BuchWelt: Der Club der toten Dichter

N. H. Kleinbaum

Was häufig herauskommt, wenn Filme nach exzellenten Buchvorlagen gedreht werden, weiß man. „Der Club der toten Dichter“ ist einer der wesentlich selteneren umgekehrten Fälle – den Film gab es zuerst, das Buch erschien danach. Das ändert aber nichts daran, dass das Original, also der hervorragende Film mit Robin Williams, die Nachveröffentlichung, also das Buch von N. H. Kleinbaum, bei weitem übertrifft.

Gesamteindruck: 2/7


Enttäuscht auf ganzer Linie.

Zunächst ist anzumerken, dass „Der Club der toten Dichter“ weit davon entfernt ist, wirklich schlecht zu sein. Es liest sich sogar sehr angenehm und ist – nicht nur durch die niedrige Seitenzahl – auch für ungeübte Leser keine Herausforderung. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, teilweise sogar zu einfach, was dem filmischen Vorbild so gar nicht entspricht. Worüber man noch hinwegsehen könnte, wenn es nicht ein paar grobe Defizite gäbe.

Nancy H. Kleinbaum scheint sich beim Schreiben des Buches darauf verlassen zu haben, dass die Leser den Film kennen – anders ist es nicht zu erklären, dass auf jegliche Beschreibung der Charaktere verzichtet wird. Das beginnt beim Aussehen der Personen, das höchstens kurz angerissen wird und endet bei den  Charaktereigenschaften, die die Figuren unverwechselbar machen. Im Endeffekt fehlt damit jeglicher Tiefgang, die Personen wirken wie flache Abziehbilder der Filmvorlage. Die Autorin schafft es nicht einmal beim Lehrer, also dem charakterstärksten Element, so etwas wie tiefergehende Sympathie durch den Leser auszulösen. Dass auch nähere Beschreibungen der Schule und der Umgebung fehlen, ist dagegen schon fast verschmerzbar, kommt aber natürlich ebenfalls erschwerend hinzu.

Warum gibt es trotz dieser Kritikpunkte zwei Punkte von mir? Nun, die Geschichte selbst ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Es kommt stellenweise auch im Buch durchaus Spannung auf und gelegentlich fühlt man sogar ein wenig mit den Figuren mit. Wichtig wäre es aber gerade bei diesem Stoff gewesen, dieses Gefühl dauerhaft beim Leser zu erzeugen. Die Personen tragen dramatische Gedichte vor – in solchen Situationen muss einfach auch die Lektüre Emotionen auslösen, genau wie es der Film schafft. Tut sie aber leider nur in ungenügendem Ausmaß, von daher gibt es leider keinen Grund für eine bessere Bewertung.

Gesamteindruck: 2/7


Autorin: N. H. Kleinbaum
Originaltitel: Dead Poets Society
Erstveröffentlichung: 1989
Umfang: 160 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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2 Gedanken zu “BuchWelt: Der Club der toten Dichter

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