FilmWelt: Blair Witch 2

„Blair Witch 2“ ist einer der besseren Vertreter seiner Zunft – sowohl für einen Horrorfilm mit geringem Budget als auch für ein Sequel zu einem sehr erfolgreichen Vorgänger kann sich der Streifen durchaus sehen lassen. Enttäuscht werden allerdings alle sein, die eine ähnliche Machart wie in Teil 1 erwarten. Das bietet „Blair Witch 2“ nicht. Wohl aber gutklassige Unterhaltung und gepflegten Grusel für alle, die mit dem Hexen-Thema etwas anfangen können.

Gesamteindruck: 5/7


Gute Weiterführung des Blair Witch-Themas.

Wenn man sich „Blair Witch 2“ ansehen und genießen möchte, muss eines gleich von vornherein klar sein: Er ist nicht mit Teil 1 zu vergleichen, allein der Stil ist vollkommen anders. Wir haben es hier mit einem „normalen“ Horrorfilm zu tun. Die Ebene ist also eine völlig andere – anstatt direkt im Geschehen zu sein, beobachtet man nun „von außen“, was den Protagonisten passiert. Auch die Handlung an sich wurde ein wenig verändert, die Hauptverbindung zu Blair Witch Project besteht lediglich in kurzen Anspielungen bzw. den Ort, an dem sich ein Teil der Handlung abspielt. Zwar befinden sich auch hier wieder junge Leute im Wald und drehen eine Dokumentation, aber die eigentliche Geschichte beginnt erst danach.

Klar ist auch, dass der Film nur durch den kommerziellen Erfolg seines Vorgängers überhaupt zustande kam – und auch in diesem Sinne gedreht wurde, nämlich um ein wenig auf dieser Erfolgswelle mitzuschwimmen. Nun scheint das für viele Grund genug zu sein, den Film zu verdammen, ein Vorurteil, das nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, wenn man sich die vielen miserablen Fortsetzungen ansieht, die auf dem Markt sind. Dennoch ist der Film meiner Meinung nach keineswegs schlecht – ich finde ihn sogar sehr gelungen. Der schnelle Schnitt, die Schockmomente, das rätselhafte Ende – all das macht den Streifen zu einem der besseren Horrorfilme. Auch die Schauspielerriege finde ich akzeptabel, hier gibt es sogar eine kleine Verbesserung zum Vorgänger: niemand kreischt in so hohen und nervtötenden Lagen herum wie die Hauptfigur aus „Blair Witch Project„.

Was der Film noch bietet, ist eine gute Mischung aus dem unsichtbaren Schrecken des 1. Teils und – mehr oder weniger – sichtbaren Horror. Er ist damit etwas leichter zu konsumieren als der Vorgänger, aber deshalb nicht weniger unheimlich. Man braucht seine eigene Fantasie allerdings nicht mehr so sehr anzustrengen. Auch Leute, die ihre Filme gerne „philosophisch“ interpretieren werden auf ihre Kosten kommen – immerhin wird die Frage gestellt, wie „real“ etwas, das auf Film gebannt ist, was Interessierte durchaus zum Nachdenken animieren dürfte.

5 Punkte für ein Sequel, das dem Vorgänger ausnahmsweise einmal nicht hoffnungslos hinterher hinkt, wobei ein Vergleich in diesem Fall aufgrund der stilistischen Änderung nur sehr schwer möglich ist.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Book of Shadows: Blair Witch 2
Regie: Joe Berlinger
Jahr: 2000
Land: USA
Laufzeit: 86 Minuten
Besetzung (Auswahl): Kim Director, Jeffrey Donovan, Erica Leerhsen, Tristen Skyler, Stephen Barker Turner


Filmvorschau (deutsch)


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