MusikWelt: I Begin

God Seed


„I Begin“ ist prinzipiell ein gutes Black Metal-Album geworden, wenn auch das ganze Tamtam, das um diese Veröffentlichung gemacht wurde, auf noch stärkeres Material hoffen ließ. Was mich persönlich stark stört, sind die stellenweise viel zu präsenten Keyboards. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen deren Einsatz hätte, aber etwas dezenter hätte das Ganze wesentlich besser gewirkt. So ist „I Begin“ am Ende nicht ganz Fisch und auch nicht Fleisch und bekommt von mir – auch im Hinblick auf die eigentliche musikalische Klasse der Beteiligten – „nur“ vier Punkte.  

Gesamteindruck: 4/7


Erwartungen nicht ganz erfüllt.

„I Begin“ wurde lange erwartet, zumindest in Black Metal-Kreisen. Nach den sattsam bekannten Namensstreitigkeiten, einer nicht unumstrittenen Live-DVD sowie einer „kurzen“ Auszeit von Fronthüne Gaahl schaffen es God Seed 2012 endlich, ihr Debüt in die Läden zu bringen. Und seien wir uns ehrlich: Die erste Frage jedes Hörers lautet, muss fast lauten: „Klingt das nach Gorgoroth oder doch ganz anders?“ Die Antwort ist eigentlich ein Klischee, die Wahrheit liegt nämlich mal wieder in der Mitte. Man hört der Truppe ihre Verwandtschaft zur Bergener Konkurrenz teilweise recht deutlich an – kein Wunder, waren doch Gaahl und Bassist King (ov Hell) in vergangenen Jahren die beiden treibenden Kräfte hinter Gorgoroth. Außerdem hat sich natürlich nichts am unvergleichlich böse tönenden Organ von Gaahl geändert. Auch in Bezug auf seine Lyrics gibt sich der krächzende Modeschöpfer gewohnt zugeknöpft.

Business as usual also? Mitnichten, man erkennt relativ schnell, dass God Seed im Vergleich zum früheren Betätigungsfeld der Hauptprotagonisten etwas offener zu Werke gehen. Bei der Eröffnungsnummer „Awake“ ist beispielsweise anfangs noch alles im schwarzen Bereich. Eine rasante Nummer, böses Gekeife von Ghaal, flirrende Gitarren, kurz: Alles, was man von einer Band wie dieser erwartet. Gegen Ende horcht man allerdings auf: Es gibt plötzlich Industrial-artige Einschübe zu hören – durchaus überraschend. Wer das verkraftet hat, wird sich zunächst über das coole Riffing und den Galopp-Rhythmus von „This From The Past“ freuen. Bis dann die Keyboards (!) im Stil einer Hammond-Orgel (!!) einsetzen und ein Finale folgt, dass so ähnlich auch von alten The Kovenant hätte stammen können. Das klingt zunächst einmal innovativ, nach mehrfachem Hören merkt man aber, dass insbesondere die exzessiv eingesetzte Keyboard-Untermalung eher stört als nützt. Ähnlich geht es dem eigentlich sehr guten Stampfer „Lit“. Gibt es zunächst noch „normalen“ Black Metal zu hören, beginnen bei der Halbzeit merkwürdige Effekte, die schließlich in eine Art „Riders On The Storm“ (The Doors) Gedächtnismelodie übergehen. Schade, gegen Ende wird das Gekeife von Gaahl immer bösartiger, das wäre auch ohne die Keyboard-Unterstützung dunkel genug gewesen.

Wesentlich besser wurde das Tasteninstrument bei „From The Running Of Blood“ integriert – hier dient es der Unterstreichung und Verdichtung einer düsteren Atmosphäre und macht das Stück zum besten Track auf „I Begin“. Beinahe genauso gelungen sind das finstere „The Wound“, das auch auf einer Gorgoroth-Veröffentlichung eine gute Figur gemacht hätte und „Aldrande Tre“, das unprätentiösen Black Metal der alten Schule bietet. Die Orgel, die bei diesem Stück ab und an eingesetzt wird, stört zwar ein wenig, bleibt aber immerhin erträglich. Neben dem für ihn typischen Gekreische nutzt der auf seine eigene Art und Weise sehr charismatische Gaahl auf „I Begin“ übrigens auch eine Art rituellen Klargesang, den einige Hörer vielleicht von seinem Projekt Wardruna kennen dürften. Insbesondere bei den eher gemächlichen Nummern, dem hypnotischen „Alt Liv“ und dem düsteren „Hinstu Dagar“ kommt das sehr gut zur Geltung.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Awake – 4:43 – 7/7
  2. This From The Past – 5:18 – 7/7
  3. Alt Liv – 4:08 – 4/7
  4. From The Running Of Blood – 5:19 – 2/7
  5. Hinstu Dagar – 4:55 – 5/7
  6. Aldrande Tre − 4:454 − 3/7
  7. Lit − 5:17 − 4/7
  8. The Wound − 4:45 − 6/7
  9. Bloodline − 3:44 − 7/7

Gesamteindruck: 4/7 


God Seed auf “I Begin” (2012):

  • Gaahl − Vocals
  • Sir − Guitar
  • Lust Kilman − Guitar
  • King ov Hell − Bass
  • Geir Bratland − Keyboards
  • Kenneth Kapstad − Drums, Percussion

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