BuchWelt: Reise um den Mond

Jules Verne


Im Gegensatz zu „Von der Erde zum Mond“, das ein wenig mehr Handlung und noch dazu einiges an Treffsicherheit in Bezug auf typisch amerikanische Eigenarten besitzt, ist die „Reise um den Mond“ wesentlich härterer Stoff. Es mag sich lohnen, herauszufinden, wie man die Zukunft vor so vielen Jahren gesehen hat – dieses Buch eignet sich aber nur bedingt dafür.

Gesamteindruck: 4/7


Handlungsarmer Klassiker.

1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. 1870, also fast exakt 100 Jahre zuvor, schickte Jules Verne seine „Astronauten“ (die er damals aber nur „Reisende“ nannte) zwar nicht direkt auf den Mond, aber immerhin auf eine Fahrt um den Trabanten. „Reise um den Mond“ ist die Fortsetzung von „Von der Erde zum Mond“ (1865) und beschreibt die Erlebnisse der im Vorgängerroman in einem Projektil gestarteten Abenteurer.

„Erlebnisse“ ist allerdings ein übertriebener Ausdruck. An Handlung ist noch weniger als im für sich schon sehr wissenschaftlichen Vorgänger vorhanden. Verne zeigt in „Reise um den Mond“ einmal mehr seine hoch entwickelten astronomischen und mathematischen Kenntnisse. Er lässt seine Protagonisten seitenlang über Geschwindigkeiten und mathematische Probleme schwadronieren, erklärt haarklein die (damals bekannte bzw. vermutete) Entwicklungsgeschichte des Mondes und ebenso genau die Topographie der erdzugewandten Seite des Trabanten. All das ist recht interessant und zeigt, dass Verne nicht nur ein fantastischer Visionär, sondern auch ein Mann mit echtem wissenschaftlichem Interesse war. In diesem Buch übertreibt er es damit allerdings ein wenig und er lässt seiner reichhaltigen Fantasie relativ wenig Spielraum. Alles, was zu Vernes Zeit über den Mond nicht bekannt war (z. B. die Beschaffenheit der erdabgewandten Seite) reißt er nur sehr kurz an, ohne näher darauf einzugehen. So vermuten die Reisenden beispielsweise, so etwas wie Wälder zu sehen – allerdings wird das durch den Autor sofort wieder als mögliche Einbildung relativiert. Fast scheint es, als hätte er sich nicht die Blöße geben wollen, dass seine Beschreibungen des Mondes in späteren Jahren als reine Fantasie abgetan würden.

Dementsprechend zäh liest sich das Werk stellenweise. Es wird seitenlang ohne großartige Auflockerung gefachsimpelt. Dadurch vergehen die wenigen Seiten, die das Büchlein umfasst, nicht gerade wie im Fluge.

Anmerkungen zur (gratis) eBook-Version, die bei Amazon erhältlich ist: Wie beim Vorgänger gibt es eine unverhältnismäßig große Zahl an Scan-Fehlern. Speziell „l“ und „i“ werden häufig vertauscht, was den ohnehin schwer zustande kommenden Lesefluss teilweise stark behindert. Die Übersetzung dürfte einer der ersten Ausgaben des Buches entsprechen – dementsprechend altertümlich liest sich die Sprache (z. B. „Thiere“ anstelle von „Tiere“, stellenweise merkwürdige Grammatik usw.). Daran kann man sich erst nach vielen Seiten gewöhnen, was bei einem derart dünnen Buch durchaus problematisch ist. Ansonsten gibt es an der eBook-Version nicht viel auszusetzen und sie kann von jedem mit dem nötigen Equipment bedenkenlos angetestet werden.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Jules Verne
Originaltitel: Autour de la Lune
Erstveröffentlichung: 1870
Umfang: 186 Seiten (Print)
Gelesene Sprache: Deutsch
Version: eBook (gratis bei Amazon erhältlich)


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3 Gedanken zu “BuchWelt: Reise um den Mond

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