SpielWelt: Gemini Rue – Verschwörung auf Barracus

Ein gelungenes Spiel, das zeigt, welche Bedeutung Story und Atmosphäre wirklich haben – gerade weil die Grafik wie aus der Computer-Steinzeit wirkt, wird noch deutlicher, wie wenig Seele viele moderne Spiele haben.

Gesamteindruck: 5/7


Kein Augenschmaus, dafür ein Spiel mit Herz und Seele.

Wenn „retro“ in ist, müsste sich Gemini Rue – Verschwörung auf Barracus verkaufen wie warme Semmeln. Die Grafik erinnert an die seligen 1990er Jahre, aber nicht an das Ende dieser Epoche, sondern an deren Anfang. Sogar die – (für manche) noch glorreicheren – 1980er schimmern in Bezug auf die Optik deutlich durch. Die Animationen verdienen kaum ihren Namen, die Figuren als „pixelig“ zu bezeichnen wäre ein Kompliment. Immerhin sind die Hintergründe sehr schön gezeichnet und fangen die Stimmung gut ein. Gleich mehrere Schritte zurück in die Vergangenheit macht auch die Bedienung, die sämtliche Komfort-Funktionen, die man seit gefühlten Jahrzehnten gewohnt ist, außen vor lässt. Ein Menü mit den rudimentären Funktionen „Ansehen“, „Benutzen“, „Treten“ (!) und „Sprechen“, dargestellt in simplen Piktogrammen, die schwer zu erkennen sind, reicht für dieses Spiel aus. Lediglich zwei technische Aspekte von „Gemini Rue“ gemahnen nicht an die Computer-Steinzeit: Die ausgezeichnete musikalische Untermalung (ok, die gab es früher auch, allerdings nicht am PC) und die – speziell für eine Indie-Produktion – unfassbar professionelle Sprachausgabe. Diese zwei Punkte gehen problemlos als höchster Standard durch.

Und trotz all der genannten „Mängel“ verdient „Gemini Rue“ locker fünf Punkte. Das Spiel schafft nämlich etwas, wovon viele Software-Riesen mit ihren Hochglanz-Produkten nur träumen können: eine interessante, packende Story zu erzählen und eine Welt zu kreieren, die den Spieler voll und ganz gefangen nimmt. Die düstere, bedrückende Atmosphäre ist ein weiterer Pluspunkt, der schwer beschrieben werden kann, der einfach erlebt werden muss. Um das zu schaffen, muss man dem Spiel natürlich trotz des auf den ersten Blick „hässlichen“ Äußeren eine Chance geben.

Kleine Abzüge gibt es, weil die Charaktere nicht so ausgefeilt sind, wie sie hätten sein können. Das ändert zwar nichts an der Sympathie, die man für die tragischen Figuren empfindet, ist aber doch ein wenig störend. Dass das Spiel sehr geradlinig ist, stört mich hingegen weniger. Wer allerdings Möglichkeiten sucht, den Spielverlauf durch eigene Entscheidungen zu beeinflussen, ist hier fehl am Platz – wenn man deshalb weitere Punkte im Gesamteindruck abzieht, kann ich es gut verstehen. Genauso verhält es sich mit der Bedienung – das Menü an sich ist schon in Ordnung, wenn es auch merkwürdig ist, dass es nur in Verbindung mit einem klickbaren Punkt auf dem Bildschirm geöffnet werden kann. Die Steuerung in den Kampfsequenzen ist hingegen viel zu komplex und umständlich. Zum Glück gibt es sehr wenige Kämpfe, sodass man für dieses Problem nichts abziehen muss.

Gesamteindruck: 5/7


Genre: Adventure
Entwickler: Joshua Nuernberger
Jahr: 2011
Gespielt auf: PC


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