BuchWelt: Eaters of the Dead

Michael Crichton


Generell wirkt das Buch auf mich im Vergleich zu späteren Crichton-Werken noch nicht ganz ausgereift. Vor allem die Charaktere hätten meiner Ansicht nach schon etwas ausgearbeitet sein können. Die Idee, den „Bericht“ des Ibn Fadlan mit fiktiven Quellenangaben zu hinterlegen ist hingegen gut, meiner Ansicht nach hätte das Abenteuer aber ruhig ein paar Seiten mehr haben können. Ansonsten gibt es wenige Haare in der Suppe zu finden, wenn man von mancher allzu ausufernden Landschaftsbeschreibung absieht.

Gesamteindruck: 6/7


Der Araber und die Nordmänner.

Der im November 2008 verstorbene Autor Michael Crichton schafft es in seinen Fiktionen wie kaum ein anderer, den Anschein eines real-wissenschaftlichen Hintergrundes zu erwecken. Auch im 1976 erschienen Buch „Eaters of the Dead“ (auch bekannt als „The 13th Warrior“ bzw. auf Deutsch als „Die ihre Toten essen“ und „Schwarze Nebel“ bzw. als Film unter „Der 13te Krieger“) gelingt dem Schriftsteller dieses Kunststück. Nachdem die Handlung des Buches im Jahr 922 n. Chr. angesiedelt ist, spielen hier allerdings nicht Naturwissenschaften, Medizin oder Genetik die Hauptrolle, sondern die Geschichtswissenschaft.

Crichton übernimmt für seinen Roman Teile eines tatsächlich existierenden Berichts des Arabers Ahmad Ibn Fadlan, der zu jener Zeit im Auftrag des Kalifen von Bagdad zu den Wolgabulgaren reiste und seine Erlebnisse schriftlich festhielt. Dabei wurde er unter anderem Augenzeuge einer Bestattungszeremonie einer Gruppe von Wikingern, denen seine Karawane begegnete. Diesen Bericht (den man hier einsehen kann) – oder zumindest Teile davon – hat Michael Crichton als Inspiration und Grundlage für „Eaters Of The Dead“ genommen. Angereichert wird die reale Geschichte von Ibn Fadlan durch eine weitere Quelle: Das Beowulf-Epos, geschrieben um 700 n. Chr., steht in sehr freier Interpretation Pate für den in Skandinavien spielenden, von Crichton ebenfalls im Stil Ibn Fadlans geschriebenen Teil der Handlung (übrigens ist der echte Ibn Fadlan nie nach Skandinavien gekommen, zumindest ist nichts davon bekannt).

All das liest sich erstaunlich flüssig und schnell. Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, das Buch mit der (sehr gelungenen!) Verfilmung von John McTiernan (1999) zu vergleichen. Michael Crichton legt im Roman großen Wert darauf, Sprache und Stil des arabischen Reisenden möglichst authentisch zu übernehmen. Das bedeutet, dass der US-amerikanische Schriftsteller beispielsweise auf genaue Personenbeschreibungen verzichtet. Das betrifft nicht nur Äußerlichkeiten (viel mehr, als das die Nordmänner „riesig“ und „hellhäutig“ sind, erfährt man nicht), sondern auch Charaktereigenschaften. Bis auf den Übersetzer „Herger“, wird praktisch auf keine Figur näher eingegangen. Sogar die Namen der 13 Krieger werden – mit wenigen Ausnahmen – nur ein einziges Mal genannt. Der Leser findet sich also völlig in der Position von Ibn Fadlan wieder, der in eine ihm gänzlich unbekannte Kultur gestoßen wird. Dementsprechend dürftig sind die Informationen, die der Araber – und damit auch der Leser – hat.

Glücklicherweise lässt Crichton seinen Helden sehr neugierig auftreten – und so erfährt man nach und nach vieles über das Wesen und die Gebräuche der alten Wikinger. Die Atmosphäre ist, ähnlich wie im Film, sehr düster und man spürt direkt, wie der wilde Norden Europas auf einen gebildeten Mann aus Bagdad gewirkt haben muss. Interessant ist auch, wie sich der unfreiwillige Krieger aus dem Orient schließlich mehr und mehr mit seinen Kampfgefährten und deren Gewohnheiten identifiziert und wie er langsam aber sicher von den Nordmännern akzeptiert wird. Der Kampf gegen den „wendol“, zentrales Thema des Films, ist natürlich auch im Buch wichtig – kommt im Vergleich zu den ausführlichen Reisebeschreibungen beinahe etwas zu kurz.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Michael Crichton
Originaltitel: Eaters of the Dead
Erstveröffentlichung: 1976
Umfang: 304 Seiten
Gelesene Sprache: Englisch
Gelesene Version: Taschenbuch


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