FilmWelt: Pearl Harbor

Ein Film, der sich sowohl einer Katastrophe als auch der Liebe widmen will muss einfach polarisieren. Das ist durchaus in Ordnung, aber: weder die eine, noch die andere Geschichte ist auch nur annähernd akzeptabel umgesetzt. Ähnliches galt für „Titanic“ und gilt – in noch schlimmerem Ausmaß – auch für „Pearl Harbor“. Ein eindeutiger Fall für dieWorld of Shame„.

Gesamteindruck: 1/7


Kitschige, einseitige und unkritische Propaganda.

„Pearl Harbor“ sollte – so der Anspruch zum 60. Jahrestages des schicksalsträchtigen Angriffes – ein aufwändiger, historisch korrekter Kriegsfilm sein. Eingebettet in eine dramatische Liebesgeschichte. Nun, so viel sei gesagt: Beides ist vollkommen lächerlich und hat mit Authentizität nichts zu tun. Im Detail betrachtet ist die Story um den japanischen Angriff auf Pearl Harbor sogar die unerträglichere – trotz sehr guter Special Effects. Das liegt vorwiegend am stumpfen Patriotismus, der alles andere überdeckt. Wir haben es hier mit unkritischer, historisch noch dazu völlig unrichtiger US-Propaganda zu tun, die ihresgleichen sucht. Dazu kommt, dass die Schauspieler in diesem Handlungsstrang dermaßen aufgesetzt und klischeehaft agieren, dass es fast schon komisch ist. Vor allem der von mir eigentlich sehr geschätzte Ben Affleck enttäuscht als todesmutiger Pilot auf ganzer Linie – es sei denn man steht auf glorifizierende Heldengeschichten. Als Ausrede ist immer wieder zu lesen, dass der Film nur unterhalten soll – hier passiert das jedoch nicht, zumindest nicht in dem Sinne, wie es wohl vom Regisseur grundsätzlich vorgesehen war. Mag sein, dass sich Teenies (und natürlich ein Großteil der erwachsenen Amerikaner) tatsächlich mit diesem Schwachsinn identifizieren können, in Europa wirkt es bestenfalls lächerlich, schlimmstenfalls höchst bedenklich, vor allem wenn man die Darstellungen der japanischen Gegner betrachtet. Der kriegerische Teil des Filmes ist also nicht nur misslungen, er ist für einen halbwegs reflektierenden Zuschauer eigentlich unzumutbar (natürlich ist das nicht der einzige Film, in dem es so ist, nur am Rande bemerkt).

Zur zweiten Storyline, einer vor Klischees und Klebrigkeit nur so triefenden Liebesgeschichte, braucht im Prinzip nicht viel gesagt zu werden, man kennt sie ja aus anderen Filmen oder Soaps zur Genüge. Hier sollte wohl vor allem die amerikanische Jugend auf die übliche prüde Art begeistert werden, was wohl auch gelungen ist. Das dürfte wohl auch die Hauptintention des Regisseurs gewesen sein, diesen Handlungsstrang überhaupt zu verwenden – das Anlocken von Teenies und die Möglichkeit, seinen Film doch auch irgendwie familiengerecht zu machen. Mehr dürfte nicht dahinterstecken, der fehlende Tiefgang in der Geschichte würde es auch nicht zulassen.

Somit sind auch die unterschiedlichen Bewertungen, die man im Internet (vorwiegend: Amazon) zu diesem Film findet recht schnell erklärt – die jungen Mädels stehen natürlich auf Ben Affleck und Co., ebenso auf schmalzige Liebesschnulzen und können damit nicht anders: Volle Punktezahl, obwohl die viele davon nicht einmal den Namen des Filmes richtig schreiben kann („Harbour“, anyone?). Umgekehrt gibt es unter den Zusehern wohl einige, die einen Film nur wegen der Spezialeffekte positiv zu bewerten scheinen – die Liebesgeschichte dürfte die eher weniger interessieren. Zum Glück – und auch zu meiner Überraschung – gibt es allerdings doch recht viele Leute, die den Film als das entlarven, was er bei allem guten Willen wirklich ist: ein propagandistisches, klebrig-süßes Machwerk übelster Sorte, von einem sich selbst überschätzenden Regisseur auf unerträgliche Länge aufgebläht und frei von jedem Tiefgang.

Gesamteindruck: 1/7


Originaltitel: Pearl Harbor
Regie: Michael Bay
Jahr: 2001
Land: USA
Laufzeit: 176 Minuten
Besetzung (Auswahl): Ben Affleck, Josh Hartnett, Kate Beckinsale, Peter Firth, Cuba Gooding Jr, Alec Baldwin


Filmvorschau


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2 Gedanken zu “FilmWelt: Pearl Harbor

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