BuchWelt: Die Wellen ersticken den Wind

Arkadi & Boris Strugatzki


„Die Wellen ersticken den Wind“ ist ein gelungener Abschluss der „Kammerer-Trilogie“. Gewohnt herausfordernd trotz ungewohntem Aufbau lädt das Buch dazu ein, sich mit dem Wesen der Menschheit zu beschäftigen. Von diesem Gesichtspunkt aus kann man den Roman nur als gelungen bezeichnen. Eine hohe Punktzahl geht damit meiner Ansicht nach in Ordnung. Übrigens: Man sollte die Vorgängerromane gelesen haben, bevor man zu diesem Buch greift. Die Verbindung ist zwar eher locker, dennoch wird ansonsten Vieles absolut unverständlich bleiben.

Gesamteindruck: 6/7


Die Kunst der Rekonstruktion.

Es ist nicht einfach mit den Romanen von Arkadi und Boris Strugatzki. Mit ein Grund dafür sind die vielen „weißen Stellen“, in ihren Erzählungen. Also Teile, an denen wichtige Informationen zu fehlen scheinen, die nach einer Eigeninterpretation des Lesers verlangen. Genau das ist es, was viele Leser modernerer Science Fiction abschrecken wird; und genau das ist es auch, was die Bücher der russischen Schriftsteller-Brüder so interessant und lesenswert macht. Denn auch abseits der von den Autoren ursprünglich vorgesehenen Interpretationsmöglichkeiten, die sich großteils auf das kommunistische Russland ihrer Zeit beziehen, gibt es immer aktuelle Lesarten für ihre Bücher. Dass das mitunter anstrengend sein kann und nicht nebenher funktioniert, soll nicht unerwähnt bleiben. Wer die leichte Unterhaltung sucht, sollte also auch von „Die Wellen ersticken den Wind“ die Finger lassen.

Stilistisch unterscheidet sich dieser dritte und letzte Teil der Trilogie um Maxim „Mak Sim“ Kammerer grundlegend von seinen Vorgängern (was auch kein Wunder ist – „Die bewohnte Insel“ erschien 1969, „Ein Käfer im Ameisenhaufen“ 1979). Die Geschichte setzt sich aus Teilen von Dokumenten und Interviews zusammen, hat also einen ähnlichen Charakter wie beispielsweise „Dracula“ von Bram Stoker. Im Gegensatz dazu ist „Die Wellen ersticken den Wind“ allerdings im typischen Strugatzki-Stil verfasst, also sehr trocken und ausgesprochen komplex. In diesem Buch hat sich die eigentliche Hauptfigur, also Maxim Kammerer, noch mehr von seiner ursprünglichen Rolle entfernt, als in „Ein Käfer im Ameisenhaufen“. Diesmal ist er überhaupt nur Interpret für von einem Anderen vorgelegte Dokumente, in denen außergewöhnliche Ereignisse beschrieben werden, die auf Aktivitäten der Wanderer auf der Erde hinweisen. Was das letztlich bedeutet und ob sich tatsächlich außerirdische „Progressoren“ auf der Erde befinden, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: In üblicher Strugatzki-Manier ist nichts wie es scheint und der Leser muss am Ende selbst entscheiden, wie er die Handlung verstehen will.

Wobei es nicht ganz so „schlimm“ ist. In der aktuellsten Gesamtfassung gibt es auch zu dieser Geschichte die Erläuterungen von Boris Strugatzki, die einiges klarer werden lassen. Dennoch bleibt mehr als genug Spielraum für eigene Gedankenexperimente.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: Волны гасят ветер.
Erstveröffentlichung: 1985
Umfang: 158 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 1.“


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