FilmWelt: Snow White and the Huntsman

Märchen bieten ja einiges an Stoff, der sich für epische Filmumsetzungen eignet. Und es war im Endeffekt nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das für sich entdeckt (bzw. wieder entdeckt). Auch das bekannte Märchen vom „Schneewittchen“ ist zu Blockbuster-Ehren gekommen und muss sich mit diversen Fantasy-Größen messen lassen. Und zieht dabei gegen die meisten seiner Konkurrenten klar den Kürzeren. Eine Kauf- oder Ansehempfehlung kann es jedenfalls von mir nicht geben.

Gesamteindruck: 2/7


Ausstattung: Top! Drehbuch: Flop!

Um es vorweg zu nehmen: Unbedingt gesehen haben muss man diesen Film nicht, auch wenn es durchaus einige positive Aspekte gibt. So macht der Streifen optisch Einiges her. Sowohl Ausstattung als auch Kostüme, Landschaften und Effekte sind gut bis sehr gut und passen hervorragend zur Märchen-Thematik. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, auch wenn es sich dabei um die übliche, recht epische Fantasy-Kost handelt. In Bezug auf Optik und Akustik ist also alles im grünen Bereich.

Viel mehr uneingeschränkt Positives kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Das liegt vor allem am Drehbuch, das einigermaßen durchwachsen ist. Die Story vom „Schneewittchen“ kennt man natürlich, insofern weiß man ja ungefähr, was einen erwartet. Leider wirkt der Film an vielen Stellen arg gestreckt und teilweise fast erschreckend substanzlos. Hier scheinen sich die Verantwortlichen ein bisschen zu sehr auf die optische Opulenz verlassen zu haben. Aber selbst wenn man davon absieht, kommt nur gelegentlich wirkliche Spannung auf und ab der Halbzeit werden die Längen teilweise zu echter Langeweile. Vor allem die Kämpfe hat man so oder so ähnlich in letzter Zeit schon tausendmal gesehen. Alles in allem läuft der Film nach den gewohnten Fantasy-Mustern ab, was ihn sehr vorhersehbar macht – bekanntes Märchen hin oder her.

Dem schwachen Drehbuch passen sich – zumindest teilweise – auch die schauspielerischen Leistungen an. Der „Huntsman“ (Chris „Thor“ Hemsworth) ist im Prinzip in Ordnung, auch wenn er es mit seiner Darstellung des ruppigen Trunkenboldes ein wenig übertreibt. Auch Charlize Theron als böse Stiefmutter spielt ganz gut. Neben diesen beiden gehen die übrigen Rollen ein wenig unter – was aber nichts gegen Kristen Stewart als „Snow White“ ist. Die junge Dame schafft es absolut nicht, ihre Figur auch nur einigermaßen sympathisch rüberkommen zu lassen – oder hat das mit der Synchronisation zu tun? Wie auch immer, begeisterndes Spiel sieht für mich anders aus. Sehr gut sind übrigens die Zwerge gelungen – lustig und ruppig, das gefällt, auch wenn man sich fragt, warum es unbedingt acht statt sieben Zwerge sein mussten.

Zu den geschilderten – aus meiner Sicht recht großen – Problemen gesellen sich noch kleinere Ungereimtheiten. Beispielsweise fragt man sich schon, warum „Snow White“ ausgerechnet das „Vaterunser“ betet. Christentum im Fantasy-Land? Völlig unverständlich… Und was zum …ähem… Teufel haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht, weder „Snow White“ noch „Huntsman“ zu übersetzen? Nicht nur im Titel, sondern auch im Film? Das stört mich – der wahrlich nicht zu übertriebener Deutschtümelei neigt – ungemein. Charlize Theron spielt ja auch nicht die „Stepmother“ sondern die Stiefmutter, der König ist der „König“ und nicht der „King“. Nur die beiden Hauptpersonen wurden Englisch belassen – der Sinn entzieht sich mir völlig. Was vielleicht noch einigen Filmfreaks auffallen wird: Es gibt eine stattliche Anzahl an Szenen, bei denen man sich nicht gerade unauffällig bei anderen Streifen bedient hat. Um nicht zu sagen: Dreist geklaut. Beispielsweise flüchtet Snow White auf einem weißen Gaul vor diversen schwarz gekleideten Häschern auf schwarzen Pferden – die ganze Umsetzung inklusive Kameraarbeit erinnert frappierend an eine ähnliche Szene aus „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“. Oder der „Spiegel“, der sich zunächst verflüssigt und danach menschenähnliche Form annimmt: „Terminator 2“ lässt grüßen. Das Auftauchen der Schwiegermutter aus einem Milchbad (?) lässt spontan an „Die Königin der Verdammten“ denken… Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, man merkt aber schon, worauf ich hinaus will. Prinzipiell gilt ja oft „besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht“, aber hier haben es die Filmemacher doch ein wenig übertrieben.

Mehr als zwei Punkte sind damit meiner Ansicht nach nicht drin für „Snow White & The Huntsman“. Schade eigentlich, ich denke die ganze Thematik hätte mit einem besseren Drehbuch wesentlich mehr hergegeben. Gerade im Hinblick auf die mehr als ordentliche Optik des Films.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Snow White and the Huntsman
Regie: Rupert Sanders
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron, Bob Hoskins


Filmvorschau


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