BuchWelt: Wie man leben soll

Thomas Glavinic


„Wie man leben soll“ ist ein ausgesprochen kurzweiliges Lesevergnügen, in dem Humor (oder ist es Schadenfreude?) der Dramatik des Erwachsenwerdens auf Augenhöhe begegnet. Thomas Glavinic schafft es, die unterschiedlichsten Erfahrungen und Missverständnisse, die das Heranwachsen so mit sich bringt, elegant einzufangen. Volle Punktzahl für ein Buch, an dem es meiner Ansicht nach absolut nichts auszusetzen gibt.

Gesamteindruck: 7/7


Unglaublich treffsicher formuliert.

Zugegeben: Die Geschichte, die sich in Thomas Glavinic‘ Quasi-Entwicklungsroman „Wie man leben soll“ entspinnt, wirkt in einigen Punkten übertrieben und unglaubwürdig. Das ändert aber nichts daran, dass praktisch jeder Leser zumindest ein kleines bisschen von Karl „Charlie“ Kolostrum in sich finden wird. Die Hauptfigur, die von einer Katastrophe in die andere stolpert, hat einfach unglaublich viele Facetten eines durchschnittlichen heranwachsenden Außenseiters.

Diese Charakterzeichnung, die den durchaus sympathischen, schusseligen Verlierer skizziert, unterscheidet sich an und für sich nicht großartig von Figuren in anderen Werken. Der Autor versteht es aber, seine Worte so treffend und pointiert zu setzen, wie kaum ein anderer. Fast jeder Satz, fast jedes Wort sitzt perfekt, es gibt keine Längen, sogar die ab und an vorkommenden Wiederholungen fügen sich perfekt ins Bild, da sie wie direkt aus dem Leben gegriffen wirken. Das Buch liest sich angenehm und verblüffend schnell, man kann kaum glauben, in welchem Tempo die 240 Seiten vorüberrauschen – kein Wunder, dass so mancher das Buch in einem Rutsch gelesen hat.

Besonders hervorzuheben ist auch der Stil, den Glavinic in diesem Buch verwendet. Der gesamte Roman ist in der „man-Form“ geschrieben. Das mag im ersten Moment gewöhnungsbedürftig klingen, wurde aber derart flüssig und schlüssig umgesetzt, dass es nach kurzer Phase des Einlesens kaum noch auffällt. Der Identifikation mit der Hauptfigur tut das im Übrigen keinerlei Abbruch, merkwürdigerweise ist eher das Gegenteil der Fall. Übrigens ist der Großteil der Handlung in den späten 1980er Jahren angesetzt, man darf sich also keinen Bezug auf die Kombination „Jugend und neue Medien“ erwarten.

Gesamteindruck: 7/7


Autor: Thomas Glavinic
Originaltitel: Wie man leben soll
Erstveröffentlichung: 2004
Umfang: 240 Seiten (Printausgabe)
Gelesene Sprache: Deutsch
Version: Taschenbuch


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