FilmWelt: Hinterholz 8

„Hinterholz 8“ ist ein Klassiker, der sich in eine ganze Serie von österreichischen Filmen in ähnlicher Besetzung einreiht. Wer wissen möchte, wie man den Traum vom Eigenheim nicht verwirklicht, muss hier einfach reinschauen. Es steht allerdings zu befürchten, dass gerade viele von denen, die es betrifft, nichts aus den Fehlern von „Herbert Krcal“ lernen. Unabhängig davon ist dieser Film ein tragisch-komisches Vergnügen an dem man so gut wie nichts bemängeln kann. Für die Höchstnote reicht es nur deshalb nicht, weil „Hinterholz 8“ seiner Kabarett-Vorlage nicht ganz gerecht wird. Sehenswert ist der Film aber allemal.

Gesamteindruck: 6/7


Düringers Traum vom Eigenheim.

„Lustig“ im eigentlichen Sinn des Wortes ist es nicht, was uns die Herren Harald Sicheritz (Drehbuch und Regie) und Roland Düringer (Hauptrolle und Drehbuch) mit „Hinterholz 8“ vorsetzen. Vielmehr ist es so, dass über eine österreichische Familie eine Katastrophe hereinbricht, die prinzipiell weder komisch noch unrealistisch ist. Gerade in Zeiten der Finanzkrise sollten sich potentielle Häuslebauer den Film eine Warnung sein lassen. Ganz nebenbei wird – wie von ähnlichen Produktionen gewohnt – eine tiefsinnige Studie der österreichischen Seele geboten. Dabei bekommen Eigenheimbesitzer, die Baubranche, das „idyllische“ Landleben im Allgemeinen und die kleinbürgerliche Familie ihr Fett weg.

Genau aus diesem Grund – und natürlich durch das gute Spiel der Hauptdarsteller – ist der Film trotz des grundsätzlich ernsten Themas zum Brüllen komisch. Wer in Düringers völlig überzeichneter Darstellung von Vorfreude, Ernüchterung, Verzweiflung und Wut das komische Moment übersieht, geht wahrscheinlich auch sonst zum Lachen in den Keller. Dabei gelingt es ihm, seinem „Herbert Krcal“ trotz dessen völlig unrealistischen Erwartungen, trotz seiner Naivität und seiner Wutausbrüche einen Anstrich zu verleihen, der den Zuschauer gegen Ende vor allem Mitleid empfinden lässt. Gerade das ist es, was diesen Film auch auszeichnet: eine Handlung, die trotz aller Zuspitzung noch realistisch genug ist, dass sie jeden betroffen macht. Es gibt immerhin genug Leute, die im Prinzip schuldlos in eine ähnliche Katastrophe schlittern.

Insgesamt ist hier alles im grünen Bereich; dennoch haben sich ein paar kleine Ärgernisse eingeschlichen, die den Film zum einen nicht ganz so gut wie beispielsweise „Freispiel“ (1995) oder „Muttertag – Die härtere Komödie“ (1992), zum anderen nicht ganz so überzeugend wie das unter „Hinterholzacht“ bekannt gewordene Kabarett (ebenfalls von Roland Düringer) erscheinen lassen. Erstens erscheint in der filmischen Version der Aufhänger um die Immobilienspekulationen und das dunkle Geheimnis, das sich unter dem Haus befindet etwas zu aufgesetzt und vor allem oberflächlich. Darauf zu verzichten wäre dem Ganzen sicher nicht abträglich gewesen, da für die eigentliche Handlung kaum bis gar keine Relevanz besteht. Als zweiten Schwachpunkt kann man das Ende anführen, dass in dieser Form einfach lächerlich wirkt. Der Grund dafür, dass es so gemacht mögen die Zugeständnisse an das Medium Kino sein, die Düringer und Sicheritz sicherlich machen mussten. Für mich wirkt ein dieses zwar absurde, aber dennoch „Happy“ End trotz des im Endeffekt humorvollen Filmes völlig fehl am Platz. Ein radikalerer Schluss wäre angebracht gewesen.

Mehr Negatives gibt es meiner Meinung nach aber nicht zu bemängeln, allerdings wiegt für mich vor allem das Ende so schwer, dass ich einen Punkt abziehen muss. Wenn man das etwas anders gelöst hätte, hätte es locker die volle Punktzahl gegeben. Empfehlenswert ist der Film aber allemal.hinterholz8

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Hinterholz 8
Regie: Harald Sicheritz
Jahr: 1998
Land: Österreich
Laufzeit: 105 Minuten
Besetzung (Auswahl): Roland Düringer, Nina Proll, Wolfgang Böck, Reinhard Nowak, Alfred Dorfer, Lukas Resetarits


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2 Gedanken zu “FilmWelt: Hinterholz 8

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