BuchWelt: Die Zeitmaschine

H. G. Wells


Wie man es von den klassischen Science-Fiction-Autoren gewohnt ist, hat auch H. G. Wells eine wundervolle Art, seine Geschichte dem Leser näherzubringen. Das liest sich auch heute, weit über 100 Jahre nach der Erscheinung des Buches, immer noch fantastisch. Manchem mag der Stil altmodisch und damit etwas holprig erscheinen, mir persönlich gefällt er sehr gut und hebt sich erfrischend von den modernen Schriftstellern ab. Für die Höchstwertung reicht es aber dennoch nicht ganz, da trotz des geringen Umfangs von ca. 160 Seiten ein paar Längen enthalten sind. Gelesen haben sollte man „Die Zeitmaschine“ aber auf jeden Fall – nicht nur als Fan klassischer Science Fiction.

Gesamteindruck: 6/7


Kritische Auseinandersetzung mit der Zukunft.

Gerade die klassische Science Fiction hat oft mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre Visionen bereits von der Zukunft eingeholt wurden. Das keineswegs negativ zu werten, gerade weil die Vorstellungen der alten Meister oft sehr prophetisch waren. Vor allem Jules Verne und eben H. G. Wells waren echte Visionäre und vieles traf bereits so ein, wie von ihnen vorhergesagt. Manche Voraussagen erwiesen sich im Nachhinein aber auch als falsch – dem beugt Wells im Falle der „Zeitmaschine“, anders als im „Krieg der Welten“, sehr gut vor, indem er weite Teile der Handlung nicht in eine nahe, sondern in eine unvorstellbar weit entfernte Zukunft verlegt. So wird nicht so bald zu erkennen sein, was von den Ideen des Autors wirklich eintrifft und was sich als „falsch“ erweist.

Wie dem auch sei, es gibt es auch in diesem Buch hier ein paar echte Sensationen zu lesen (unter anderem wird zum Beispiel mit der Behauptung, die Zeit sei die vierte Dimension Einstein zumindest ansatzweise vorweggenommen). Ein weiterer Teil der Faszination, die von diesem Roman nach wie vor ausgeht beruht auf den relativ stark ausgeprägten, gesellschaftskritischen Ansätzen. Wells veranschaulicht in „Die Zeitmaschine“ sehr deutlich, wie aus den Fehlern seiner eigenen Zeit der spätere Niedergang der menschlichen Zivilisation hervorgeht, der schließlich in Barbarei und Versklavung endet. Eine indirekte Kritik an der Unterdrückung der Menschen zu Wells Zeit – und heute, in Zeiten menschenunwürdiger Produktionsbedingungen nach wie vor hochaktuell.

Sprachlich empfinde ich den Abschnitt der Geschichte am gelungensten, in dem der Autor seinen namenlosen Protagonisten weitere Jahrtausende nach der eigentlichen Handlung weiter in die Zukunft reisen lässt. Die Trostlosigkeit der dort beschriebenen Welt ist dermaßen anschaulich, dass einen das Bild praktisch tagelang nicht mehr loslässt.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: H. G. Wells
Originaltitel: The Time Machine
Erstveröffentlichung: 1895
Umfang: 160 Seiten (deutsche Printausgabe)
Gelesene Sprache: Deutsch
Version: Taschenbuch


Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing: