FestivalWelt: Kaltenbach Open Air 2015

Datum: 20. bis 22, August 2015
Location: Spital am Semmering, Steiermark, Österreich
Festival: Kaltenbach Open Air 2015
Bands: 35, national & international
Publikum: 1.500 (geschätzt)
Ticketpreis: 47 Euro (3-Tage-Festivalpass)


Am kalten Berg.

Vorgeschichte

Das Kaltenbach Open Air (KOA) ist ein kleines Festival. Meiner Schätzung nach waren rund 1.500 Leute vor Ort, können aber auch weniger gewesen sein, ich kann das schwer abschätzen. Ausverkauft war wohl nicht, ist aber bei einem Festival dieser Ausrichtung kaum zu erwarten. Denn: Das KOA ist extrem. Die Veranstalter versuchen mit dem Booking alle möglichen Extreme Metal-Genres abzudecken, dementsprechend schränkt sich der Publikumskreis ein, auch wenn in Österreich die ganz harten Spielarten schon immer einen Stein im Brett haben. Eine Band mit „normalem“ Gesang? Schöne Stimme und alles? War – zumindest heuer – keine einzige dabei. Death, Black, Grind, ein bisschen Doom und Thrash dominieren in Kaltenbach das Geschehen. Der Mix macht es hier zwar auch aus – aber eben eher in anderen Nuancen.

Heuer stand jedenfalls das 10jährige KOA-Jubiläum an. Ich selbst war noch nie dort – habe aber nur Gutes gehört, daher war ich diesmal dabei. Und ich habe es nicht bereut.

Donnerstag, 20. August 2015

Kaltenbach Open Air 2015

Natur: Das Festivalgelände

Grundsätzlich ist das Festival gut erreichbar, zumindest wenn man ein Auto hat. Vom kleinen Örtchen Spital am Semmering geht es in Richtung Berg – und dann sieht man auch schon, was die Stunde geschlagen hat: Von der Mittelstation einer Sesselliftbahn sieht man mitten auf einem Hang, der im Winter als Skipiste dient, die ersten Zelte stehen. In gefährlicher Schräglage *schluck*. Zu besoffen sollte man also nicht sein. Die zweite Möglichkeit zu Campen, die von uns auch genutzt wurde, ist direkt neben der Straße, die in Serpentinen den Berg hoch führt. Auch nicht ohne, aber zumindest nicht ganz so steil – und, was mir sehr wichtig ist: Mit der Möglichkeit neben dem Auto zu campen.

Weite Teile der Anreise erfolgten im Regen, das Zelt konnte dann aber doch bei trockenem Wetter aufgebaut werden. Trocken blieb es dann auch an den restlichen Tagen, nur die Temperaturen waren recht frostig – nicht nur der namensgebende Bach, sondern auch der Berg zeigten sich von der kalten Seite. Aber sei’s drum, dafür gibt’s ja Alkohol, den ich mir in Form von diversen Bieren gleich nach dem Zeltaufbau gönnte. Immerhin waren wir ja schon kurz nach 12 (nach einem Mittagessen im Dorfgasthaus) vor Ort, die erste Band sollte um 17 Uhr spielen. Gut getankt ist halb gewonnen – und so ging es erstmals nach unten zum Konzertgelände. Dabei war schon zu merken, dass der Rückweg wohl anstrengend würde – recht steil, so eine Bergstraße. Zum Glück war unser Zeltplatz recht mittig, sodass wir nicht ganz rauf mussten.

Darkfall (AUT)

Hart: Darkfall

Das Konzertgelände erwies sich als eine Fläche, die im Winter wohl als Parkplatz für die Skifahrer dienen dürfte. Links und rechts von Bäumen gesäumt, gerade richtig in der Größe, mit ausreichend Sitz-, Steh- und Merchandise-Gelegenheiten ist das schon eine coole Location. Wir vertrieben uns die Wartezeit mit weiteren Getränken und einigen Snacks (Schnitzelsemmel: Legendär!) und holten uns schnell unser Festivalshirt um sagenhafte 10 Euro! Bis es dann endlich mit der ersten Band, PROGERIA BUFFET, losging, war ich schon recht beduselt. Kann mich jetzt nicht mehr erinnern, wie die Truppe war… Erste Band, die ich noch im Kopf habe, waren EREBOS, die, ähnlich wie die darauf folgenden MORTAL STRIKE, gut Gas gaben. Man merkt schon, die Bands sind eher als Regionalgrößen zu bezeichnen, was aber niemanden störte. Bei DARKFALL ging es dann kurz nach 22 Uhr erstmals direkt vor die Bühne – war eine gute Show, mit allerhand Feuer und Brimborium. Musikalisch auch nicht schlecht – beinharter, ziemlich deathiger Thrash. Oder thrashiger Death? Egal. Danach folgte der Headliner des ersten Abends: AGALLOCH aus den USA zelebrierten ihre schweren Klänge. Das war mir um diese Zeit und in meinem Zustand ehrlich gesagt etwas zu viel Kunst. Ja, ich mag die Band auf Platte ganz gern – aber wie eine typische Live-Band auf einem Festival wirkte das nicht auf mich. Interessant war es, aber eben auch schwer verdaulich. Irgendwann gingen wir dann – die restliche Show der Amis hörten wir uns vom Zelt aus an, was beim KOA problemlos möglich ist. Man fühlt sich dort, als ob man neben der Bühne zelten würde. Zumindest was die Lautstärke betrifft, denn leider sieht man nicht hin. Zu viele Bäume im Wald.

Freitag, 21. August 2015

Aufgewacht gegen 8 Uhr, was für ein Festival durchaus akzeptabel ist. Länger pennen war ohnehin nicht drin – zum Einen, weil es in der Nacht wirklich unangenehm abgekühlt hatte und man entsprechend durchgefroren war, andererseits wegen einem Phänomen, das uns das ganze Festival begleiten sollte: Einer der Merchandise-Stände an der Straße hatte richtig tolle Boxen. Riesendinger, die gelegentlich sogar Teile der Bühnen-PA überlagern konnten (was zum Glück kaum vorkam). Und was spielt dieser Wahnsinnige mindestens einmal pro Stunde? Metalkutte“. Ja, genau. *Unglaublich.auf.Dauer.Rotation* Das muss man erstmal aushalten, daher griff ich recht bald wieder zum Bier, nachdem wir uns am Festivalgelände kurz mit Kaffee und Muffins gelabt hatten. Bis Mittag (um 12 Uhr begann die erste Band) saß man herum, laberte Unsinn und begaffte die Leute, die den Berg hoch keuchten, um zu ihren Zelten zu kommen. Oder die, die bergab stolperten. Ganz lustig – auch wenn ich ehrlich sagen muss, dass mir da ein paar Glatzen zu viel vor Ort waren. Also keine „normalen“, sondern die, deren Gesinnung man auch an der Kleidung (bzw. Patches) und teilweise sogar eindeutigen Gesten erkennen konnte. Nicht gut, da sollte die Security dann schon ein bisschen einschreiten – mir war das sehr suspekt, ich hoffe mal, dass das KOA nicht immer solches Publikum anzieht.

Valkyrija (SWE)

Infernalisch: Valkyrija

Um die Mittagszeit bequemten wir uns dann auch zur Bühne, genossen Kartoffelpuffer und Käsekrainer zu den Klängen von ENCLAVE und UZZIEL. Letztere fand ich nicht übel, auch wenn das nichts ist, wovon ich mir eine Platte kaufen würde. Gestärkt gingen wir wieder zurück zum Zelt, um dort ein wenig auszuruhen und zu trinken. So verging die Zeit wie im Flug, von den Bands, die ich vom Zelt aus gehört habe, sind mir nur DOOMAS ausgesprochen positiv im Gedächtnis geblieben. Da habe ich zum einzigen Mal bereut, nicht vor der Bühne gewesen zu sein. Um 19:30 folgte mit BENIGHTED die erste große Band des Tages. War sehr gut, was die Franzosen da in die Menge feuerten. Beinharter Deathgrind, auf den ich dankenswerter Weise erst hier im Forum aufmerksam gemacht wurde. Hat mir sehr gut gefallen – und ich hätte es nicht gedacht, das war sogar eine ausgesprochen sympathische Truppe, die da auf der Bühne gewütet hat. Gleich darauf folgten VALKYRIJA, eine Band, die ich im Dezember 2014 beim Eindhoven Metal Meeting erstmals gesehen hatte. Was für ein Kontrast zu BENIGHTED – nach den musikalisch grindigen Franzosen standen nun optisch grindige Schweden auf der Bühne. Die (vor allem der Sänger) waren in Lumpen gehüllt und mit Corpsepaint versehen und spielten entsprechend räudigen Black Metal. Ja, trotz des Bandnamens gab es hier überhaupt keine heidnische Fröhlichkeit sondern die volle Ladung Misanthropie und Nihilismus. Mir hat’s sehr gut gefallen – und Sänger A.L. war auf eine verrückt-manische Art ziemlich charismatisch – auch wenn ich das verottete Kapuzenteil, das er sich dauernd über Kopf und Mund zog, lieber nicht riechen möchte. Jedenfalls: Gute Show, ich hab mir gleich auf dem Rückweg zum Auto die Vinyl-Version vom 2010er-Album „Contamination“ gekauft.

Marduk (SWE)

Routiniert: Marduk

Auf dem Rückweg? Ja, es war inzwischen so kalt, das wir beschlossen, uns kurz im Auto aufzuwärmen. Auf der Bühne standen zu der Zeit KRISIUN. Hätte ich ganz gerne gesehen, aber mein erbärmlicher, alkohol- und kältebedingter Zustand ließ es nicht zu. Gut angehört hat sich das Brett aber. Immerhin ein kleiner Trost: Nächstes Jahr spielen sie in Tolmin bei den MetalDays, da werde ich wieder eine Möglichkeit haben. Nach KRISIUN kam die zweite, abgefuckte Schwedenband (nach VALKYRIJA) auf die Bühne: MARDUK, also die Truppe, wegen der wir hauptsächlich da waren. Gut, ganz so abgefuckt wie ihre Landsleute sehen MARDUK natürlich nicht aus, aber immerhin: Das Corpsepaint saß, die Nieten ebenfalls. Furios legte man mit „Frontschwein“ vom aktuellen Album gleichen Namens los – ein perfekter Einstieg. Soweit man das bei einer solchen Band sagen kann, wirkten die finsteren Typen ganz zufrieden mit den Reaktionen des Publikums – viele Ansagen, Dankesworte u. ä. kann man eh nicht erwarten. Den Rest der Setlist fand ich persönlich jetzt nicht so berauschend. Gut, mit „The Blond Beast“ war noch ein aktueller Kracher am Start, der sehr gut ankam. Aber sonst fehlten mir ein paar markige Nummern der Kategorie „Wolves“, „Nightwing“ oder „World Funeral“. Stattdessen gab es das uralte „The Black…“ (sehr cool!), „Into Utter Madness“, das großartige „Burn My Coffin“, „Warschau“ und das ebenfalls sehr stark dargebotene „Slay The Nazarene“. Daneben noch ein bisschen was vom „Frontschwein“-Album, namentlich „Wartheland“. Und natürlich das unvermeidliche „Panzer Divison Marduk“ ganz am Schluss. Es war insgesamt eine gute, aber auch ein wenig routiniert wirkende Darbietung. Die Diskussionen, die ich unter den Fans später mit einem Ohr so hören konnte, drehten sich vor allem um die ihres Erachtens enttäuschende Setlist. So falsch lag ich mit meiner Einschätzung also nicht, auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich wirklich enttäuscht war. Nach MARDUK standen zwar noch SCARECROW N.W.A. als Rausschmeißer auf der Bühne, die habe ich mir aber nicht mehr gegeben. Obwohl sie vom Zelt aus nicht übel klangen.

Samstag, 22. August 2015

Selbstentleibung (AUT)

Stilvoll: Selbstentleibung

Auch diesmal ging es nach einigen kleineren Getränken darum, was man zu Mittag machen sollte. Die erste Band (SILIUS) war wiederum für 12 Uhr angekündigt, eindeutig zu früh. Da wir vom Festival-Fressen langsam genug hatten, beschlossen wir, den Fußmarsch in den Ort (ca 20 Minuten) auf uns zu nehmen. Keine schlechte Entscheidung, im Gasthaus speiste es sich im Kreise anderer Metalheads sehr angenehm. Nur, dass man dort keine Musik einschaltete, war eine herbe Enttäuschung. Andererseits wären wir in dem Fall sicher länger geblieben und dort wohl auch erst ordentlich berauscht wieder weg gegangen, was böse hätte enden könne. Als wir auf dem Rückweg zum Zelt wieder an der Bühne vorbeikamen, spielten gerade THE MORPHEAN, keine Ahnung, wie das klang, kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass es ein Highlight gewesen wäre. Eine Verschnaufpause beim Zelt verbrachte ich im Dämmerschlaf, um dann zu den Klängen von „Metalkutte“ bzw. dann MATER MONSTIFERA langsam wieder zu mir zu kommen. Die klangen jedenfalls mehr als passabel, wir gingen dann auch langsam wieder los – um nämlich rechtzeitig für SELBSTENTLEIBUNG wieder vor der Bühne zu stehen. Bei so einem Bandnamen kann man denken, was einen erwartet – und so war es auch. Ekelhaft abgerissene Gestalten in Schwarz bzw. mit versifften weißen Bandshirts mit dem eigenen Bandlogo, dazu verhältnismäßig sauberes Corpsepaint standen auf der Bühne. Das Konzerterlebnis war sehr intensiv, die Band ist rockiger, als man annehmen könnte. Sänger „Tötung“ war der helle Wahnsinn – ein Typ mit der Optik eines (dünnen) Captain Spaulding (aus „The Devil’s Rejects“), dem Gehabe von Alan Averill (PRIMORDIAL) und dem Organ von Gaahl (ex-GORGOROTH). Der brüllte sich wahrlich die Seele aus dem Leib. Eine sehr gute Show, wie ich finde – und als ich dann den Sänger im Publikum sah und kurz zum Gig kontrollierte, konnte ich den Mann mit dem breiten Wiener Akzent kaum noch dem Irrwisch auf der Bühne zuordnen. Ich glaube das war auch der gleiche Kerl, den ich ein paar Stunden vorher im Wirtshaus die Katze habe streicheln sehen… Corpsepaint ist der Wahnsinn.

Gutalax (CZE)

Geschmackvoll: Gutalax

Nach diesem „Gefecht“ lauerte gleich der nächste Irrsinn. Eine Band mit dem wohlklingenden Namen GUTALAX. Davon habe ich meinen Lebtag noch nichts gehört – aber ein Standler vom Merchandise sagte mir im Vertrauen, dass das wohl die beste Band auf dem ganzen Festival wäre. Hatte nicht ganz Unrecht, auch wenn ich wegen GUTALAX wohl keine Reise machen werde. Ich weiß nicht, ob jemand diese Truppe kennt, aber mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was da abging. Gekleidet waren die Tschechen in Ganzkörperoveralls (diese weißen, die aus einer Art Papier oder so bestehen), manche hatten auch Gasmasken auf. Der „Anzug“ des Sängers war braun beschmiert, wohl um ihrem Beinahmen „The Lords of the Brown Ring“ alle Ehre zu machen. Zu Beginn der Show folgen Klopapier-Rollen ins Publikum, dann ging es auch schon los. Mit einer Art Grindcore würde ich sagen. Textlich drehte sich wohl alles um das Thema Verdauung und deren Endprodukte, wobei ich das nur aus den Songtiteln entnehmen konnte. Zu verstehen war nämlich nix – der Sänger hörte sich wahlweise wie ein normal grunzendes, dann wieder wie ein Schwein an, das gerade abgestochen wird. Meist hörte man aber nur etwas, das sich wie „Rah rah rah-rah-rah“ oder so anhörte. Lyrics sind auch im Netz keine zu finden – also wird das wohl alles sein. Im Publikum wurden auch immer wieder Schilder mit der Aufschrift „Ralph“ hochgehalten – vielleicht war auch das der Text. Insgesamt war die Musik aber überraschend eingängig und kompakt gespielt. Was im Publikum abging, spottet auch jeder Beschreibung – Mosh und Circle-Pits, wie sie keine andere Truppe auf diesem Festival zu sehen bekam. Die Leute (die die Band offenbar besser als ich kannten) flippten komplett aus – viele waren auch ähnlich wie die Truppe auf der Bühne gekleidet, manche hatten Hüte/Masken auf, die wie Hunde- (oder Menschen-)Kot aussahen. Einfach nicht zu fassen – hier ein Video von einem andern Auftritt für alle, die sich darunter nichts vorstellen können. Empfehlenswert auch der Backpatch für die nächste Metalkutte: Zwei gekreuzte Klobürsten unter dem Bandlogo. ‚Nuff said.

Nach dieser Performance mussten die beiden folgenden Bands fast …ähem… abstinken. Was sie trotz grundsätzlich guter Musik auch taten. Zunächst GOD DETHRONED, von denen ich gar nicht wusste, dass sie noch aktiv sind. Naja, das letzte, was ich von denen gut fand war „Into The Lungs Of Hell“, was leider nicht gespielt wurde. In Erinnerung geblieben sind mir nur „Nihilism“ und „Soul Sweeper“, die ich passabel fand, außerdem der Rausschmeißer „Villa Vampiria“. Ich glaube, diese Band hat fertig, noch dazu fand ich sie nicht sonderlich sympathisch. ROTTING CHRIST finde ich hingegen eine sehr sympathische Truppe – eine von denen, die schon ewig dabei ist und wohl nie was Großes reißen wird und trotzdem weitermacht. Einfach cool, wie sie sich bemühen und fast die Köpfe beim Bangen abschrauben – und die Songs sind großteils ja auch gut. Aber gerade in diesem Bereich gibt es mit BEHEMOTH einen uneinholbaren Spitzenreiter. Naja, die Show war jedenfalls ganz gut, auch wenn mir ein paar Hits á lá „King Of A Stellar War“ gefehlt haben. Leider dürfte das Publikum immer noch von GUTALAX ermüdet gewesen sein.

Das bekamen auch die Briten von ANAAL NATHRAKH zu spüren – wobei es hier durchaus auch an der chaotischen Musik gelegen haben könnte. Auch hier: Sympathische Band, aber so richtig groß werden die wohl nie. Das scheinen sie auch zu wissen, denn Sänger Dave „V.I.T.R.I.O.L.“ Hunt sprach z.B davon, dass ihr Backdrop aussehen würde, als hätten sie ein T-Shirt hinter dem Drumkit aufgehängt und sie nichts hätten, was mit anderen Bands hier vergleichbar wäre (was angesichts der Festival-Größe und der Bandauswahl eine gewagte Aussage war). Naja, jedenfalls freute sich die Truppe über die teilweise doch sehr guten Publikumsreaktionen enorm. Lediglich der schüchternen Bitte des Gitarristen („May we have some crowd-surfers please?“) wurde nicht nachgekommen. Ich persönlich kann diese Band jetzt unter „endlich einmal gesehen“ abheften, meine Lieblingstruppe wird sie aber nicht werden.

Dark Funeral (SWE)

(Zu) laut: Dark Funeral

Das Finale des heurigen KOA bestritt eine weitere Truppe aus Schweden. DARK FUNERAL gaben sich die Ehre, was an sich schon Seltenheitswert hat. An dieser Stelle kann man sich natürlich fragen, warum mit MARDUK, VALKYRIJA und DARK FUNERAL drei sehr ähnliche schwedische Black Metal-Kommandos gebucht wurden und nicht zum Ausgleich z. B. eine norwegische Truppe am Start war. Mich hat es jetzt nicht gestört – aber ein bisschen gewundert habe ich mich. Unabhängig davon hat der Auftritt von DARK FUNERAL gezeigt, dass sie es zwar durchaus drauf haben, andererseits aber nicht umsonst nicht ganz oben in ihrem Genre stehen. Klanglich sind sie z. B. durchaus auf einer Ebene mit MARDUK – die haben aber ein paar Variationen mehr in ihrem Tempo, während DARK FUNERAL fast nur Vollgas geben. Auch optisch ist bei DARK FUNERAL alles ein wenig hausbacken. So richtig charismatisch wirkt keiner aus der Truppe, hier tut der Abgang von Sänger Emperor Magnus Caligula wohl am meisten weh. Dessen Nachfolger, der auf den Namen Heljarmadr hört, war zwar stimmlich in Ordnung, wirkte in seiner Lederrüstung mit schwarzem Longsleeve (!!) darunter jedoch nicht so souverän. Aber zumindest Bassist Natt und einer der Gitarristen (keine Ahnung welcher das war, jedenfalls der, der vom Publikum aus gesehen links stand), waren einigermaßen beeindruckend anzusehen. Ansonsten dominierten „schönes“ Corpsepaint (also eher IMMORTAL-Style), Lederrüstungen und saubere Lederklamotten mit Nieten usw. Old-School also, aber irgendwie schon ein bisschen zum Schmunzeln. Musikalisch war aber alles gut, da waren mit „The Arrival Of Satan’s Empire“, „Nail Them To The Cross“, „Hail Murder“ und – vor allem – den großartigen Songs „666 Voices Inside“ und „My Funeral“ einige starke Nummern dabei. Lediglich die Lautstärke war nicht mehr schön – ja, Metal muss laut sein, aber was der Tonmann da bei DARK FUNERAL angestellt hat, weiß ich nicht. Da war teilweise außer einem undifferenzierten, extrem lauten Soundbrei wirklich nichts mehr zu hören. Davon abgesehen: An der Black Metal-Front des KOA steht es damit für mich unentschieden zwischen MARDUK und DARK FUNERAL, die jeweils um eine Nuance vor VALKYRIJA liegen. Den fauligen Atem der mehr als 10 Jahre jüngeren Truppe werden die beiden Veteranen jedenfalls schon stark im Nacken spüren. Schön, dass sich da was tut!

Dark Funeral (SWE)

Aufwärmen vor und auf der Bühne

Nach DARK FUNERAL, bei denen man sich wie schon am Vorabend bei MARDUK sehr gut an den Feuersäulen, die laufend vor der Bühne gezündet wurden, aufwärmen konnte, ging es zurück zum Zelt, um am nächsten Tag ausgeruht die Heimreise antreten zu können. Viel geschlafen habe ich nicht – irgendein Idiot hat es sich nicht nehmen lassen, auf unser Zelt zu springen. Während wir drin waren. Viel ist nicht passiert (ein oder zwei verbogene Stangen), danach hörte man aber natürlich das Gras wachsen. So ein dummer Pisser kann einem schon das Festival versauen, wenn das in einer der Nächte vorher passiert. Erwischt habe ich ihn auch nicht, nur einen Ellbogenstoß durch die Zeltwand konnte ich anbringen. Bis ich aus dem Schlafsack und dem Zelt war, war der Mistkerl leider über alle Berge.


Fazit: Musikalisch und Location-technisch war das Kaltenbach Open Air 2015 Top. Der Sound war super, das Essen war gut, die Preise waren mehr als fair, die Organisation hat reibungslos geklappt – was will man sonst noch? Vielleicht ein ausgesuchteres Publikum (Leute, die Zelte zerstören, Dixies umschmeißen, Autos zerkratzen und anfahren, um den Fahrerflucht zu begehen sowie Nazi-Idioten gehen gar nicht – und fallen auf so einem kleinen Festival natürlich extrem auf). Aber das war zum Glück nicht die Regel – die meisten Besucher waren sehr nett. Gleiches gilt auch für die Security; wobei die Crew, die vor der Bühne steht und damit direkt für die Sicherheit von Bands und Publikum verantwortlich ist, nicht unbedingt vor den Leuten Bier und Härteres trinken sollte). Ansonsten: Ein paar Toiletten mehr, vor allem im Bühnenbereich, hätten nicht geschadet – aber das ist ja eh immer so.

Ob ich die Reise nach Kaltenbach noch einmal antreten werde, weiß ich noch nicht. Kommt wohl stark auf die Bands an – und wie man mit „problematisch gesinnten Fans“ umgeht. Beispielsweise hat auf der Facebook-Seite des Festivals gerade unlängst jemand verlangt, dass man doch einmal Satanic Warmaster verpflichten könnte. Da kam zum Glück die deutliche und sofortige Absage durch den Veranstalter. Respekt und Hörner hoch dafür!


PS: Wer möchte, kann sich die „Metalkutte“ hier geben. Auf eigene Gefahr.


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  6. Agalloch wären neben Krisiun der Hauptgrund gewesen, wieso ich 2015 gerne wieder aufs Kaltenbach gefahren wäre, zumal sie mich in der Woche davor am Summer Breeze wirklich umgehauen haben. Letztendlich hab ich mich dann aber aus gesundheitlichen Gründen doch gegen das Festival entschieden, weil es am Summer Breeze (und wie ich hörte auch am Kaltenbach) richtig kalt war. 2014 war bisher das einzige Mal, dass ich dort war, und ich bin nicht sicher, ob ich nochmal hin fahre, da ich auch einige sehr negative Erfahrungen mit Besuchern dort gemacht habe…

    LG
    Volume Injection – Live loud!

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