BuchWelt: Picknick am Wegesrand

Arkadi & Boris Strugatzki


Auszusetzen gibt es an „Picknick am Wegesrand“ praktisch nichts. Lediglich der abrupte Schluss, der nicht einmal Ansätze einer Aufklärung bereit hält, könnte bei einigen Lesern zu Kritik führen. Zwar ist das Ende durchaus konsequent – aber den einen oder anderen wirklichen Schlusssatz hätte man sich dann doch gewünscht. Andererseits führt gerade dieses Finale dazu, dass man sich tage- oder sogar wochenlang nach der Lektüre immer noch mit dem Buch auseinandersetzt. Von daher: Alles richtig gemacht!

Gesamteindruck: 7/7


Die „Zone“ lässt keinen los.

Wer schon immer wissen wollte, woher die Macher des Videospiels „S.T.A.L.K.E.R. – Shadow Of Chernobyl“ die merkwürdigen Spitznamen für ihre Charaktere und Artefakte haben, wird in „Picknick am Wegesrand“, einem ausgesprochen düsteren Roman aus dem Jahr 1971 fündig. Auf allzu viele Gemeinsamkeiten zwischen Buch und Spiel sollte man dennoch nicht hoffen – weder Ursache noch Ort der „Zone“ sind identisch und die erzählte Geschichte weist nur in den Grundzügen Ähnlichkeiten auf.

„Picknick am Wegesrand“ ist eine auf den ersten Blick merkwürdig wirkende Mischung aus Fiktion und Philosophie. Die Einordnung des Gelesenen fällt relativ schwer – die Autoren, das Brüderpaar Arkadi & Boris Strugatzki, haben sehr viele Möglichkeiten zur Interpretation offen gelassen. Die vordergründige Handlung ist eine Art Science Fiction-Geschichte, wobei Fans von „Techno-Babble“ vergeblich auf derartige Ausführungen warten. Es gibt zwar Ansätze von pseudo-wissenschaftlichen Erklärungen über die „Zonen“, im Endeffekt überwiegt aber eine philosophische Sichtweise. Die Absicht dahinter ist wohl, den Leser in eine Situation zu bringen, in der es ihm ähnlich geht, wie den Protagonisten. Es gibt keinen „allwissenden Erzähler“, es gibt nur die sehr eingeschränkte Sicht der Charaktere, die sich letztlich in hilflosen Erklärungsversuchen über etwas gänzlich Unverständliches verlieren.

Im Prinzip ähnelt die Geschichte – wie auch von Stanisław Lem selbst angemerkt – dessen zehn Jahre vor „Picknick am Wegesrand“ erschienen Roman „Solaris“. Auch hier stehen die Menschen der unfassbaren Fremdartigkeit außerirdischen Lebens völlig unbeholfen gegenüber. Der Unterschied liegt im Detail: „Solaris“ ist ein fremder Planet, das „Picknick“ findet auf der Erde statt, ist dem Leser also wesentlich näher. Die Ansiedelung der „Zone“ an und in einer normalen (mutmaßlich britischen) Stadt macht es möglich, dass sich theoretisch jedermann als „Stalker“ (eine Art Schatzjäger oder Schmuggler, der versucht, Artefakte aus der „Zone“ zu bergen um sie zu verkaufen) versuchen kann. Dass die Artefakte und der Einfluss der „Zone“ nicht nur innerhalb, sondern auch weit weg spürbar sind, ohne auch nur ansatzweise erklärbar zu sein, ist ein weiterer Punkt, der diesen düsteren Roman so intensiv macht.

Abschließend noch ein genereller Hinweis zur Sprache: Die – ich verallgemeinere – „Ost-Science-Fiction“ ist insgesamt nicht ganz so leicht lesbar, wie die westliche Literatur. Das merkt man auch in diesem Roman, der sich einer zeitweise eher umständlichen Sprache bedient. Wie viel davon auf das Konto der Übersetzung geht, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis – bedenken sollte man es vor dem Kauf jedenfalls.

Gesamteindruck: 7/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: Пикник на обочине. (Piknik na obotschinje.)
Erstveröffentlichung: 1971
Umfang: 224 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 2.“


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