MusikWelt: Enslaved

Soulfly


Soulfly haben 2012 mit „Enslaved“ ein sehr starkes Album vorgelegt, das ich in dieser Intensität nicht von der Band erwartet hätte. Ein zweiter Frühling für Max Cavalera? Die Zeit muss es zeigen – dieses Album bekommt jedenfalls eine für mein Verhältnis zur brasilianischen Truppe sehr gute Wertung; wenn ich auch zugebe, dass einige Hörer die Eigenständigkeit von Soulfly vermissen werden. Die müssen mindestens einen Punkt abziehen.

Gesamteindruck: 5/7


Mörderischer Groove und harte Riffs: unerwartet stark.

Egal wie sehr ich es versucht habe: Mit Soulfly konnte ich nie warm werden. Die für meinen Geschmack zu moderne Ausrichtung der Band schreckte mich ebenso ab, wie der von Max Cavalera immer wieder propagierte „Weltmusik“-Ansatz. Ich fand dieses Tribal-Zeugs schon bei Sepultura übertrieben, bei Soulfly ging es mir noch mehr auf die Nerven. Als man sich später wieder verstärkt dem guten alten Thrash widmete, haperte es teilweise erheblich am Songwriting. Im Endeffekt konnten mich aus dem Lager der Brasilianer in den letzten rund 15 Jahren eigentlich nur die Alben der Cavalera Conspiracy wirklich überzeugen. Wenn man die kläglichen Versuche von Sepultura, an alte Taten anzuknüpfen, an ein Ende des Spektrums stellte und die ausgezeichnete Arbeit der Cavalera Conspiracy ans andere, blieb für Soulfly der Platz zwischen diesen beiden.

Zumindest bis „Enslaved“. Denn mit diesem losen Konzeptalbum zum Thema Sklaverei, schafft es Max Cavalera endlich mal wieder, auch mit seiner von beabsichtigter Besetzungsrotation geprägten Band zu punkten. Zumindest bei Anhängern ganz harter Klänge. Die Scheibe ähnelt musikalisch der Cavalera Conspiracy, ist dabei aber etwas einfacher gestrickt. Ein Vorteil – es geht nämlich wesentlich direkter zur Sache, was sich sehr gut anfühlt. Den besten Vergleich zu „Enslaved“ findet man wohl bei den Sepultura-Meisterwerken „Arise“ (1991) und „Chaos A.D.“ (1993). Teilweise wird derart brutal gespielt, dass man schon gar nicht mehr von Thrash sondern eher von Death Metal sprechen muss. Ein brachiales Stück folgt auf das nächste, aber merkwürdigerweise nutzt sich „Enslaved“ trotzdem nicht so schnell ab, wie man das von jüngeren Brutalo-Bands gelegentlich kennt.

Wie man stilfremde Einflüsse trotz aller Härte perfekt integrieren kann, zeigt das meiner Ansicht nach beste Stück auf der Platte: In „Plata O Plomo“ treffen Flamenco-Klänge auf mörderischen Groove, der aggressive, Cavalera-typische Gesang wird zusätzlich kraftvoll durch das Death Metal-affine Organ von Bassist Tony Campos (ehemals Static-X, Ministry) unterstützt. Das Ergebnis: ein unglaublich starkes, sehr intensives Lied über den 1993 erschossenen kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar. Voll überzeugen können auch das wohl härteste Soulfly-Stück bisher („World Scum“), das zum „Hail! Hail! Hail!“-Gröhlen einladende „Gladiator“ sowie „American Steel“ und „Treachery“, die klingen, als wären sie eigentlich für die Cavalera Conspiracy geschrieben worden. Auch stark: In „Redemption Of Man By God“ gibt sich DevilDriver-Schreihals Dez Fafara am Mikro die Ehre und „Revengeance“ als Gemeinschaftsproduktion von Max, Igor, Richie und Zyon Cavalera. Allesamt exzellente Tracks, die ich von Soulfly in dieser Phase ihrer Karriere nicht so stark erwartet hätte.

Demgegenüber fallen die restlichen Stücke ein wenig ab, auch wenn es keinen wirklichen Ausfall gibt. Aber „Intervention“ und „Legions“ rauschen im Endeffekt fast unbemerkt am Hörer vorbei. Auch einer der Bonustracks auf der Limited Edition, „Slave“, teilt dieses Schicksal. Das obligatorische Instrumental „Soulfly VIII“ wurde diesmal übrigens auch in die Bonussektion gepackt. Violinen und Metal? Wieso nicht, hier passt’s wirklich gut, auch wenn ich kurzfristig den Eindruck hatte, eine Apocalyptica-Scheibe zu hören (ja, ich weiß, die verwenden Chellos…).


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Resistance – 1:53 – 4/7
  2. World Scum – 5:19 – 6/7
  3. Intervention – 3:55 – 4/7
  4. Gladiator – 4:58 – 7/7
  5. Legions – 4:18 – 4/7
  6. American Steel – 4:14 – 7/7
  7. Redemption Of Man By God – 5:15 – 6/7
  8. Treachery – 5:49 – 6/7
  9. Plata O Plomo – 4:52 – 7/7
  10. Chains – 7:18 – 3/7
  11. Revengeance – 5:42 – 6/7
  12. Slave – 3:51 – (Bonus) – 3/7
  13. Bastard – 3:57 – (Bonus) – 4/7
  14. Soulfly VIII – 4:24 – (Bonus) – 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


Soulfly auf “Enslaved” (2012):

  • Max Cavalera − Vocals, Guitar
  • Marc Rizzo − Guitar
  • Igor Gianola − Guitar
  • Tony Campos − Bass, Vocals
  • David Kinkade − Drums

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