FilmWelt: Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis

„Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“ ist eine Mischung aus Horrorfilm, Western, Road-Movie und Liebesfilm, die von den Grundvoraussetzungen her bestens ausgestattet ist und mit großteils ambitionierten Schauspielern aufwartet. Leider machen eine Story, die auf Nummer sicher geht und ein wenig durchdachtes Drehbuch dem Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Damit sind maximal vier Punkte möglich, von denen einer nur aus Nostalgiegründen vergeben wird. Von einem „frühen Meisterwerk“ der Regisseurin kann aus meiner Sicht leider keine Rede sein.

Gesamteindruck: 4/7


Trotz Nostalgiebonus eher bescheiden.

So ist das mit der Nostalgie… Vor vielen Jahren hat man einmal einen Film im Fernsehen gesehen – und aus irgendeinem Grund, der vielleicht gar nichts mit dem Film selbst zu tun hat, hat man das Gefühl, dass er ausgezeichnet war. Nach langer Zeit, in der man nicht an den Streifen gedacht, sogar den Namen vergessen hat, sieht man ihn zufällig im Geschäft oder im Netz und greift zu. Die Vorfreude ist groß und auch die ersten Minuten sind durchaus in Ordnung, nach dem Ansehen regiert allerdings die große Enttäuschung und man merkt: Nur eine nostalgisch verklärte Sicht hat den Film so toll erscheinen lassen, wie er in Wirklichkeit nie war.

Lange Einführung, kurzer Sinn: „Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“ habe ich irgendwann einmal gesehen und der Film wurde in meiner Erinnerung zum Klassiker. Warum das so war kann ich bis heute nicht verstehen. Objektiv betrachtet ist der Film von Kathryn Bigelow (u. a. „Strange Days“ und „Zero Dark Thirty“) zwar gar nicht schlecht, das Zeug zum Klassiker hat er definitiv nicht.

Beginnen wir aber mit dem Positiven: Der Film aus dem Jahre 1987 ist ein Vampirfilm, der stilistisch und auch von der Handlung her stark an den wesentlich bekannteren und erfolgreicheren „The Lost Boys“ (ebenfalls 1987) erinnert. Wobei in „Near Dark“ das Wort „Vampir“ und seine Synonyme kein einziges Mal ausgesprochen wird. Ist auch nicht notwendig – die Bilder sprechen ja für sich. Die Optik entspricht dem in den 1980er Jahren offensichtlich sehr beliebten „moderner Western“-Setting, dementsprechend wird die Vampir-Gang als eine Art „Outlaws“ portraitiert. Die Bilder sind sehr gut gelungen, alles wirkt stimmig und wurde wunderbar fotografiert. Zu beachten ist die teilweise recht explizite Gewaltdarstellung, insbesondere wenn Vampire dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Der Soundtrack stammt von den Elektro-Pionieren Tangerine Dream und entspricht im Wesentlichen dem, was man von einem Film dieser Epoche erwartet. Spektakulär geht anders, aber immerhin gibt es wesentlich schlechtere Filmmusik.

Zu den Charakteren ist zu bemerken, dass der Film abgesehen von kleinen Andeutungen keinerlei Wert auf tiefe Einblicke legt. Man erfährt nichts Relevantes über die Hintergrundgeschichte der Protagonisten – alle sind einfach so, wie sie sind. Die Vampirbande ist – mit einer Ausnahme – eine Gang von sadistischen, gefühllosen Outlaws, die von ihren Schauspielern zumindest gut verkörpert werden. Was das betrifft ist eigentlich alles im grünen Bereich, speziell Bill Paxton als Cowboy-Vampir „Severen“ und Lance Henriksen als Ober-Blutsauger „Jesse Hooker“ können überzeugen.

Woran es letztlich krankt ist die Story, die einerseits absolute Standardkost ist, andererseits unter einem relativ trägen Drehbuch leidet, wodurch sich letztlich wohl auch die Schauspieler nicht richtig in Szene setzen können. Im Prinzip ist es das Übliche: Ein Mensch verliebt sich in einen Vampir, wird selbst zum Vampir, weigert sich, sein neues „Leben“ zu akzeptieren (also: zu töten um nicht zu verhungern), wird schließlich doch Teil der Vampirgesellschaft und wird dann noch vor die Wahl der Rückkehr in ein menschliches Leben gestellt. All das wird stark komprimiert und passiert ohne jegliche Überraschungsmomente, bis hin zum erwartungsgemäß kitschigen Finale. Mehr ist es nicht – wer möchte, kann noch die Themen der körperlichen und psychischen Abhängigkeit in den Film interpretieren, aber auch dazu gibt es besseres Material.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Near Dark
Regie: Kathryn Bigelow
Jahr: 1987
Land: USA
Laufzeit: 94 Minuten
Besetzung (Auswahl): Adrian Padar, Jenny Wright, Lance Henriksen, Bill Paxton, Jeanette Goldstein


Filmvorschau (englisch)


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