SpielWelt: Alien: Isolation

Viel gibt es nicht, was meiner Ansicht nach an diesem Spiel auszusetzen ist. Sound, Grafik, Atmosphäre stimmen. Zu großen Teilen löst „Alien: Isolation“ vor allem eines beim Spieler aus: Nackten, puren Terror. Und das mit relativ einfachen Mitteln – ganz wie das filmische Vorbild. Ein paar kleinere Mängel gibt es natürlich (vorwiegend betrifft das die Bedienung), aber grundsätzlich finde ich nichts, was eine niedrigere Wertung rechtfertigen würde. Wer Lust auf Weltraum-Horror abseits der plakativen Gewalt von „Dead Space“ hat, sollte hier auf jeden Fall zugreifen. Für alle, die Action brauchen, ist „Alien: Isolation“ hingegen so gut wie gar nicht geeignet – um die hohe Punktezahl zu verstehen, muss man es tatsächlich schaffen, sich richtig auf das Geschehen einzulassen. Nur so entfaltet das Spiel seine volle Wirkung.

Gesamteindruck: 6/7


Wie die Mutter so die Tochter.

Ellen Ripley, Heldin aus den Alien-Filmen, hat eine Tochter namens Amanda. Dieses Faktum war mir persönlich nicht bekannt, bevor ich erstmals das Spiel „Alien: Isolation“ gestartet habe. Tja, wieder was gelernt, noch dazu etwas Wichtiges, spielt man doch in diesem Survival Horror-/Stealth-Game eben diese Amanda Ripley. All das wird im hervorragend gestalteten Intro erklärt, in dem sich Kenner der Alien-Materie sofort heimisch fühlen werden.

Und da sind wir auch schon beim Thema: Nicht nur das Intro könnte 1:1 aus einem der Filme stammen – auch das Spielgeschehen selbst versetzt einen sofort in das von Ridley Scott geschaffene Universum. Man kann es gar nicht genug hervorheben: Selten ist die Umsetzung eines Film-Franchise auf die Welt der Computerspiele so liebevoll und detailgetreu gelungen. Das betrifft zunächst einmal den Sound: Den Programmierern ist es gelungen, die Original-Sprecher aus dem ursprünglichen Alien-Film zu gewinnen. Das kommt speziell in der englischen Version zur Geltung, in der Synchronisation ist zumindest die Sprecherin von Sigourney Weaver (alias „Ellen Ripley“) wieder mit dabei. Aber auch Musik und Geräuschkulisse tragen sehr stark zum typischen Alien-Feeling bei.

Der zweite Punkt, der besticht, ist die Optik. Die Grafik ist meines Erachtens sehr gut. So ganz bin ich da nicht up-to-date, aber für meinen Geschmack sieht das Spiel wirklich fantastisch aus. Lediglich das Alien selbst gefällt mir nicht ganz so gut – aber das war schon beim Film so, zumindest wenn man es in seiner ganzen Pracht sehen konnte. Von daher entspricht es auch im Spiel genau der Vorlage. Abgesehen davon sind es aber besonders die optischen Details, die so richtig Lust machen, sich die Filme mal wieder anzusehen – und natürlich auch: zu spielen. Als Beispiele seien die weiß gepolsterten Korridore genannt, die vollkommen veraltet wirkenden Monochrom-Bildschirme, der unvermeidliche Bewegungsmelder oder auch das weiße „Blut“ der Androiden. Solche Details könnte man Hunderte nennen – es reicht aber zu sagen, dass hier echte Könner und Kenner am Werk waren.

All das sind letztlich aber Äußerlichkeiten. Es zählt, was das Spiel „kann“. Und auch das ist meiner Ansicht nach eine ganze Menge. Zunächst muss man sich jedoch von der Vorstellung verabschieden, hier durch offensives Spiel auch nur irgendetwas zu erreichen. Gut, man kann den einen oder anderen menschlichen Gegner und auch die Androiden ausschalten – bestenfalls allerdings mit einem Angriff von hinten, also möglichst risikolos. Beim Alien geht das nicht. Das Monster ist unsterblich, eine Attacke ist also sinnlos, lediglich etwas verlangsamt kann die Bestie dadurch werden. Umgekehrt tötet das Alien den Spieler bei Blickkontakt so gut wie immer sofort. Mit Glück überlebt man die Attacke oder kann in letzter Sekunde bspw. einen Molotov-Cocktail (der einen oft genug auch selbst erledigt) in Richtung Feind werfen. Meist misslingt das aber. Dadurch ist man gezwungen, zu schleichen, sich zu verstecken und allerlei Dinge zu basteln, die das Alien ablenken. Als Spieler tut man auch gut daran, die Umgebung genau zu beobachten bzw. – noch wichtiger – der Geräuschkulisse zu lauschen. So bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wo das Alien gerade ist, was aber diverse plötzliche Schockmomente nicht verhindert, in denen man entweder stirbt oder sich panisch in einem Kasten versteckt, aus dem man sich buchstäblich minutenlang nicht mehr raustraut. Man sieht es daran schon: Das Spiel kann – wenn man sich darauf einlässt – der pure Terror sein.

Neben der ständigen Gefahr durch das Alien ist es vor allem die Klaustrophobie in der zwar großen, aber auch sehr engen Station, die den Spieler zum Wahnsinn treibt. Tatsächlich gibt es Phasen, in denen man es kaum aushält – plötzlich austretende Dampfwolken sorgen beinahe für einen Herzinfarkt, dauernd knarzt und knirscht es im Gebälk usw. Erinnert ein wenig an „Dead Space“ (auch die immer wieder auftauchenden Logbucheinträge, die nach und nach das Schicksal der Station enthüllen), ohne jedoch dermaßen plakativ auf Gewalt zu setzen.

Die Hintergrundstory von „Alien: Isolation“ ist nun nicht wahnsinnig spannend – das hat sie durchaus mit dem Film gemeinsam. Sie ist eigentlich nur ein grobes Rahmenprogramm mit dessen Hilfe der Spieler eben durch die Station „Sevastopol“ geführt wird. Und „geführt“ ist der richtige Ausdruck – viel Handlungsfreiheit gibt es nicht. Leider. Ich gehe zwar davon aus, dass der Grusel nur so in dieser Dichte möglich war – aber das könnte man durchaus als negativ werten, wobei es ähnlich gelagerte Spiele wie „Dead Space“ oder „System Shock“ auch nicht anders machen. Ein weiterer Punkt, der nicht optimal gelöst ist, ist die Steuerung. Umständlich, wie man sich im Menü Gegenstände zusammenbauen und die dann ausrüsten muss – das wäre sicher einfacher gegangen. Tutorials oder Ähnliches gibt es übrigens nicht – man muss schon selbst herausfinden, wie beispielsweise Konsolen zu knacken sind.

Zwei andere Dinge, die oft als negativ empfunden werden, möchte ich noch ansprechen: Erstens gibt es kein freies Speichern, was ich auch bei anderen Spielen als durchaus nervig empfinde. So auch hier – meist sind die Speichermöglichkeiten zwar durchaus gut verteilt, allerdings gibt es gelegentlich Sequenzen, die man oft wiederholen muss. Sehr ärgerlich und eigentlich gar nicht zwingend notwendig – das Alien bewegt sich ja vollkommen zufällig durch die Station, ist kaum vorherzuberechnen. Daran hätte auch freies Speichern nicht viel geändert – aber sei’s drum, das trägt zusätzlich zum Horror bei. Zweitens muss man sich schon auf das eher bedächtige Spielprinzip einlassen, damit sich der schiere Terror, den das Spiel auslösen soll, nicht in Frust verwandelt. Wer nicht gern langsam durch dunkle Korridore tappt (Rennen ist möglich, lockt aber Feinde an), wird mit „Alien: Isolation“ nicht viel Freude haben. Mich persönlich hat das zu keiner Sekunde gestört – daher kann es nur eine sehr hohe Wertung für dieses einzigartige Spiel geben.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Survival Horror/Stealth
Entwickler: The Creative Assembly / Sega
Jahr: 2014
Gespielt auf: PC


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3 Gedanken zu “SpielWelt: Alien: Isolation

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