MusikWelt: Sons Of Northern Darkness

Immortal


Mit „Sons Of Northern Darkness“ ist Immortal ein Meisterstück gelungen, das die wahrlich nicht schwachen Vorgänger nochmals übertrifft. Eine laufende Verbesserung im Songwriting konnte man den finsteren Norwegern ja schon immer attestieren, was sie aber hier abgeliefert haben, sucht wirklich seinesgleichen. Die Truppe vereint auf dieser Platte all ihre Stärken; neben der ursprünglichen Raserei der Anfangstage ist es vor allem die Mischung aus dem majestätisch-erhabenen „At The Heart Of Winter“ und dem eher geradlinigen „Damned In Black“, die heraussticht.

Gesamteindruck: 7/7


Referenzwerk.

Die Musikrichtung ist auf „Sons Of Northern Darkness“ (2002) natürlich immer noch Black Metal, auch wenn in den Jahren davor eine stetige Annäherung an den traditionellen Heavy Metal stattgefunden hatte, dessen Höhepunkt Immortal mit „Damned In Black“ (2000) erreichten. In diesem ihren ureigenen Bereich sind Immortal bis heute (und mithin weit über ihre zwischenzeitliche und eventuell endgültige Auflösung hinaus) über jeden Zweifel erhaben. Was auf „Sons Of Northern Darkness“ herausgekommen ist, ist authentischer, bedrohlicher, kälter und gleichzeitig epischer und hymnischer vieles, was oft als „die reine Lehre“ bezeichnet wird.

Alleine das Einstiegsdoppel ist eine Klasse für sich: „One By One“ ist ein infernalischer, ultraschneller Beginn, der eine gute Verbindung zu den Wurzeln der Band darstellt. Der Titeltrack ist ähnlich old-schoolig, aber des Öfteren von Tempoverschleppungen durchzogen. In diesem Stück wird auch sehr schön deutlich, über welchen Ausnahmedrummer Immortal mit Horgh verfügen. Auch das typische Immortal-Riffing kommt hier besonders gut zu Tragen. Nicht minder gut gelungen: das textlich Lovecraft-affine und sehr gut ins Ohr gehende „In My Kingdom Cold“, das vor allem beim beinahe doomigen Mittelteil „Die Berge des Wahnsinns“ vor dem geistigen Auge entstehen lässt; das sich nach langem, instrumentalen Einstieg ständig steigernde „Antarctica“ sowie der Midtempo-Kracher „Within The Dark Mind“ mit seinem Galoppier-Rhythmus im Mittelteil und der guten Solo-Gitarre gegen Ende. „Beyond The North Waves“ ist hingegen ein sehr guter Rausschmeißer, der das Tempo nochmals herausnimmt und deutliche Bathory-Reminiszenzen aufkommen lässt. Das Highlight dieses Albums (und bei jedem Immortal-Konzert ein Stimmungsgarant) verbirgt sich aber an dritter Stelle: „Tyrants“ macht auf einen Schlag deutlich, wie perfekt das stark geschminkte Trio das hymnische Midtempo beherrscht. Spätestens mit diesem Stück wird klar, dass Atmosphäre, Düsterkeit und Kälte nicht von der Geschwindigkeit abhängen – durch das verschleppte Tempo wirkt der Song so mächtig, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Als einzigen Schwachpunkt könnte man das etwas nichtssagende „Demonium“ ausmachen, das zwar kein schlechtes Lied ist, in der Klasse der restlichen LP allerdings ein wenig untergeht – trotz einiger sehr guter Schreie von Abbath. Dennoch: Auf „Sons Of Northern Darkness“ gibt es keinen Ausfall, Immortal haben hiermit wahrlich ihr Referenzwerk abgeliefert. Die Bergener sind – wie erwähnt – vor allem aufgrund ihres überragenden Songwritings der Konkurrenz teilweise meilenweit überlegen. Ihnen reichen Gitarre, Bass und Schlagzeug sowie Abbaths eigenwillige Stimme, um eine ganz eigene, düstere und vor allem klirrend kalte Atmosphäre zu erzeugen – nennenswerte Keyboards werden nicht eingesetzt, lediglich ein paar kleinere Effekte werden vom Tasteninstrument beigesteuert. Insgesamt kann man sagen, dass die Norweger alle Facetten des rohen Black Metal auf dieser Platte zusammengefasst und mit einer extrem guten Produktion versehen haben. Von kalt und räudig bis hin zu stampfend und hymnisch – Immortal beherrschen die ganze Palette und lassen dem Hörer jeden Song tief unter die Haut gehen. Lächerliche Waffen und Posen hin oder her – die Band hat es nie geschafft, dieses Album zu toppen. Kunststück, erschien danach nach jahrelanger Trennung mit „All Shall Fall“ (2009) auch nur mehr eine Platte vor dem endgültigen (?) Aus.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. One By One – 5:00 – 7/7
  2. Sons Of Northern Darkness – 4:47 – 7/7
  3. Tyrants – 6:18 – 7/7
  4. Demonium – 3:57 – 4/7
  5. Within The Dark Mind – 7:31 – 6/7
  6. In My Kingdom Cold – 7:17 – 7/7
  7. Antarctica – 7:12 – 5/7
  8. Beyond The North Waves – 8:06 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7 


Immortal auf “Sons Of Northern Darkness” (2002):

  • Abbath Doom Occulta − Vocals, Guitars, Bass, Synthesizer
  • Demonaz Doom Occulta − Lyrics
  • Iscariah – Bass
  • Horgh − Drums

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3 Gedanken zu “MusikWelt: Sons Of Northern Darkness

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