BuchWelt: Hölle

Will Elliot


In „Hölle“ wurden sehr gute Ideen geradezu fahrlässig schlecht verarbeitet. Vielleicht hätte sich der Autor und/oder der Verlag mit der Veröffentlichung zu Gunsten einer weiteren Überarbeitung etwas mehr Zeit lassen sollen.

Gesamteindruck: 3/7


Unterhaltsam, aber leider nicht ausgereift.

Das in der deutschsprachigen Version mit „Hölle“ ausgesprochen schlecht betitelte Buch „The Pilo Family Circus“ ist das Debüt des australischen Schriftstellers Will Elliott. Für dieses Frühwerk hat sich der Autor ein Thema ausgesucht, das schon öfters künstlerisch aufgearbeitet wurde: der unheimliche Zirkus. Auch, dass bösartige Clowns eine wichtige Rolle spielen, ist kein ganz neuer Ansatz. Dennoch schafft es Elliott, Althergebrachtes und eigene Ideen zu einem unterhaltsamen Ganzen zu vermengen. Dass dabei auch der schwarze Humor nicht zu kurz kommt, ist ein weiterer Pluspunkt.

Letztlich gibt es an „Hölle“ aber trotz aller Sympathie für Autor und Thema einige schwerwiegende Kritikpunkte. Zunächst fällt an allen Ecken und Enden auf, dass dieses Buch ein Frühwerk des Autors ist. Viele der guten Ideen wirken einfach nicht zu Ende gedacht, es gibt logische Schwächen und auch die Spannung bleibt teilweise auf der Strecke. Ich hatte beim Lesen teilweise den Eindruck, dass es sich hier um eine noch zu überarbeitende Frühversion der Geschichte handelt – man erahnt das Potential, aber es hapert einfach an der Umsetzung. Ein Beispiel: Man merkt in einer Sequenz beim Lesen, dass der Autor den Kampf einer Person gegen die eigene dunkle Seite thematisieren wollte. Ein lobenswerter Ansatz – dem letztlich aber, wie der ganzen Geschichte, die letzte Konsequenz fehlt.

Größtes Problem sind meiner Ansicht nach die Charaktere. Elliott schafft es kaum, ihnen wirklich Leben einzuhauchen. Auch in diesem Bereich bleibt das merkwürdige Gefühl, dass die Figurengestaltung nicht zu Ende gedacht wurde. So kommt es einem beim Lesen ständig vor, dass man kurz davor ist, Sympathie für eine der Figuren zu empfinden, es aber nie ganz dafür reicht. Der letzte, entscheidende Schritt fehlt einfach. Das liegt vermutlich auch daran, dass der Autor für keinen seiner Charaktere eine gute Hintergrundgeschichte vorlegt. Dadurch ist es praktisch unmöglich, ihre Handlungsweisen wirklich zu verstehen, was wiederum zu Problemen in der Logik führt. Verstärkt wird dieses Gefühl der Unzulänglichkeit noch durch die mangelhafte Beschreibung der körperlichen Merkmale und der Umgebung – das passiert zwar, aber nicht in einem Maß, das allen Personen ausreichend Wiedererkennungswert beschert. Letztlich ist es einem am Ende egal, was mit den Hauptpersonen passiert – viel schlimmer kann ein Urteil zu den Charakteren eigentlich kaum ausfallen.

Im Endeffekt bleibt beim Leser nach der Lektüre die große Frage, was das Ganze eigentlich soll. Es fehlen meiner Ansicht nach wesentliche Erklärungen, die Geschichte wirkt isoliert. Wenn man all diese Kritikpunkte zusammen zählt, kann man für „Hölle“ eigentlich kaum mehr als drei Punkte geben.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Will Elliott
Originaltitel: The Pilo Family Circus
Erstveröffentlichung: 2006
Umfang: 400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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