BuchWelt: Hannibal

Thomas Harris


Was eine gute Wertung verhindert, ist der extrem an den Haaren herbeigezogene Schluss des Buches. Hier ist die Fantasie ein wenig zu sehr mit Thomas Harris durchgegangen, was bestenfalls aufgesetzt, eher aber absolut lächerlich wirkt. Der gleichen Ansicht waren scheinbar auch die Filmemacher, die den zugehörigen Streifen mit einem wesentlich realistischeren Finale ausstatteten. Hier sei allen potentiellen Lesern geraten, sich nicht zuviel zu versprechen, dann ist die Enttäuschung nicht so groß.

Gesamteindruck: 4/7


Bester Teil der Serie – wenn der Schluss nicht wäre.

Nachdem „Das Schweigen der Lämmer“ sowohl als Buch als auch als Film zum Bestseller wurde, war vorauszusehen, dass Thomas Harris eine Fortsetzung folgen lassen würde. Das ist nicht nur legitim, es bietet sich aufgrund des offenen Endes des Vorgängers natürlich auch an. So wurde „Hannibal“, der dritte Teil der Reihe über den feinsinnigen und intelligenten Serienkiller „Dr. Hannibal Lecter“ sehnsüchtig von den Massen erwartet. Damit wurde es offenbar auch zu einem oft rezensierten Buch auf einschlägigen Plattformen (z. B. hier), wobei die Meinungen extrem auseinandergehen.

Es mag für manche ein Sakrileg sein, wenn ich das behaupte, aber: „Hannibal“ ist – zumindest was Stil, Lesbarkeit und grundsätzliche Spannung betrifft – meiner Ansicht nach tatsächlich der stärkste Roman der Serie (ohne das Prequel von 2006, „Hannibal Rising“, bis zum Zeitpunkt dieser Rezension gelesen zu haben). Zwar ist die Einleitung über die ersten 100 Seiten einmal mehr recht holprig und zäh ausgefallen (wohl eine Art Schreibblockade beim Autor), danach kann das Werk aber durchaus überzeugen. Man erfährt einiges mehr über den charismatischen Namensgeber des Buches als in den beiden Vorgängern, dennoch bleiben seine Beweggründe gerade noch mysteriös genug (was, wenn man diversen Lesern glauben darf, leider in „Hannibal Rising“ zunichte gemacht wurde). Diesmal bekommt er es mit zwei Gegnern zu tun, deren Konzeption dem Autor merkwürdig ambivalent gelungen ist. Die bereits bekannte FBI-Agentin Clarice Starling ist – wie schon im „Schweigen der Lämmer“ – ein Ärgernis. Die Passagen, die sich mit ihr beschäftigen sind zum Teil unerträglich zäh und langweilig, alle Versuche von Harris, ihr etwas mehr Farbe zu geben, wirken krampfhaft und aufgesetzt. Das krasse Gegenteil dazu ist das einzig überlebende Lecter-Opfer Mason Verger, der ebenfalls Jagd auf den Doktor macht. Seine Hintergrundgeschichte ist interessant, seine Methoden, den Kannibalen zu fangen sind kreativ. Merkwürdig, dass dieser Charakter wesentlich besser ausgearbeitet und lebendiger wirkt als die Ermittlerin, die immerhin schon ihren zweiten Auftritt hat.

Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich aus dieser Konstellation entwickelt nimmt rasch an Fahrt auf und wurde vom Autor kurzweilig umgesetzt. Das Wechselspiel zwischen den drei Hauptpersonen ist gelungen und erzeugt große Neugier auf das Finale. Getrübt wird das Ganze allerdings, wie schon angedeutet, durch ein paar „Aussetzer“. Größter Schwachpunkt neben Starling ist – so absurd es klingen mag – die zeitweilige Darstellung Lecters. Wenn der nicht mehr ganz junge und körperlich laut Beschreibung eher schmächtige Anti-Held seinen Häschern immer wieder entkommen kann, obwohl sie ihm körperlich überlegen und voll ausgebildet sind, wirkt das doch sehr unglaubwürdig. Schade, das wäre aus meiner Sicht überhaupt nicht notwendig gewesen.

In Anbetracht der angesprochenen Mängel im Hauptteil müssten eigentlich nur 1 bis 2 Punkte abgezogen werden; wenn man aber das völlig abstruse Finale betrachtet, kann es maximal zu drei Punkten reichen. Schade, aus meiner Sicht würde grundsätzlich eine große Verbesserung den Vorgängern gegenüber vorliegen. Die Serie hat in der Öffentlichkeit natürlich, egal in welcher Form, ohnehin Klassikerstatus (vermutlich hauptsächlich durch Sir Anthony Hopkins), meiner Meinung nach gibt es auf diesem Gebiet aber dennoch Besseres zu lesen.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Thomas Harris
Originaltitel: Hannibal
Erstveröffentlichung: 1999
Umfang: 544 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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3 Gedanken zu “BuchWelt: Hannibal

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