FilmWelt: Man Of Steel

„Man Of Steel“ ist meines Erachtens ein sehr guter Film. Für die Höchstwertung reicht es zwar nicht, aber für sehr gute fünf Punkte. Details dazu stehen unten in meiner Rezension; trotz aller Kritik wurde ich jedenfalls hervorragend unterhalten. Zum ersten Mal seit einiger Zeit hat das „höher, schneller, weiter“ der Effekte nicht dazu geführt, dass man als Zuseher ständig das Gefühl der geistigen Unterforderung hat. Und das allein zählt.

Gesamteindruck: 5/7


Des Stählernen neue Kleider.

Das Wort „Superman“ wird in „Man Of Steel“ gescheut, als ob es anrüchig wäre. Nur eineinhalb Mal rutscht es am Rande durch und wird sofort ins Lächerliche gezogen bzw. ins Aus gestellt. Das ist für den Neustart des mächtigsten aller Superhelden meiner Meinung nach eine gute Idee – der Begriff „Superman“ wirkt nostalgisch, veraltet und passt einfach nicht in die heutige Zeit. Gleiches gilt für das Kostüm des Helden, das für diesen Film eine Frischzellenkur erfahren hat. Das ist ebenfalls als positiv zu vermerken, auch wenn man sich immer noch fragt, was das Cape soll – aber sei’s drum, als eine Art Uniform seines kryptonischen Hauses kann man es durchgehen lassen.

Soviel zu den zur Heldenoptik, kommen wir zum Film selbst. Zack Snyder (Regie) und Christopher Nolan (Drehbuch/Story) haben mit „Man Of Steel“ auf den ersten Blick einen grandiosen Action-Reißer geschaffen. Die Verwüstungen, die in diversen Kämpfen angerichtet werden, haben fast schon das Ausmaß von Roland Emmerichs „2012“-Katastrophe, wenn auch nicht auf globaler Ebene. Snyder gelingt allerdings das Kunststück, diese Zerstörungsorgie wesentlich gehaltvoller wirken zu lassen – man hat selten das Gefühl, dass die Vernichtung ganzer Stadtteile und Landstriche der Demonstration moderner Filmtechnik dient. Die Filmemacher setzen in „Man Of Steel“ die Technik vielmehr dazu ein, die Brutalität des Geschehens noch intensiver darzustellen. Dass dabei auch Unschuldige bzw. Unbeteiligte nicht ausgespart werden, lässt den Film trotz der eigentlich kindlichen Heldenthematik sehr ernsthaft wirken. Dass diese Orgie noch dazu unverschämt gut aussieht, ist heute fast schon selbstverständlich, soll aber trotzdem nicht unter den Tisch fallen. Speziell, weil ein grandioses Auge für Details bewiesen wird – erstmals wird z. B. gezeigt, dass der Stählerne nicht nur fliegen kann, sondern dabei auch die Schallmauer durchbricht. Nicht verhehlt werden soll allerdings, dass die Action vor allem gegen Ende hin übertrieben wird. Die finale Auseinandersetzung ist dann doch etwas zu lang und damit unnötig anstrengend geraten. Der Soundtrack ist meines Erachtens übrigens sehr unauffällig – man wird also diesmal eher von der Optik als von der Akustik (oder gar beidem zusammen) erschlagen.

Die Besetzung kann eigentlich nur als gelungen bezeichnet werden. Henry Cavill ist seinem „Vorgänger“ Brandon Routh („Superman Returns“, 2006) sowohl in Ausstrahlung als auch Mimik deutlich überlegen und kann der Rolle durchaus neue Facetten hinzufügen. Bei der Darstellung des Helden-Alter-Ego „Clark Kent“ gibt es allerdings noch Luft nach oben. Noch auffälliger ist die Überlegenheit in der Besetzung gegenüber dem 2006er-Film allerdings an der Rolle der „Lois Lane“ erkennbar – Amy Adams spielt Kate Bosworth locker an die Wand. Aber auch ansonsten hat man für „Man Of Steel“ die richtigen Mimen verpflichtet – speziell Russell Crowe („Jor-El“), Laurence Fishburn („Perry White“) und auch Kevin Costner („Jonathan Kent“) sind gut gewählt. Die Rolle des Schurken wird von Michael Shannon recht gut verkörpert, auch wenn die Figur sehr farblos bleibt, vermutlich weil sich der Film mehr auf den Hauptdarsteller und dessen Entwicklung fokussiert. Einziges Ärgernis im Ensemble ist für mich Diane Lane („Martha Kent“), die ich in dieser Rolle höchst unsympathisch finde.

In Bezug auf Drehbuch und Handlung ist „Man Of Steel“ eher ambivalent. Die Balance zwischen Schein und Sein wird von Snyder und Nolan zwar gemeistert – stellenweise ist es aber recht knapp. Die Story ist prinzipiell die übliche Rettung der Welt, Nuancen gibt es nur in den ruhigeren Phasen. Der Versuch, den Kryptonier mit einer menschlich-tiefgründigen Seite auszustatten ist zumindest partiell gelungen – er pendelt sich irgendwo zwischen „Wolverine“ und „Spider-Man“ ein, ohne die Bad Guy-Attitüde des einen und die Schüchternheit des anderen. Damit fehlt dem Stählernen für mein Dafürhalten allerdings auch etwas, wirklicher Tiefgang sieht nämlich anders aus, als Szenen, ähnlich anderen Superhelden-Epen, zu stricken. Es reicht aber aus, um einen wohltuenden Gegenpol zur ständigen Action des Films zu schaffen. Immerhin.

Drehbuch und Story weisen im Übrigen einige Logikfehler auf, insbesondere das Finale des Endkampfes ist kaum erklärbar. Da fragt man sich, ob einige Szenen, die dem besseren Verständnis dienen könnten, dem Schnitt zum Opfer gefallen sind.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Man of Steel
Regie: Zack Snyder
Jahr: 2013
Land: USA
Laufzeit: 143 Minuten
Besetzung (Auswahl): Henry Cavill, Amy Adams, Michael Shannon, Russell Crowe, Kevin Costner, Diane Lane, Laurence Fishburn



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