FilmWelt: Der Herr der Ringe (1978)

Ich denke, es ist kein Spoiler, wenn man alle potenziellen Interessenten gleich zu Beginn warnt: Dieser Film endet mittendrin, soll heißen, kurz nach der Schlacht bei Helms Klamm. Eine offizielle Fortsetzung gibt es nicht (zumindest nicht vom gleichen Regisseur und im gleichen Stil), es wurde kein Geld dafür locker gemacht. Diese Tatsache zieht die Wertung bei mir nach unten – es ist einfach frustrierend, wenn man um ein der Thematik würdiges Finale gebracht wird. Ansonsten gibt es an diesem ersten Versuch, Tolkiens episches Werk auf Zelluloid zu bannen, nicht so viel auszusetzen, wie man denken könnte.

Gesamteindruck: 4/7


Kein Meisterwerk, aber weit besser als sein Ruf.

Das Drehbuch zur Zeichentrick-Version von „Der Herr der Ringe“ ist in Ordnung – Regisseur Ralph Bakshi hat den Großteil der Schlüsselszenen des Buches in sein Werk aufgenommen. Es kommt durchaus Spannung auf, auch wenn die Figuren sehr flach wirken und praktisch keine Vorstellung bekommen. Trotzdem fiebert man mit, was grundsätzlich ein gutes Zeichen ist. Ähnlich wie einige Jahrzehnte später in Peter Jacksons Realverfilmung wurden auch im Zeichentrickfilm diverse Stationen der Erzählung weggelassen oder stark verändert. So kommt beispielsweise auch in der Zeichentrickversion die Figur des „Tom Bombadil“ nicht vor. Die Charakterzüge einzelner Personen entsprechen übrigens nicht immer nicht der ursprünglichen Beschreibung durch Tolkien, insbesondere bei Frodos Diener Sam fällt das auf. Optisch sehen einige Personen (u. a. Gimli, Aragorn, Elrond) bei weitem nicht so aus, wie man sich das vorstellt – was speziell nach Genuss der Jackson-Verfilmung als störend empfunden werden könnte.

Tricktechnisch erinnert das Ganze ein wenig an die alten „Asterix“-Filme, ist aber nicht ganz so gut umgesetzt. Die Animationen sind sparsam, aber grundsätzlich in Ordnung. Die Farbgebung passt zum Thema, wirkt insgesamt aber ein wenig blass. Es gibt einige „Standbilder“ zu bewundern, die einen ganz eigenen Stil vermitteln – gar nicht schlecht, aber dass Elronds Haus in Bruchtal den Einschlag eines japanischen Tempels hat, ist definitiv Geschmacksache. Eine Besonderheit des Filmes, ein (wie ich finde) sehr gelungenes Alleinstellungsmerkmal, ist die teilweise Verwendung von Realschauspielern anstelle von Zeichentrickfiguren. Nach der Abfilmung wurden diese Szenen im „Rotoskopie“-Verfahren nachgezeichnet. Das schafft eine ganz eigene Atmosphäre, die nach kurzer Eingewöhnungszeit nur als stilvoll und passend bezeichnet werden kann. Insbesondere bei den Orks, die ein wenig an die Sandleute aus „Star Wars“ erinnern, wurde mit dieser Mischvariante gearbeitet.

So viel zur Optik. Was den Ton betrifft, wurde mit der Musikuntermalung meines Erachtens ein wenig zu sparsam umgegangen, auch wenn der Soundtrack an sich sehr gut ist. Die Synchronisation, wirkt bei weitem nicht so professionell wie man das aus den neueren Filmen kennt. Die Sprecher wurden zwar passend gewählt, aber es gibt einige Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten bei der Übersetzung. Das ist zwar nicht allzu störend, aber manchmal unfreiwillig komisch. Zumindest einmal wird im Deutschen „Elb“ und „Elf“ synonym verwendet – was von Tolkien nachweislich nicht so gewünscht bzw. beabsichtigt war. Ansonsten wurden die Sätze teils direkt aus dem Buch (ältere Übersetzung!) übernommen – das kann eigentlich nie ein Fehler sein und sorgt für einige Aha-Erlebnisse.

Aber auch wenn sich die oben beschriebenen Punkte nach viel Kritik anhören, hätte der Film zumindest fünf Punkte verdient. Einen muss man allerdings abziehen, weil man das Gesamtwerk ohne Schluss einfach nicht vollständig beurteilen kann. Übrigens sieht man an einigen Stellen recht deutlich, dass auch Peter Jackson vor seinem Mammutprojekt die Zeichentrickversion ganz genau angeschaut haben dürfte. Manche Szenen wirken bei Jackson wie 1:1 der vermeintlichen Vorlage nachempfunden!

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: The Lord of the Rings
Regie: Ralph Bakshi
Jahr: 1978
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Sprecher (Auswahl): John Hurt, Christopher Guard, William Squire, Anthony Daniels



Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing:

3 Gedanken zu “FilmWelt: Der Herr der Ringe (1978)

  1. Pingback: Filme A-Z | Weltending.
  2. Pingback: BuchWelt: Das Silmarillion | Weltending.
  3. Pingback: BuchWelt: Das Buch der verschollenen Geschichten | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.