michael Massee alias „Funboy“ erschossen). Einerseits ist der Tod des Hauptdarstellers natürlich eine menschliche Tragödie, vor allem wenn man den ebenfalls viel zu frühen Tod seines Vaters bedenkt, andererseits führte der Unfall dazu, dass der Film oft nur über diese Ebene bewertet wird. Aus meiner Sicht hätte einem Erfolg von „The Crow“ auch ohne das Ableben Lee’s nichts im Wege gestanden.

Die hohe Wertung für den Gesamteindruck mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen. Der Grund dafür ist aber einfach, dass ich persönlich diesen Film immer wieder sehen kann. Daran ändert seine Schlichtheit nichts, daran ändern die Schwächen bei der Besetzung nichts, daran ändert nichts etwas. Es ist einfach ein cooler Film mit ganz eigenem Ambiente, ein Film, der von der Atmosphäre und nicht vom Drumherum lebt. Wer mit düsterer Schönheit etwas anfangen kann, wird wissen, was ich damit meine. Alle anderen können getrost den einen oder anderen Punkt abziehen.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: The Crow
Regie: Alex Proyas
Jahr: 1994
Land: USA
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Brandon Lee (†), Ernie Hudson, Sofia Shinas, Michael Wincott, Anna Thomson


Filmvorschau (englisch)

Filmvorschau (deutsch)


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