FilmWelt: Snow White and the Huntsman

Märchen bieten ja einiges an Stoff, der sich für epische Filmumsetzungen eignet. Und es war im Endeffekt nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das für sich entdeckt (bzw. wieder entdeckt). Auch das bekannte Märchen vom „Schneewittchen“ ist zu Blockbuster-Ehren gekommen und muss sich mit diversen Fantasy-Größen messen lassen. Und zieht dabei gegen die meisten seiner Konkurrenten klar den Kürzeren. Eine Kauf- oder Ansehempfehlung kann es jedenfalls von mir nicht geben.

Gesamteindruck: 2/7


Ausstattung: Top! Drehbuch: Flop!

Um es vorweg zu nehmen: Unbedingt gesehen haben muss man diesen Film nicht, auch wenn es durchaus einige positive Aspekte gibt. So macht der Streifen optisch Einiges her. Sowohl Ausstattung als auch Kostüme, Landschaften und Effekte sind gut bis sehr gut und passen hervorragend zur Märchen-Thematik. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, auch wenn es sich dabei um die übliche, recht epische Fantasy-Kost handelt. In Bezug auf Optik und Akustik ist also alles im grünen Bereich.

Viel mehr uneingeschränkt Positives kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Das liegt vor allem am Drehbuch, das einigermaßen durchwachsen ist. Die Story vom „Schneewittchen“ kennt man natürlich, insofern weiß man ja ungefähr, was einen erwartet. Leider wirkt der Film an vielen Stellen arg gestreckt und teilweise fast erschreckend substanzlos. Hier scheinen sich die Verantwortlichen ein bisschen zu sehr auf die optische Opulenz verlassen zu haben. Aber selbst wenn man davon absieht, kommt nur gelegentlich wirkliche Spannung auf und ab der Halbzeit werden die Längen teilweise zu echter Langeweile. Vor allem die Kämpfe hat man so oder so ähnlich in letzter Zeit schon tausendmal gesehen. Alles in allem läuft der Film nach den gewohnten Fantasy-Mustern ab, was ihn sehr vorhersehbar macht – bekanntes Märchen hin oder her.

Dem schwachen Drehbuch passen sich – zumindest teilweise – auch die schauspielerischen Leistungen an. Der „Huntsman“ (Chris „Thor“ Hemsworth) ist im Prinzip in Ordnung, auch wenn er es mit seiner Darstellung des ruppigen Trunkenboldes ein wenig übertreibt. Auch Charlize Theron als böse Stiefmutter spielt ganz gut. Neben diesen beiden gehen die übrigen Rollen ein wenig unter – was aber nichts gegen Kristen Stewart als „Snow White“ ist. Die junge Dame schafft es absolut nicht, ihre Figur auch nur einigermaßen sympathisch rüberkommen zu lassen – oder hat das mit der Synchronisation zu tun? Wie auch immer, begeisterndes Spiel sieht für mich anders aus. Sehr gut sind übrigens die Zwerge gelungen – lustig und ruppig, das gefällt, auch wenn man sich fragt, warum es unbedingt acht statt sieben Zwerge sein mussten.

Zu den geschilderten – aus meiner Sicht recht großen – Problemen gesellen sich noch kleinere Ungereimtheiten. Beispielsweise fragt man sich schon, warum „Snow White“ ausgerechnet das „Vaterunser“ betet. Christentum im Fantasy-Land? Völlig unverständlich… Und was zum …ähem… Teufel haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht, weder „Snow White“ noch „Huntsman“ zu übersetzen? Nicht nur im Titel, sondern auch im Film? Das stört mich – der wahrlich nicht zu übertriebener Deutschtümelei neigt – ungemein. Charlize Theron spielt ja auch nicht die „Stepmother“ sondern die Stiefmutter, der König ist der „König“ und nicht der „King“. Nur die beiden Hauptpersonen wurden Englisch belassen – der Sinn entzieht sich mir völlig. Was vielleicht noch einigen Filmfreaks auffallen wird: Es gibt eine stattliche Anzahl an Szenen, bei denen man sich nicht gerade unauffällig bei anderen Streifen bedient hat. Um nicht zu sagen: Dreist geklaut. Beispielsweise flüchtet Snow White auf einem weißen Gaul vor diversen schwarz gekleideten Häschern auf schwarzen Pferden – die ganze Umsetzung inklusive Kameraarbeit erinnert frappierend an eine ähnliche Szene aus „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“. Oder der „Spiegel“, der sich zunächst verflüssigt und danach menschenähnliche Form annimmt: „Terminator 2“ lässt grüßen. Das Auftauchen der Schwiegermutter aus einem Milchbad (?) lässt spontan an „Die Königin der Verdammten“ denken… Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, man merkt aber schon, worauf ich hinaus will. Prinzipiell gilt ja oft „besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht“, aber hier haben es die Filmemacher doch ein wenig übertrieben.

Mehr als zwei Punkte sind damit meiner Ansicht nach nicht drin für „Snow White & The Huntsman“. Schade eigentlich, ich denke die ganze Thematik hätte mit einem besseren Drehbuch wesentlich mehr hergegeben. Gerade im Hinblick auf die mehr als ordentliche Optik des Films.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Snow White and the Huntsman
Regie: Rupert Sanders
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron, Bob Hoskins


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FilmWelt: Vergessene Welt: Jurassic Park 2

Man sollte nicht dem Vorurteil erliegen, dass Fortsetzungen per se etwas Schlechtes sein müssen – es gibt durchaus Ausnahmen. Die „Vergessene Welt“ gehört leider nicht dazu. Nach „Jurassic Park“, einem meiner Meinung nach ein sehr gelungenem Film, scheitert das Sequel nicht nur an den hohen Erwartungen, sondern vor allem an der Umsetzung.

Gesamteindruck: 3/7


Vom alten Glanz ist wenig übrig geblieben.

Zunächst ist es natürlich lobenswert, Jeff Goldblum wieder an Bord zu holen. Allerdings wirkt der, ohne seine „alten“ Kollegen Sam Neill und Laura Dern reichlich verloren und kann somit an der Mittelmäßigkeit des Filmes nichts ändern. Der Rest der Schauspielerriege bleibt dermaßen farblos, dass (ganz im Gegensatz zu Teil 1) überhaupt keine Identifikationsfiguren, weder sympathische, noch unsympathische, geschaffen werden. Wenn man beispielsweise krampfhaft versucht, der eigentlich etablierten Figur des Dr. Malcolm durch eine Tochter und irgendwie angedeutete familiäre Probleme mehr Tiefe zu verleihen, wirkt das doch sehr aufgesetzt.

Das größte Problem am Film ist jedoch die Handlung, die zum Großteil haarsträubend absurd und unlogisch wirkt. Zum Beispiel muss ein Mann während der Expedition durch den Dschungel, von dem man schon längst weiß, wie gefährlich er ist, mal kurz austreten und entfernt sich dabei dermaßen weit von der Gruppe, dass er sich verirrt und außer Rufweite gerät – das wirkt unrealistischer als in jedem Horrorfilm, wo sich eine Gruppe trennt. Eine andere an den Haaren herbeigezogene Szene: der gefährliche T-Rex wird gefangengenommen – wie das passiert, vor allem nachdem vorher alle dem Raubtier völlig hilflos ausgeliefert waren und immer nur flüchten können, wird verschwiegen. Nachdem die Gruppe nahezu komplett dezimiert wurde gelingt dieses Kunststück und man sieht plötzlich den Tyrannosaurus unter einem Käfig am Boden liegen. Es wäre wohl besser gewesen, wenn der Film kurz vor dieser Szene zu Ende gewesen wäre, denn was danach noch mit dem T-Rex passiert, setzt dem ganzen Film leider die (negative) Krone auf, soll an dieser Stelle aber trotzdem nicht verraten werden (kennt eigentlich noch irgendjemand den Film nicht?). Es erinnert jedenfalls irgendwie an King Kong. Leider ist der Film von Anfang bis Ende mit derartigen Stellen durchsetzt, sodass ein weiteres Aufzählen von Beispielen müßig wäre.

Nun bin ich bei weitem nicht der Ansicht, dass in einem solchen Blockbuster immer alles logisch sein muss (war ja auch in Teil 1 nicht so…), aber einen derartig an den Haaren herbeigezogenen, unausgegoren und verkrampft wirkenden Plot habe ich selten gesehen. Wenn dann auch noch die Schauspieler blass bleiben, können auch die exzellenten Special Effects den Streifen nicht mehr retten – lediglich eine noch niedrigere Wertung bleibt ihm dadurch erspart.

Die Romanvorlage lieferte Michael Crichton († 2008) – viel vom Buch ist im Film jedoch nicht enthalten. Auch bei Teil 1 gab es – wie immer bei einer Adaption – einige Änderungen, aber die „Vergessene Welt“ erzählt eigentlich eine völlig andere Geschichte. Nicht, dass es einen großen Unterschied macht, auch das Buch ist im Vergleich zu seinem Vorgänger gründlich misslungen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: The Lost World: Jurassic Park
Regie: Steven Spielberg
Jahr: 1997
Land: USA
Laufzeit: 129 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jeff Goldblum, Julianne Moore, Pete Postlethwaite, Vince Vaughn, Richard Attenbourough


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Fremdwelt: Montagsfrage (8)

Beim Surfen auf diversen Blogs findet man immer wieder interessante Dinge. Mich interessiert es beispielsweise, Fragen zu beantworten – und auch die Antworten Anderer zu lesen. Ein Blog, auf dem eine „Montagsfrage“ gestellt wird, habe ich unlängst entdeckt: „Buchfresserchen“ nennt sich das Ding, dessen Startseite hier zu finden ist. Ich werde versuchen, die Montagsfrage regelmäßig zu beantworten.


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Montagsfrage: Welches Buch liegt aktuell am längsten auf deinem SUB?

Ich fürchte, ich habe gar keinen solchen Stapel. Zumindest nicht in dem Sinn, dass da Bücher irgendwo aufgestapelt werden, die ich unbedingt „als Nächstes“ lesen muss. Wäre auch kein Platz dafür – jedes ungelesene (und auch einzelne gelesene) Buch, dass ich haptisch oder virtuell (jaja, die eBooks…) zu Hause habe, kann das Nächste sein. Es gibt allerdings welche, die tatsächlich schon lange im Regal stehen und wo ich bisher einfach nicht dazu gekommen bin. Einfach weil dauernd was Anderes dazwischen kommt. Meine Antwort:

Die Elenden von Victor Hugo dürfte das Buch sein, dass ich seit der längsten Zeit lesen möchte.

MusikWelt: Sons Of Northern Darkness

Immortal


Mit „Sons Of Northern Darkness“ ist Immortal ein Meisterstück gelungen, das die wahrlich nicht schwachen Vorgänger nochmals übertrifft. Eine laufende Verbesserung im Songwriting konnte man den finsteren Norwegern ja schon immer attestieren, was sie aber hier abgeliefert haben, sucht wirklich seinesgleichen. Die Truppe vereint auf dieser Platte all ihre Stärken; neben der ursprünglichen Raserei der Anfangstage ist es vor allem die Mischung aus dem majestätisch-erhabenen „At The Heart Of Winter“ und dem eher geradlinigen „Damned In Black“, die heraussticht.

Gesamteindruck: 7/7


Referenzwerk.

Die Musikrichtung ist auf „Sons Of Northern Darkness“ (2002) natürlich immer noch Black Metal, auch wenn in den Jahren davor eine stetige Annäherung an den traditionellen Heavy Metal stattgefunden hatte, dessen Höhepunkt Immortal mit „Damned In Black“ (2000) erreichten. In diesem ihren ureigenen Bereich sind Immortal bis heute (und mithin weit über ihre zwischenzeitliche und eventuell endgültige Auflösung hinaus) über jeden Zweifel erhaben. Was auf „Sons Of Northern Darkness“ herausgekommen ist, ist authentischer, bedrohlicher, kälter und gleichzeitig epischer und hymnischer vieles, was oft als „die reine Lehre“ bezeichnet wird.

Alleine das Einstiegsdoppel ist eine Klasse für sich: „One By One“ ist ein infernalischer, ultraschneller Beginn, der eine gute Verbindung zu den Wurzeln der Band darstellt. Der Titeltrack ist ähnlich old-schoolig, aber des Öfteren von Tempoverschleppungen durchzogen. In diesem Stück wird auch sehr schön deutlich, über welchen Ausnahmedrummer Immortal mit Horgh verfügen. Auch das typische Immortal-Riffing kommt hier besonders gut zu Tragen. Nicht minder gut gelungen: das textlich Lovecraft-affine und sehr gut ins Ohr gehende „In My Kingdom Cold“, das vor allem beim beinahe doomigen Mittelteil „Die Berge des Wahnsinns“ vor dem geistigen Auge entstehen lässt; das sich nach langem, instrumentalen Einstieg ständig steigernde „Antarctica“ sowie der Midtempo-Kracher „Within The Dark Mind“ mit seinem Galoppier-Rhythmus im Mittelteil und der guten Solo-Gitarre gegen Ende. „Beyond The North Waves“ ist hingegen ein sehr guter Rausschmeißer, der das Tempo nochmals herausnimmt und deutliche Bathory-Reminiszenzen aufkommen lässt. Das Highlight dieses Albums (und bei jedem Immortal-Konzert ein Stimmungsgarant) verbirgt sich aber an dritter Stelle: „Tyrants“ macht auf einen Schlag deutlich, wie perfekt das stark geschminkte Trio das hymnische Midtempo beherrscht. Spätestens mit diesem Stück wird klar, dass Atmosphäre, Düsterkeit und Kälte nicht von der Geschwindigkeit abhängen – durch das verschleppte Tempo wirkt der Song so mächtig, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Als einzigen Schwachpunkt könnte man das etwas nichtssagende „Demonium“ ausmachen, das zwar kein schlechtes Lied ist, in der Klasse der restlichen LP allerdings ein wenig untergeht – trotz einiger sehr guter Schreie von Abbath. Dennoch: Auf „Sons Of Northern Darkness“ gibt es keinen Ausfall, Immortal haben hiermit wahrlich ihr Referenzwerk abgeliefert. Die Bergener sind – wie erwähnt – vor allem aufgrund ihres überragenden Songwritings der Konkurrenz teilweise meilenweit überlegen. Ihnen reichen Gitarre, Bass und Schlagzeug sowie Abbaths eigenwillige Stimme, um eine ganz eigene, düstere und vor allem klirrend kalte Atmosphäre zu erzeugen – nennenswerte Keyboards werden nicht eingesetzt, lediglich ein paar kleinere Effekte werden vom Tasteninstrument beigesteuert. Insgesamt kann man sagen, dass die Norweger alle Facetten des rohen Black Metal auf dieser Platte zusammengefasst und mit einer extrem guten Produktion versehen haben. Von kalt und räudig bis hin zu stampfend und hymnisch – Immortal beherrschen die ganze Palette und lassen dem Hörer jeden Song tief unter die Haut gehen. Lächerliche Waffen und Posen hin oder her – die Band hat es nie geschafft, dieses Album zu toppen. Kunststück, erschien danach nach jahrelanger Trennung mit „All Shall Fall“ (2009) auch nur mehr eine Platte vor dem endgültigen (?) Aus.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. One By One – 5:00 – 7/7
  2. Sons Of Northern Darkness – 4:47 – 7/7
  3. Tyrants – 6:18 – 7/7
  4. Demonium – 3:57 – 4/7
  5. Within The Dark Mind – 7:31 – 6/7
  6. In My Kingdom Cold – 7:17 – 7/7
  7. Antarctica – 7:12 – 5/7
  8. Beyond The North Waves – 8:06 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7 


Immortal auf “Sons Of Northern Darkness” (2002):

  • Abbath Doom Occulta − Vocals, Guitars, Bass, Synthesizer
  • Demonaz Doom Occulta − Lyrics
  • Iscariah – Bass
  • Horgh − Drums

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BuchWelt: Die Insel des Dr. Moreau

H. G. Wells


„Die Insel des Dr. Moreau“ ist – wie die meisten Werke von H. G. Wells – ein Buch, das einigen Stoff zum Nachdenken bietet. Dass die Spannung dabei nicht auf der Strecke bleibt, ist ein zusätzliches Plus. Fans klassischer Science Fiction können bedenkenlos zugreifen, ebenso alle, die an philosophischen Fragestellungen zum auch heute wieder weit verbreiteten, nahezu grenzenlosen Fortschrittsglauben interessiert sind.

Gesamteindruck: 6/7


Klassiker mit erschreckender, visionärer Kraft.

Die Aktualität, die diesem und anderen Werken des Engländers H.G. Wells innewohnt, ist geradezu absurd. „Die Insel des Dr. Moreau“ handelt von den Gefahren und Unwägbarkeiten biologischer Experimente. Gentechnologie war, als der Roman veröffentlicht wurde, natürlich völlig unbekannt. Der Charakter „Dr. Moreau“ ist ein Chirurg – dennoch erinnert er durchwegs an einen modernen Wissenschaftler, der an die Notwendigkeit glaubt, alles was machbar ist, auch mit allen Mitteln umzusetzen. Der Autor sah scheinbar die drohende Vermischung von Mensch und Tier voraus – etwas, das heute durch Genetik und Transplantationsmedizin zumindest teilweise längst zur Realität geworden ist.

Neben diesem „technischen“ Aspekt, der insgesamt eher im Hintergrund steht, verarbeitet Wells (wie in anderen seiner Bücher) auch religionskritische und moralisch-ethische Ansätze. Diese liefen dem damaligen Zeitgeist, der von absoluter Fortschrittsgläubigkeit geprägt war, völlig zuwider. Die Vermutung liegt nahe, dass zeitgenössische Leser nach der Lektüre der „Insel des Dr. Moreau“ wesentlich erstaunter, wenn nicht geschockter zurückblieben als das heutige Publikum.

Zusätzlich zu dieser scheinbar prophetischen Erzählebene (die allerdings in anderer Form bereits wesentlich früher von Mary Shelley in „Frankenstein“ thematisiert wurde) ist das Buch höchst spannend gehalten. Nach kurzer Einführung lässt Wells seine Protagonisten in teilweise geradezu atemloser Hast einige Abenteuer bestehen. Stilistisch bleibt er dabei immer einfach und nachvollziehbar, sodass trotz des philosophischen Subtextes alles ausgezeichnet lesbar ist.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: H. G. Wells
Originaltitel: The Island of Dr. Moreau
Erstveröffentlichung: 1896
Umfang: 160 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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MusikWelt: Enslaved

Soulfly


Soulfly haben 2012 mit „Enslaved“ ein sehr starkes Album vorgelegt, das ich in dieser Intensität nicht von der Band erwartet hätte. Ein zweiter Frühling für Max Cavalera? Die Zeit muss es zeigen – dieses Album bekommt jedenfalls eine für mein Verhältnis zur brasilianischen Truppe sehr gute Wertung; wenn ich auch zugebe, dass einige Hörer die Eigenständigkeit von Soulfly vermissen werden. Die müssen mindestens einen Punkt abziehen.

Gesamteindruck: 5/7


Mörderischer Groove und harte Riffs: unerwartet stark.

Egal wie sehr ich es versucht habe: Mit Soulfly konnte ich nie warm werden. Die für meinen Geschmack zu moderne Ausrichtung der Band schreckte mich ebenso ab, wie der von Max Cavalera immer wieder propagierte „Weltmusik“-Ansatz. Ich fand dieses Tribal-Zeugs schon bei Sepultura übertrieben, bei Soulfly ging es mir noch mehr auf die Nerven. Als man sich später wieder verstärkt dem guten alten Thrash widmete, haperte es teilweise erheblich am Songwriting. Im Endeffekt konnten mich aus dem Lager der Brasilianer in den letzten rund 15 Jahren eigentlich nur die Alben der Cavalera Conspiracy wirklich überzeugen. Wenn man die kläglichen Versuche von Sepultura, an alte Taten anzuknüpfen, an ein Ende des Spektrums stellte und die ausgezeichnete Arbeit der Cavalera Conspiracy ans andere, blieb für Soulfly der Platz zwischen diesen beiden.

Zumindest bis „Enslaved“. Denn mit diesem losen Konzeptalbum zum Thema Sklaverei, schafft es Max Cavalera endlich mal wieder, auch mit seiner von beabsichtigter Besetzungsrotation geprägten Band zu punkten. Zumindest bei Anhängern ganz harter Klänge. Die Scheibe ähnelt musikalisch der Cavalera Conspiracy, ist dabei aber etwas einfacher gestrickt. Ein Vorteil – es geht nämlich wesentlich direkter zur Sache, was sich sehr gut anfühlt. Den besten Vergleich zu „Enslaved“ findet man wohl bei den Sepultura-Meisterwerken „Arise“ (1991) und „Chaos A.D.“ (1993). Teilweise wird derart brutal gespielt, dass man schon gar nicht mehr von Thrash sondern eher von Death Metal sprechen muss. Ein brachiales Stück folgt auf das nächste, aber merkwürdigerweise nutzt sich „Enslaved“ trotzdem nicht so schnell ab, wie man das von jüngeren Brutalo-Bands gelegentlich kennt.

Wie man stilfremde Einflüsse trotz aller Härte perfekt integrieren kann, zeigt das meiner Ansicht nach beste Stück auf der Platte: In „Plata O Plomo“ treffen Flamenco-Klänge auf mörderischen Groove, der aggressive, Cavalera-typische Gesang wird zusätzlich kraftvoll durch das Death Metal-affine Organ von Bassist Tony Campos (ehemals Static-X, Ministry) unterstützt. Das Ergebnis: ein unglaublich starkes, sehr intensives Lied über den 1993 erschossenen kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar. Voll überzeugen können auch das wohl härteste Soulfly-Stück bisher („World Scum“), das zum „Hail! Hail! Hail!“-Gröhlen einladende „Gladiator“ sowie „American Steel“ und „Treachery“, die klingen, als wären sie eigentlich für die Cavalera Conspiracy geschrieben worden. Auch stark: In „Redemption Of Man By God“ gibt sich DevilDriver-Schreihals Dez Fafara am Mikro die Ehre und „Revengeance“ als Gemeinschaftsproduktion von Max, Igor, Richie und Zyon Cavalera. Allesamt exzellente Tracks, die ich von Soulfly in dieser Phase ihrer Karriere nicht so stark erwartet hätte.

Demgegenüber fallen die restlichen Stücke ein wenig ab, auch wenn es keinen wirklichen Ausfall gibt. Aber „Intervention“ und „Legions“ rauschen im Endeffekt fast unbemerkt am Hörer vorbei. Auch einer der Bonustracks auf der Limited Edition, „Slave“, teilt dieses Schicksal. Das obligatorische Instrumental „Soulfly VIII“ wurde diesmal übrigens auch in die Bonussektion gepackt. Violinen und Metal? Wieso nicht, hier passt’s wirklich gut, auch wenn ich kurzfristig den Eindruck hatte, eine Apocalyptica-Scheibe zu hören (ja, ich weiß, die verwenden Chellos…).


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Resistance – 1:53 – 4/7
  2. World Scum – 5:19 – 6/7
  3. Intervention – 3:55 – 4/7
  4. Gladiator – 4:58 – 7/7
  5. Legions – 4:18 – 4/7
  6. American Steel – 4:14 – 7/7
  7. Redemption Of Man By God – 5:15 – 6/7
  8. Treachery – 5:49 – 6/7
  9. Plata O Plomo – 4:52 – 7/7
  10. Chains – 7:18 – 3/7
  11. Revengeance – 5:42 – 6/7
  12. Slave – 3:51 – (Bonus) – 3/7
  13. Bastard – 3:57 – (Bonus) – 4/7
  14. Soulfly VIII – 4:24 – (Bonus) – 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


Soulfly auf “Enslaved” (2012):

  • Max Cavalera − Vocals, Guitar
  • Marc Rizzo − Guitar
  • Igor Gianola − Guitar
  • Tony Campos − Bass, Vocals
  • David Kinkade − Drums

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Fremdwelt: Montagsfrage (7)

Beim Surfen auf diversen Blogs findet man immer wieder interessante Dinge. Mich interessiert es beispielsweise, Fragen zu beantworten – und auch die Antworten Anderer zu lesen. Ein Blog, auf dem eine „Montagsfrage“ gestellt wird, habe ich unlängst entdeckt: „Buchfresserchen“ nennt sich das Ding, dessen Startseite hier zu finden ist. Ich werde versuchen, die Montagsfrage regelmäßig zu beantworten.


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Hast du, nachdem du eine Buchverfilmung gesehen hast, beim Lesen eines Buches die Schauspieler im Kopf oder die Figuren wie du sie dir vorstellst?

Tatsächlich fallen mir jetzt ad hoc gar nicht so viele Bücher ein, in denen die Personenbeschreibung so akkurat ist, dass ich eine wirklich greifbare Vorstellung von der Optik habe. Wobei… das liegt vielleicht gar nicht so sehr an den Büchern als ganz einfach daran, dass ich mir schwer tue, völlig frei erfundene Personen vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen. Ob jemand groß oder klein ist, ist ja noch in Ordnung, auch die Haarfarbe und einige andere „Features“ wie Kleidung sind relativ gut vorstellbar. Aber ein exaktes optisches Bild habe ich eigentlich selten vor Augen. Da kann dann der Film eigentlich immer nur hilfreich für mein tieferes Eintauchen in die Materie sein. Und wenn ich den mal gesehen habe, haut es auch nicht mehr hin, die Beschreibungen aus dem Buch auf die Personen zu übertragen – da führt dann kein Weg mehr an den Schauspielern vorbei. Ist auch einfacher so – ich habe das einmal mit „Der Herr der Ringe“ probiert – im Buch steht sinngemäß, dass Frodo blond wäre. War bei mir auch immer so – seit ich den Film gesehen habe, ist Frodo dunkelhaarig. Wenn ich ihn mir blond vorzustellen versuche, lenkt mich das nur ab und ist vergebene Liebesmüh. Ein netter Beitrag dazu (in Bezug auf „Game of Thrones“) findet sich hier. Meine Antwort:

Die Vorstellung der Figuren ändert sich bei mir tatsächlich, wenn ich den Film ansehe.