MusikWelt: Load

Metallica


Wenn man versucht, frei von jeglichen „Ausverkauf!“-Hintergedanken und Image-Problemen an die Musik heranzugehen, bleiben auf „Load“ fünf sehr gute bis gute Rock-Songs, ein selbst verschuldeter Wackelkandidat („The House Jack Built“) und drei Totalausfälle stehen. Die restlichen fünf Songs sind Durchschnitt, was dem Album als Ganzes eine leicht überdurchschnittliche Wertung beschert. Für Metallica-Verhältnisse scheint das zwar ein bisschen wenig zu sein, allerdings muss sich das Album in meinen Ohren immerhin mit Klassikern wie „Master Of Puppets“ und „Ride The Lightening“ messen, die einfach weniger Ausfälle enthielten, egal wie man die Stilveränderung nun sieht.

Gesamteindruck: 5/7


Besser als ihr Ruf.

Für die selbsternannte Szenepolizei (die eigentlich kein Mensch braucht), ist „Load“ (1996) natürlich ein gefundenes Fressen – und das schon bevor man den ersten Ton gehört hat. Als erstes springt nämlich das damals neue Bandlogo ins Auge, dass so gar nichts mehr mit dem geliebten Original-Metallica-Schriftzug zu tun hat. Der nächste Schock folgt beim Betrachten der Band-Fotos. Die Haare sind ab und die Kleidung tendiert doch eher in die Zuhälter-Richtung (wobei man hier konstatieren muss, dass zumindest Hetfields damalige Frisur weitaus besser aussah, als seine aktuelle Gel-Matte). Andererseits zeigt bereits das (in Verbindung mit der komplett veränderten musikalischen Ausrichtung) was Metallica 1991 mit „Metallica“ andeuteten, 1996 mit „Load“ wirklich begannen und 2003 mit „St. Anger“ beendeten: rund zwölf Jahre lang eine Band, die sich absolut nicht darum schert, was die „Fans der ersten Stunde“ gerne hätten, sondern nur das machen, was sie selbst wollen, die sich nicht einmal in die eigene Corporate Identity (Stichwort: Logo) pressen lassen. Egal ob es etwas sanfter wie auf „Load“ zugeht oder roh und heftig wie auf „St. Anger“: diese Entwicklung ist der Band – auch wenn mir bei weitem nicht alles aus diesen zwölf Jahren gefällt – hoch anzurechnen.

Wie auch immer – aus meiner Sicht befinden sich sowohl auf „Load“ als auch auf „Reload“ einige mehr als anständige Songs, die zwar kein Thrash Metal sind, aber dennoch gutes Songwriting bieten; und das ist letztlich auch der Faktor, der mehr zählt, als alle Genregrenzen. Überzeugen kann meiner Meinung nach vor allem die erste Hälfte des Albums. Mit dem stampfenden Opener „Ain’t My Bitch“ gelingt ein Einstieg, der so auch auf dem „Schwarzen Album“ hätte stehen können. In eine ähnliche Kerbe hauen „2 x 4“ und „Until It Sleeps“. Etwas schwieriger zu bewerten ist für mich „The House Jack Built“, das einerseits einen ausgezeichneten Refrain aufweist, aber in der Mitte durch übertriebenen Effektgerät-Einsatz sehr gewöhnungsbedürftig klingt. Hier wäre weniger wohl mehr gewesen. Alles andere überragend sind hingegen „King Nothing“ (das mit toller Basslinie, perfektem Gesang und einem guten Text punkten kann) und das gefühlvolle „Mama Said“, eine „etwas andere“ Ballade von Metallica, in der die Slide-Guitar zum Einsatz kommt. Tatsächlich nimmt man James Hetfield den Hang zum Southern Rock so sehr ab, dass das absolut authentisch klingt und – allen Umständen zum Trotz – perfekt ins Metallica-Bild zu passen scheint.

Die restlichen Songs kommen eher belanglos aus den Boxen (Ausnahme: das ungewöhnliche „Ronnie“, das mich aber auch nicht sonderlich vom Hocker reißt). Mit „Cure“, „Poor Twisted Me“ und dem viel zu langen Rausschmeißer „The Outlaw Torn“ haben sich meiner Ansicht nach allerdings auch drei Totalausfälle eingeschlichen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Ain’t My Bitch – 5:04 – 6/7
  2. 2 X 4 – 5:28 – 5/7
  3. The House Jack Built – 6:39 – 5/7
  4. Until It Sleeps – 4:30 – 6/7
  5. King Nothing – 5:28 – 7/7
  6. Hero of the Day – 4:22 – 6/7
  7. Bleeding Me – 8:18 – 4/7
  8. Cure – 4:54 – 2/7
  9. Poor Twisted Me – 4:00 – 2/7
  10. Wasting My Hate – 3:57 – 5/7
  11. Mama Said – 5:19 – 7/7
  12. Thorn Within – 5:51 – 4/7
  13. Ronnie – 5:17 – 4/7
  14. The Outlaw Torn – 9:49 – 1/7

 Gesamteindruck: 5/7 


Metallica auf “Load” (1996):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm & Lead Guitars
  • Kirk Hammett − Lead, Rhythm & Slide Guitars
  • Jason Newsted – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: King Nothing


 

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