SpielWelt: Gothic 3

Im Endeffekt können „Gothic“-Fans hierfür eigentlich kaum mehr als 4 Punkte geben. Auch wenn softwaretechnisch im Laufe der Jahre nachgebessert wurde – beim Inhalt liegt einfach zu viel im Argen. „Gothic“-Neulinge können noch mindestens einen Punkt abziehen, sollten sie mit diesem Teil in die Serie einsteigen. Die ohnehin dünne Story erklärt praktisch keine Zusammenhänge mit den Vorgängern und man steht somit komplett im Regen – zumindest wenn man sich wirklich für die Hintergrundgeschichte interessiert. Der altbekannte „Gothic“-Suchtfaktor stellt sich zwar im Großen und Ganzen noch immer ein, ist aber doch ein wenig getrübt – und vor allem nicht mehr so anhaltend.

Gesamteindruck: 4/7


Reicht nicht an die Vorgänger heran.

Nach den ersten beiden Teilen der „Gothic“-Serie hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass Teil 3 das Publikum derart polarisieren würde. Wenn man jetzt – da einige Jahre vergangen sind – versucht, so emotionslos wie möglich an das Ganze heranzugehen, um so halbwegs objektiv zu bleiben (vollständige Objektivität ist ja, wie jeder Rezensent wissen sollte, nicht möglich), bleiben folgende Punkte stehen:

Das Spiel war bei Auslieferung durch große und kleine Bugs praktisch unspielbar. Diese Probleme wurden zwar mittlerweile weitgehend behoben, nichtsdestotrotz ist das ein großer Kritikpunkt. Immerhin ist es so, dass man viel Geld für ein Spiel bezahlt hat und dafür auch ein einwandfreies Produkt erwarten kann (muss). Hier macht es sich der Hersteller und auch viele der Fans etwas zu einfach, wenn sie sagen, dass mittlerweile alles perfekt funktioniert. Wenn dafür erst eine große Anzahl an Patches, die zum Teil „nur“ von der Community erstellt wurden, notwendig sind, ist eindeutig etwas falsch gelaufen.

Als durchaus positiv ist hingegen das allgemeine Spielgefühl zu werten. Man befindet sich in einer Welt, die typisch für „Gothic“ ist. Dazu gehören zum einen die vielen NPCs, die wie immer mit ihrer lockeren Ausdrucksweise und den bekannt guten Synchronsprechern überzeugen. Auch die Spielwelt ist sehr gut gelungen, wurde vergrößert (was aber nicht unbedingt ein großer Vorteil ist) und beeindruckt mit toller Grafik, vielen liebevollen Details und schöner Naturkulisse. Die Kreaturen, die diese Welt bevölkern, sind ebenfalls in Ordnung, wenngleich es hier nach wie vor die von anderen Kritikern immer wieder angesprochenen Balancing-Probleme gibt. Gelungen ist auch der Aufbau der Spielwelt an sich, der sehr herausfordernd ist – vor allem durch die gewohnt rudimentäre Landkarte. Ein Atmosphäre-Dämpfer (neben vielen anderen Kleinigkeiten) ist dagegen, dass beispielsweise Skelette oder Golems bei Treffern bluten. Das verwundert doch einigermaßen, da hier schon Teil eins Knochen- bzw. Steinsplitter bot!

Es gibt aber auch abseits der Bugs Punkte, die einfach enttäuschend sind. Neben dem unausgegorenen Balancing (Stichwort Flammenschwert, Truheninhalte, Stärke von Orks vs. Stärke von Kreaturen usw.) ist vor allem die Story ein Problem. Sie ist nämlich kaum vorhanden und der Held wird mehr oder weniger allein gelassen. Dieses Konzept klappt zwar in der „The Elder Scrolls“-Reihe sehr gut, die „Gothic 3“-Programmierer haben es aber leider nicht geschafft, dadurch zu fesseln. Mit ein Grund dafür sind einerseits die Quests, die einfach viel zu wenig Abwechslung bieten und andererseits das Questlog selbst, das einfach unfertig und – banal ausgedrückt – schlecht wirkt. Dass dort nur Dialoge wiedergegeben werden kann mitunter wirklich zum Problem werden, wenn aus denen nicht hervorgeht, wo man zum Beispiel den Auftrag bekommen hat. Unverständlich, hier hatten die beiden Vorgänger einiges mehr zu bieten. Mehr zu bieten hatten früher auch die Freunde des Helden. So toll viele andere NPCs umgesetzt wurden, die alten Weggefährten sind erschreckend farblose Randfiguren. Unfertig wirkt auch das Ende des Spiels – es gibt zwar drei alternative Schlüsse, so richtig überzeugend ist aber keiner davon.

Die grundsätzlichen Veränderungen gegenüber den Vorgängern stören mich hingegen weniger. Dass man mit Orks nun sprechen und sich ihnen sogar anschließen kann, finde ich eine Bereicherung. Dass die Orks die Städte der Menschen besetzt halten ist eine interessante Sache, auch die Entscheidungen, die das für den Spieler mit sich bringt; nach 3 oder 4 Städten wird es dann aber doch eintönig. Das neue Kampsystem ist zwar auf Dauer etwas stupide, aber für Massenkämpfe auf jeden Fall besser geeignet als die alte Steuerung.

Insgesamt ist das aber im Vergleich zum Geniestreich „Gothic“ und zum absoluten Meisterwerk „Gothic II“ keine Leistung, auf die Piranha Bytes stolz sein kann. Daran hat sich auch in den fast schon 10 Jahren, die zwischen dem Zeitpunkt dieser Rezension und dem Erscheinen von „Gothic 3“ liegen, nichts geändert.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: Piranha Bytes
Jahr: 2006
Gespielt auf: PC


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4 Gedanken zu “SpielWelt: Gothic 3

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