MusikWelt: Dio

Jorn


Als dieses Tribute-Album 2010 erschien, war ich – kurz nach dem Tod von Ronnie James Dio – zwiegespalten – dabei bleibe ich weiterhin. Zusammenfassend wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, mit der Veröffentlichung von „Dio“ ein wenig länger zu warten und es vorerst beim „Song For Ronnie James“ zu belassen. Für dieses Stück und die amtliche technische Leistung gibt es dann auch aus heutiger Sicht die drei Punkte, alles andere höre ich mir dann doch lieber vom Meister persönlich an.

Gesamteindruck: 3/7


Technisch einwandfrei, letztlich aber großteils überflüssig.

Es steht außer Frage, dass der norwegische Sänger Jørn Lande ein Guter seiner Zunft ist. Davon zeugt auch sein Engagement in zahlreichen Bands (u. a. Avantasia, Masterplan, Ark, Ayreon, gemeinsam mit Russell Allen als Allen/Lande). Im Erscheinungsjahr von „Dio“ (2010, eingespielt von seiner eigenen Band Jorn) hat das allerdings bei Teilen des Publikums zu einer gewissen Übersättigung geführt. Ebenfalls bekannt ist, dass der im Mai 2010 verstorbene Ronnie James Dio das größte musikalische und künstlerische Vorbild des Norwegers war. Das war Landes Gesangsstimme schon immer sehr deutlich anzumerken… Insofern ist es durchaus legitim, wenn der Norweger ein Album herausbringt, das dem viel zu früh verstorbenen Meister Tribut zollen soll.

Es gibt demnach an „Dio“ zahlreiche positive Aspekte hervorzuheben. Technisch ist alles im grünen Bereich, die Produktion ist extrem druckvoll und sauber und die Band beherrscht ihr Handwerk erstklassig. Auch die Songauswahl geht in Ordnung, entspricht aber nicht den gängigen Best-Of-Erwartungen. Hier scheint Lande eher Songs aus der Dio-Diskografie genommen zu haben, die ihm persönlich wichtig sind. Klassiker wie „Holy Diver“ oder „Rainbow In The Dark“ sucht man vergeblich, auch Black-Sabbath-Standards wie „Heaven And Hell“ oder „Neon Knights“ fehlen. Das spielt allerdings keine große Rolle, da diese Tracks sowieso bereits mehr als einmal gecovert wurden und man so endlich einmal unbekannteres Material zu hören bekommt (abgesehen vielleicht von „Stand Up And Shout“ und „Don’t Talk To Strangers“ und. Zuguterletzt enthält die Scheibe mit dem Opener „Song For Ronnie James“ eine Huldigung an einen der wichtigsten und besten Sänger aller Zeiten; wobei man sagen muss, dass der Song damals vor allem aufgrund der zeitlichen Nähe zu Dios Ableben sehr emotionalisiert hat – aus der zeitlichen Distanz gesehen ist das Stück eher mau, aber immerhin eine schöne Geste. Zu diesem Lied ist übrigens auch ein recht schnörkelloser Videoclip gedreht worden, der mir sehr gut gefällt.

Trotz all dieser positiven Aspekte habe ich allerdings gewisse Probleme mit dem Album. Eigenen Angaben zufolge waren die Songs schon vor dem Ableben von Ronnie James Dio im Kasten – wieso die Veröffentlichung dann ausgerechnet wenige Wochen nach diesem traurigen Ereignis stattfand, ist schwer nachvollziehbar und wurde oft kritisiert. Riecht ja immer ein bisschen nach kommerziellen Aspekten, wenn so etwas passiert. Das könnte nur gutgeheißen werden, wenn die Einnahmen einem guten Zweck (Dio hatte ja beispielsweise eine Krebsstiftung ins Leben gerufen) zugutegekommen wären. Davon war leider weder bei Veröffentlichung noch in den Wochen danach etwas zu hören – hierzu mag sich jeder selbst seinen Teil denken, sehr glücklich sieht das ganze jedenfalls nicht aus.

Aus rein künstlerischer Sicht stellt sich natürlich – wie bei jedem Cover-Album – die Frage nach dem Sinn und Wert einer solchen Compilation. In diesem Fall liegt das vor allem daran, dass Jorn den Songs bis auf teilweise erhöhtes Tempo und einige Kleinigkeiten keinen eigenen Stempel aufdrücken sondern so nahe wie möglich am Original bleiben. Das führt so weit, dass man bei einigen Stücken kaum einen Unterschied zu den alten Aufnahmen bemerkt – mit einer Ausnahme: So talentiert der Sänger auch sein mag, er strengt sich einfach viel zu sehr an, ganz genauso wie sein Vorbild zu klingen. Dafür fehlt ihm dann aber doch ein Quäntchen und damit fragt man sich automatisch nach der Existenzberechtigung dieser Platte. Zwölf Songs, die man beinahe genauso kennt und denen lediglich die letzte Magie des Altmeisters fehlt? Meiner Ansicht nach überflüssig.


Track – Titel – Länge – WertungJorn_Dio
[Eine Wertung der Cover-Songs ist hier nicht sinnvoll, wohl aber der Gesamteindruck]

  1. Song For Ronnie James – 8:07 – 5/7
  2. Invisible – 5:23 – *
  3. Shame On The Night – 5:21 – *
  4. Push – 3:59 – *
  5. Stand Up And Shout – 3:22 – *
  6. Don’t Talk To Strangers – 4:55 – *
  7. Lord Of The Last Day – 4:50 – *
  8. Night People – 4:24 – *
  9. Sunset Superman – 4:55 – *
  10. Lonely Is The Word / Letters From Earth – 5:27 – *
  11. Kill The King – 4:03 – *
  12. Straight Through The Heart (Live) – 5:06 – *

Gesamteindruck: 3/7 


Jorn auf “Dio” (2010):

  • Jørn Lande – Vocals
  • Tor Erik Myhre – Guitar
  • Igor Gianola – Guitar
  • Tore Moren – Guitar
  • Nic Angileri – Bass
  • Willy Bendiksen – Drums, Percussion
  • Tommy Hansen [Guest] – Keyboards

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