MusikWelt: Unisonic

Unisonic


Seien wir uns ehrlich: Wer vom Gespann Kiske/Hansen nicht etwas erwartet hat, das wenigstens ungefähr in Richtung Helloween geht, hat entweder keinen emotionalen Bezug zur guten, alten Zeit oder einfach noch nie was von den beiden gehört. Oder beides. Unabhängig davon: Wenn man das und das teils durchwachsene Songwriting sowie die um eine Spur zu glatte Produktion zusammen nimmt, reicht es für wohlwollende fünf Punkte. Ich gebe auch gleich zu, dass ich diese vier als Fan von Kiske und Hansen vergebe. Bei jeder anderen Band wäre ich wohl strenger gewesen und hätte mindestens einen Zähler abziehen müssen…  

Gesamteindruck: 5/7


Eine Frage der Erwartungen.

Michael Kiske und Kai Hansen, die beiden bekanntesten Männer dieser Band, zu der außerdem Gitarrist Mandy Meyer (ex-Gotthard), Drummer Kosta Zafiriou und Bassist Dennis Ward (beide (ex-)Pink Cream 69) gehören, taten nicht wirklich etwas, um die Erwartunghaltung zu entkräften. Im Gegenteil, auf der Vorab-EP „Ignition“ fand sich mit dem Kernstück „Unisonic“ ein Song, der den Geist der Vergangenheit sofort aufleben ließ. Manchen öffentlichen Rezensenten geht das so gegen den Strich, dass sie sogar von „Etikettenschwindel“ sprechen, was natürlich völliger Blödsinn ist. Dennoch ist es so, dass die Full-Length-CD „Unisonic“ doch ein wenig anders klingt, als man es nach dem flotten, das Album eröffnenden Titeltrack erwartet.

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Metal im engeren Sinne haben Unisonic recht wenig am Hut. Das merkt man insbesondere an der Gitarrenarbeit, die vergleichsweise im Hintergrund steht – abgesehen von einigen fetzigen und sehr gelungenen Soloeinlagen. Auch das Tempo ist deutlicher im Hard Rock als im Heavy Metal angesiedelt. Stellenweise lassen die Stücke vom Aufbau her recht deutlich an (wen wundert’s?) Pink Cream 69 oder Place Vendome denken. Sogar Reminiszenzen von Bon Jovi sind zu erkennen – also alles, nur kein Heavy Metal á lá Helloween und Gamma Ray (außer in homöpathischen Dosen). Und das obwohl, Kai Hansen bei sieben der elf regulären Tracks als (Co-)Komponist gelistet wird. Daran merkt man, dass der sympathische Hamburger sich offenbar tatsächlich mal an einem anderen Genre versuchen wollte. Nichts verlernt hat übrigens Michael Kiske. Der Mann singt nach wie vor – und ich übertreibe nur ein bisschen – gottgleich. Seine Stimme ist auf jedem einzelnen Track einfach unglaublich, umso wehmütiger denkt man an die seligen „Keeper“-Zeiten zurück, mit denen man eigentlich schon längst abgeschlossen hatte.

Das sind die Fakten, die man bedenken muss, bevor man sich eine Anschaffung von „Unisonic“ überlegt und danach möglicherweise schwer enttäuscht ist. Was das Songwriting (primär von Hansen und Ward übernommen) angeht, bin ich etwas hin- und hergerissen. Die musikalische Qualität ist allen Beteiligten natürlich nicht abzusprechen – aber ein wenig unspektakulär kommt ihr Debütalbum schon daher, sogar dann, wenn man nicht mit völlig überzogenen Erwartungen ran geht. Dennoch, nach einigen Durchläufen kristallisieren sich einige starke Songs heraus: Der Opener und Titeltrack ist – wie beschrieben – die härteste und in meinen Ohren auch beste Nummer der Platte. Ein geradliniger Metal-Song ohne viel Schnickschnack, mit super Bridge. Setzt sich schnell im Gehörgang fest und bleibt dann auch dort. Ebenfalls recht metallisch angehaucht sind das an neuere Gamma Ray erinnernde „My Sanctuary“ und der famose Stampfer „King For A Day“, zwei klasse Stücke, die keine Wünsche offen lassen. Von den rockigeren Stücken überzeugt mich nur „Souls Alive“ zu 100 Prozent – was für eine Hammer-Bridge/Refrain-Kombination!

Alle anderen Stücke brauchen ein paar Durchgänge mehr und wollen auch dann nicht so recht zünden. Sehr schwach ist insbesondere das schlicht und einfach stinklangweilige „I’ve Tried“ von dem nichts hängen bleibt. Die obligatorische Ballade „No One Ever Sees Me“ ist glücklicherweise das einzige von Kiske allein geschriebene Stück – ein begnadeter Songwriter war der Mann ja noch nie und dieser Song hört sich irgendwie wie ein Weihnachtslied an. Totalausfall! Der Rest ist durchschnittlich, wie beispielsweise die an GammaWeen-Ausschusstracks erinnernden „Never Too Late“ und „We Rise“ – weder schlecht noch außergewöhnlich gut. Lediglich bei „Star Rider“, das ein bisschen an David Bowie denken lässt, horcht man ein wenig auf.

Einen Punkteabzug gibt es von mir in der Kür. Meiner Ansicht nach hätte es der Platte sehr gut getan, wenn man Kai Hansen ein paar Gesangsspuren mehr gegönnt hätte. Wie gesagt, Michael Kiske singt jedes Stück hervorragend, aber ein bisschen Kontrastprogramm durch die eigenwillige Stimme von Hansen wäre schon schön gewesen, wie man in „King For A Day“ nachhören kann. Schade, hier wurde viel Potential verschenkt.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Unisonic – 3:27 – 7/7
  2. Souls Alive – 5:15 – 7/7
  3. Never Too Late – 4:29 – 4/7
  4. I’ve Tried – 4:55 – 2/7
  5. Star Rider – 4:19 – 5/7
  6. Never Change Me − 3:44 − 3/7
  7. Renegade − 4:38 − 4/7
  8. My Sanctuary − 4:17 − 6/7
  9. King For A Day − 4:10 − 7/7
  10. We Rise − 4:40 − 3/7
  11. No One Ever Sees Me – 6:16 – 1/7

Gesamteindruck: 5/7 


Unisonic auf “Unisonic” (2012):

  • Michael Kiske − Vocals
  • Kai Hansen − Guitar, Vocals
  • Mandy Meyer − Guitar
  • Dennis Ward − Bass
  • Kosta Zafiriou − Drums

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