SpielWelt: Risen

Alles in allem halte ich „Risen“ für ein gutes Spiel und auch für einen durchaus legitimen Gothic-Nachfolger. Für die Höchstpunktezahl reicht das aber bei weitem nicht, dafür sind die Macken doch ein wenig zu groß. Damit bleibt eine Gesamtwertung von guten 5 Sternen stehen.

Gesamteindruck: 5/7


„Gothic“ reloaded.

Eine Rezension zu „Risen“ zu schreiben ohne das Wort „Gothic“ zu erwähnen scheint mir unmöglich zu sein. Ich versuche es also gar nicht. Fakt ist, dass „Risen“ nicht nur wie „Gothic“ aussieht und klingt, es spielt sich auch genauso. Die Gründe dafür sind offensichtlich. Zum ersten ist die Grafik (wobei ich hier nicht von deren pixel-mäßiger Qualität, sondern eher vom generellen „Look“ spreche) einfach typisch ausgefallen: die NPCs tragen ebenso wie die Spielfigur die Waffen sichtbar bei sich, die verfallenen Hütten und Höhlen sehen dreckig aus, die Vegetation ist stellenweise viel zu dicht usw. usf. Auch einige mehr oder weniger lieb gewonnene Fehler wurden übernommen. So versinkt ein Teil der Figur öfters im Boden, manchmal sieht man ein Grasbüschel in der Luft stehen, es regnet ab und zu trotz strahlendem Sonnenschein und die Bewegungen der Figuren wirken stellenweise sehr staksig, während auch bei hoher Sichtweite Bäume manchmal erst spät geladen werden und scheinbar aus dem Nichts auftauchen. Diese Fehler sind aber verschmerzbar, vor allem weil die generelle Grafik sehr gut gefällt – was natürlich Geschmacksache ist. Mir ist dieser Retro-Look jedenfalls kein Dorn im Auge. Ähnlich sieht es auch mit dem Sound aus, der unaufdringlich und angenehm ist. Die Synchronisation erfolgt teilweise durch bereits aus „Gothic“ bekannte, teilweise durch neue, ebenfalls sehr gute Sprecher. Lediglich die Stimme (und eigentlich auch das Aussehen) des Helden hätte für meinen Geschmack wesentlich markanter sein können.

Viel wichtiger ist aber das Spielgefühl als solches. In diesem Bereich haben Piranha Bytes meiner Meinung nach vieles (wenn auch nicht alles) richtig gemacht und setzen gekonnt auf das Altbewährte. Auch wenn die „Scavenger“ jetzt „Seegeier“ und die „Fleischwanzen“ mittlerweile „Nautilus“ heißen – die jeweiligen Vorbilder sind mehr als offensichtlich. Ähnlich sieht es beim fröhlichen Gemisch aus englischen, deutschen, spanischen und sonstigen Namen aus – wie man es aus „Gothic“ kennt und liebt. Die Art und Weise wie sich die recht interessante Story nach und nach in mehreren Episoden entfaltet, weiß ebenfalls zu gefallen; auch den Anschluss an eine von mehreren Fraktionen und die Möglichkeit, Lernpunkte bei Lehrern in Fähigkeiten umzuwandeln, kennt und schätzt der „Gothic“-Fan. All diese Punkte sind deutlich im grünen Bereich und machen das Spiel für Anhänger der „Vorgänger“ praktisch unverzichtbar.

Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt. Vor allem der Einstieg in die grundsätzlich gute Geschichte ist wenig überzeugend ausgefallen. Hier wird der Spieler viel zu wenig in die Welt eingebunden, d. h. es gibt eigentlich keinen Grund, sich für eine Gruppe zu entscheiden, da das Wissen über alle dermaßen begrenzt ist, dass es absolut keine Rolle zu spielen scheint, wem man sich anschließt. Ein Problem, da man dadurch keine richtige Identifikation mit der eigenen Fraktion entwickeln kann, was enorm viel an Potential ungenutzt lässt. Dieser Schatten zieht sich letztlich – vor allem beim ersten Versuch – durch das gesamte Spiel und hinterlässt leider einen faden Beigeschmack. Ein anderer Wermutstropfen ist – paradoxerweise – die frei begehbare Welt. Diese Eigenschaft führt letztlich dazu, dass man teilweise ohne sein Wissen Quests erledigt und sich damit für ein eventuelles Wiederspielen ungewollt selbst spoilert. Hier wäre eindeutig mehr Feintuning angebracht gewesen. So ähnlich ist es auch mit dem Finale von „Risen“, das sich durch die Verlegung des Schauplatzes in düstere Höhlen teilweise stark in die Länge zieht.

Positiv sei aber noch angemerkt, dass es kaum Abstürze und sonstige Programmfehler gibt. Diese Tatsache werden vor allem die gebrannten „Gothic 3“-Spieler zu schätzen wissen.

Gesamteindruck: 5/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: Piranha Bytes
Jahr: 2009
Gespielt auf: PC


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