BuchWelt: Starship Troopers

Robert A. Heinlein


„Starship Troopers“ ist kein „Buch zum Film“. Eigentlich ist der Film mit seiner Überspitzung faschistoider Elemente, die aus dem Roman stammen (dort aber nicht überspitzt sondern „normal“ sind) eine Antithese zu diesem Buch. Unabhängig davon ist der Roman für jeden aufgeklärten Leser, der auch mit anspruchsvoller, stellenweise sehr philosophischer Literatur kein Problem hat ausgesprochen lesenswert. Eine noch höhere Wertung wird lediglich durch einige Längen verhindert, die durch die kaum vorhandene, tatsächliche Handlung entstehen. An manchen Stellen hätte etwas Auflockerung sicherlich gut getan.

Gesamteindruck: 6/7


Stimmt nachdenklich und polarisiert.

Wieso „Starship Troopers“ ein umstrittenes Werk ist, wird auch dem unvoreingenommenen Leser schnell klar werden. Das Buch polarisiert – und zwar aus verschiedenen Gründen. Am meisten dürften diejenigen enttäuscht sein, die zuerst den Film gesehen haben und dann mit falschen Erwartungen an das Buch herangehen (genauso im umgekehrten Fall). Der Film ist praktisch ein reines Action-Feuerwerk ohne nennenswerte Story und ohne Tiefgang und weiß gerade deshalb zu gefallen. Im Gegensatz dazu hat das Buch mehr Tiefe, als so manchem lieb ist. Es finden lange Mono- und Dialoge zum Schulfach „Geschichte und Moralphilosophie“ statt, es wird eine Welt beschrieben, die zum Teil stark an die Erde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert. Das herrschende, autoritäre System wird unkommentiert und ohne Widerstand zur Kenntnis genommen, Gewalt und Krieg als einzige Lösung propagiert und die Jugend durch Lehrer zum Militärdienst angestiftet. Weiters werden autoritäre Erziehungsmethoden, öffentliche Bestrafungen und Hinrichtungen und blinder Gehorsam als selbstverständlich hingenommen. Garniert ist das Ganze mit detaillierten Beschreibungen militärischer Ausbildungsmethoden und Taktiken.

Dass dieses System im Buch perfekt funktioniert und als das Non-Plus-Ultra hingestellt wird, ist natürlich ein Ansatzpunkt für Kritik, die wohl vor allem im Erscheinungsjahr des Werkes (1959, deutsche Erstausgabe erst 1979) durchaus verständlich war. Heute ist auch eine andere Lesart möglich: ich sehe das Ganze als eine düstere und beängstigende Dystopie, als eine Art Warnung vor solchen Zuständen. Der Grund dafür ist, dass ich keinen Hinweis darauf sehe, dass Heinlein etwas anderes wollte, als eine mögliche zukünftige bzw. gescheiterte, vergangene Gesellschaftsform zu beschreiben. Natürlich hinterlässt dieser Versuch ein mulmiges Gefühl, aber ich denke, dass das die Absicht des Autors war. Nebenbei bemerkt ist dieses Buch bei weitem nicht das einzige, das in diese Kerbe schlägt. Man kann zum Beispiel durchaus Vergleiche mit „Der Wüstenplanet“ ziehen, das zwar als inhaltlich umstritten, aber moralisch einwandfrei angesehen wird.

Erschwerend für Science-Fiction-Fans kommt hinzu, dass Heinlein bis auf einige unerhebliche Ausnahmen völlig auf futuristische Elemente verzichtet. Technische Beschreibungen und Erklärungen findet man selten – der Roman ist eher ein rein philosophisches Werk. Dass diese Einschränkung, in Verbindung mit den fragwürdigen moralischen Ansichten der fiktiven Welt einigen Lesern nicht gefallen wird, liegt auf der Hand. Ich persönlich fühlte mich weder vom einen noch vom anderen gestört – technische Science Fiction gibt es zur Genüge und der Rest regt schon sehr stark zum Nachdenken an.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Robert A. Heinlein
Originaltitel: Starship Troopers
Erstveröffentlichung: 1959
Umfang: 160 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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