BuchWelt: Schlafes Bruder

Robert Schneider


„Schlafes Bruder“ hätte die Höchstwertung erhalten können. Aber: Robert Schneider entwickelt an mehreren Stellen im Buch eine Tendenz zu ausufernden Beschreibungen. Die Superlative und merkwürdigen Ausdrücke, in denen er versucht, die Musik seiner Hauptfigur in Worte umzusetzen, ist für mich schlicht unlesbar. Ganze Abschnitte werden zu langwierigen und -weiligen Passagen über die Kunst einzelner Partituren und des Orgelspiels im Allgemeinen. Es ist schon klar, dass der Autor das besondere Talent seines Hauptcharakters herauszustellen versucht, was ihm auch gelingt. Er übertreibt es nur leider, sodass einige Passagen zum Querlesen einladen. Ohne diese Problematik hätte es die volle Punktzahl geben können.

Gesamteindruck: 6/7


Wortgewaltige Geschichte über unentdecktes Wunderkind.

Zunächst muss man konstatieren: „Schlafes Bruder“ hat tatsächlich – wie gelegentlich von Lesern angemerkt wird – eine gewisse Ähnlichkeit zum 1985 erschienen Roman Das Parfum (Patrick Süskind). Hier wie dort gibt es ein in seiner Kindheit unerkanntes Genie, das aufgrund seiner besonderen Begabungen unter seiner archaischen Umgebung leiden muss. Auch unerfüllte Liebe und der Versuch, aus dem engen Milieu auszubrechen, spielen in beiden Romanen eine Rolle.

Dennoch kann „Schlafes Bruder“ sehr gut für sich bestehen. „Das Parfum“ ist brutaler, direkter, handlungsintensiver, während „Schlafes Bruder“ düsterer und abstrakter daherkommt. Robert Schneider gelingt es, in einer altmodisch eingefärbten Sprache mit zahlreichen quasi-dialektischen Elementen, die Lebensumstände seines (Anti-)Helden ausgesprochen realitätsnah zu beschreiben. Das Umfeld von Tradition, Armut, Inzest und ungebildeten Bauern, in das der Autor seine Figuren setzt, wird bedrückend realistisch dargestellt. Die Betroffenheit steigert sich noch durch eine Art „Wir-Gefühl“ zwischen Erzähler und Leser, das Schneider durch geschickte Hinweise schafft und das zusätzlich das Gefühl erzeugt, eine vollkommen reale Geschichte zu lesen. Geschrieben ist „Schlafes Bruder“ sehr flüssig, das Buch ist (zumindest großteils) schnell und einfach zu lesen.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Robert Schneider
Originaltitel: Schlafes Bruder.
Erstveröffentlichung: 1992
Umfang: 204 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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