BuchWelt: „Millennium-Trilogie“ – Zusammenfassende Bewertung

Stieg Larsson


Nach den Einzel-Rezensionen zu „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ ist an dieser Stelle ein kurzes Fazit über Stieg Larssons „Millennium-Trilogie“ als Ganzes angebracht – damit sich Neueinsteiger bereits vor dem Kauf des ersten Bandes ein Bild machen können.

Gesamteindruck: 5/7


Gut zu lesen, jedoch alles andere als perfekt.

Die Trilogie zu lesen benötigt im Endeffekt mehr Zeit, als man nach Band 1 annehmen möchte. Eine Vermutung ist, dass das Werk ursprünglich gar nicht als Trilogie bzw. Fortsetzungsgeschichte gedacht war – so würden sich zumindest Unterschiede im Erzähltempo zwischen den einzelnen Bänden erklären lassen. Der erste Teil ist wesentlich flüssiger und konsistenter geschrieben als beide Nachfolger, die mit seitenlangem Füllmaterial zu kämpfen haben, das streckenweise völlig überflüssig, andernorts einfach schwach geschrieben ist. Das bremst den Lesefluss gehörig ein und führt dazu, dass man zwischendurch genervt Querlesen möchte.

Wer sich mit dieser Problematik arrangieren kann, sieht sich mit einem weiteren Problem konfrontiert. In Band 1 gibt es nur Andeutungen davon, in Band 2 geht es dann aber mit „Superhelden-Fähigkeiten“ bei den Ermittlern, insbesondere bei Lisbeth Salander, los. Das ist teilweise ausgesprochen unglaubwürdig, speziell für eine an sich so ernsthafte und ernsthaft geschriebene Romanreihe. Auch muss Stieg Larsson ein wenig zu oft den Zufall bzw. eine Art „deus ex machina“ bemühen, um die Protagonisten auf die richtige Spur zu lotsen oder einer scheinbar ausweglosen Situation zu befreien.

Davon abgesehen ist die „Millennium-Trilogie“ eine gute, wenn auch nicht ausgezeichnete Thriller-Reihe. Mir persönlich sind die angesprochenen Mängel ein bisschen zu schwerwiegend für eine bessere Gesamtwertung. Die Filme habe ich in meiner Wertung übrigens bewusst völlig außen vor gelassen – zum Einen, weil ich nur Teile der schwedischen Verfilmung kenne, zum anderen, weil ich nicht der Ansicht bin, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat.

Einzelwertungen:

  1. Verblendung: 4/7
  2. Verdammnis: 4/7
  3. Vergebung: 5/7

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Stieg Larsson
Umfang: 3 Bände, ca. 2.300 Seiten
Originaltitel:
Män som hatar kvinnor / Flickan som lekte med elden / Luftslottet som sprängdes
Gelesene Sprache: Deutsch


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BuchWelt: Vergebung

Stieg Larsson


Trotz einiger Mängel ist „Vergebung“ durchaus lesenswert. Allein damit man – wenn man es bis zu Teil 3 der „Millennium-Trilogie“ geschafft hat – erfährt, wie alles ausgeht. Auch ist es ja nicht so, dass sich Stieg Larsson nicht auf gutes Schreiben versteht – er füllt nur einfach immer wieder Seiten mit langweiligem Material. Wenn man darüber hinwegsehen kann, erhält man mit „Vergebung“ einen guten, wenn auch nicht erstklassigen Thriller.

Gesamteindruck: 5/7


Furioses, oft konstruiert wirkendes Finale mit kleineren Längen.

„Vergebung“ ist das Finale der „Millennium-Trilogie“ des schwedischen Autors Stieg Larsson, der in diesem Buch versucht, die losen Enden der Vorgänger halbwegs brauchbar zusammenzuführen. Das gelingt ihm großteils gut, manchmal schießt er allerdings über das Ziel hinaus.

Zunächst fällt auf, dass sich ein großer Teil der Handlung in „Vergebung“ nicht auf die bisherigen Hauptpersonen Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist konzentriert. Das Augenmerk wird viel stärker als noch in den Vorgängern auf deren Gegenspieler bzw. Verbündete gelegt. Prinzipiell fügt das der Trilogie sehr interessante Facetten hinzu, allerdings macht diese Ergänzung einige weitere, sehr langatmige Einführungen notwendig. Insbesondere was die anfangs noch sehr mysteriöse „Sektion“ betrifft, holt Larsson sehr weit in die schwedische Vergangenheit aus. Genaue Beschreibungen sind ja durchaus wünschenswert und löblich – es gelingt dem Autor aber wieder einmal nicht, die Exkurse wirklich spannend und interessant zu gestalten.

Überhaupt bezieht auch dieser Roman seine Spannung allein daraus, die Hauptpersonen bei ihren Ermittlungen zu beobachten. Und auch diesmal ist Lisbeth Salander der wesentlich interessantere, weil vielschichtigere und kontroversere Charakter als der langweilige und im Endeffekt auch unsympathisch wirkende Journalist. Dazwischen gibt es zwar auch lesenswerte Passagen – aber für einen Umfang von ca. 865 Seiten sind das einfach zu wenige. So wirkt alles unnötig in die Länge gezogen.

Davon unabhängig gibt es in „Vergebung“ ein Problem, das auch schon in „Verdammnis“ durchschimmerte: Einiges an der spannenden Kernhandlung wirkt sehr weit hergeholt bzw. konstruiert und unwahrscheinlich. Viel zu oft lässt Larsson den reinen Zufall ein Problem lösen. Das wirkt dann teilweise, als ob er gute Ideen nicht zu Ende gedacht hätte. Sehr schade – einige bis zu „Vergebung“ noch lose Handlungsstränge hätten durchaus bessere Lösungen verdient. Paradoxerweise ist aber gerade die Auflösung für meinen Geschmack zu hastig ausgefallen. Die Ereignisse überschlagen sich, es gibt mehrere Verhaftungen – und genau an dieser Stelle wären ein paar mehr Angaben über das Schicksal der Betroffenen wünschenswert gewesen.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Stieg Larsson
Originaltitel: Luftslottet som sprängdes.
Erstveröffentlichung: 2007
Umfang: 864 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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