BuchWelt: Der letzte Tag der Schöpfung

Wolfgang Jeschke


Alles in allem würde ich „Der letzte Tag der Schöpfung“ gerne mit der Höchstwertung adeln, leider hindert mich das unbefriedigende Ende daran. So müssen 6 Punkte für ein Buch reichen, das grundsätzlich locker das Zeug zum absoluten Klassiker hätte. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung, zu hoffen wäre es.

Gesamteindruck: 6/7


(Beinahe) ein Meisterwerk.

Wolfgang Jeschke ist eigentlich eher als Herausgeber von Science-Fiction-Werken bekannt. Mit „Der letzte Tag der Schöpfung“ ist ihm aber auch als Autor ein Buch gelungen, das beinahe auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Großteils muss man also dem Lob von Frank Schätzing (von dem das Vorwort der von mir gelesenen Ausgabe stammt) Recht geben, auch wenn es naturgemäß ein wenig dick aufgetragen scheint.

Die zugrunde liegende Geschichte entspricht weitgehend den im Klappentext geschürten Erwartungen, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Auch den Einstieg und die Vorstellung der wichtigsten Charaktere empfinde ich als sehr gelungen. Vor allem der Hauptprotagonist wird gut beschrieben und lässt eine schnelle Identifikation zu. Die Thematik ist zwar nicht ganz neu (Veränderung der Gegenwart durch entsprechende Maßnahmen in der Vergangenheit), wird aber sehr gut, zum Teil wirklich skurril und ein wenig übertrieben verpackt. Hier spart Jeschke nicht mit Gesellschafts- und Systemkritik, namentlich Peak Oil-Thematik und Kalter Krieg, was natürlich auch sehr aktuellen Bezug hat. Die technischen Gegebenheiten, die in der Science Fiction oft an der Grenze zur Lächerlichkeit vorbeischrammen, werden so beschrieben, dass man das wichtige Gefühl der Plausibilität bekommt. Großteils wird auf detaillierte physikalische Vorgänge aber verzichtet, was sicher kein Fehler ist. Ebenfalls sehr spannend sind die Beschreibungen der urzeitlichen Welt und der Versuche, sich dort zu etablieren. Dabei bekommt man auch ein ganz gutes Gefühl für die gigantischen Zeiträume, die in der geologischen Entwicklung doch nur ein Wimpernschlag sind. Vor diesem Hintergrund ist es dem Autor übrigens exzellent gelungen, die zunehmenden Zustände von Vereinsamung, Entwurzelung und Verzweiflung der Zeitreisenden darzustellen.

Bis hierhin ist alles im grünen Bereich und vorbehaltlos empfehlenswert. Ein echter Page-Turner, woran sich auch bis zum Schluss nichts ändert. Doch gerade in diesem Schluss liegt die ganze Problematik des Romans. Leider schafft es Jeschke nicht, sein bis dahin makelloses Werk wirklich vernünftig zu Ende zu führen. Vor allem rächt es sich, dass der Autor selbst einige Andeutungen macht, die leider nicht weitergeführt werden (zum Beispiel die Spuren einer viel früheren Zeitreise weit im Norden). Hier wurde unglaublich viel Potential verschenkt. Das fällt natürlich vor allem deshalb so stark auf, weil die Einleitung für einen Gesamtumfang von über 300 Seiten sehr detailliert und lang ausgefallen ist. Vor diesem Hintergrund mutet das Finale eher sparsam und unfertig an. Schade, die verschiedenen offenen Handlungsfäden hätten Stoff für viele weitere Seiten geboten. Was mir übrigens – als Randnotiz – auch nicht gefällt: das von Jeschke selbst geschriebene Nachwort klingt für mich nach Selbstbeweihräucherung und auch ein wenig arrogant – das hätte er sich besser verkneifen sollen, spielt aber für den Roman selbst ohnehin keine Rolle.

Weniger kritisch sehe ich hingegen Problem der in sich fehlenden Logik. Hier erliegt der Autor dem gleichen Paradoxon wie praktisch alle anderen Schriftsteller, die sich dem Thema der Zeitreise widmen: Kann die Mission überhaupt durchgeführt werden, wenn sie erfolgreich war und die Gegenwart dadurch geändert wurde? Diese Frage stellt sich natürlich zwangsläufig, kann aber nicht richtig beantwortet werden. Zumindest regt der gesamte Komplex sehr stark zum Nachdenken an und ist damit durchaus als positiv zu bewerten.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Wolfgang Jeschke
Originaltitel: Der letzte Tag der Schöpfung
Erstveröffentlichung: 1981
Umfang: 320 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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