SpielWelt: The Lost Crown

„The Lost Crown“ ist einer dieser Fälle, in denen eine gute Idee an der Umsetzung scheitert. Nicht komplett, aber doch so sehr, dass es leider nur für vier Punkte reicht. Die Geschichte ist gut, die Grafik ist gut, der Sound ist gut – aber an diesem Spiel merkt man sehr stark, dass die Bedienung und die Technik eben doch eine größere Rolle spielen, als man sich oft selber eingestehen möchte. Wer damit umgehen kann und auch kein Problem damit hat, Bildschirme akribisch abzusuchen, erhält ein gutes Spiel. Alle anderen werden entweder durchhalten, weil sie wirklich wissen wollen, wohin die Story führt – oder das Spiel nach wenigen Stunden entnervt aufgeben.

Gesamteindruck: 4/7


Nettes Spiel für frustresistente Abenteurer.

„The Lost Crown – A Ghost-Hunting Adventure“ (so der volle Titel) erzeugt ein ganz eigenes Spielgefühl – und das gleich auf mehreren Ebenen. Zunächst zum Offensichtlichen: Die Grafik ist auf ihre Weise großartig. Die Hintergrundbilder bestehen großteils aus schwarz/weiß-Fotos mit einzelnen Farbtupfern. Sie sind allerdings nicht komplett statisch, sondern sparsam animiert (Wettereffekte, Vögel, Insekten u. ä.). Durch diese Bilder wird eine düstere Atmosphäre geschaffen, die alten Schauerromanen ähnelt und erfrischend vom üblichen Effekt-Overkill abweicht. Unterstrichen wird das von einem grandiosen Soundtrack. Die Musik wird gut und sehr passend eingesetzt, die Soundeffekte sind brillant und unheimlich.

Allerdings gibt es an der Präsentation auch etwas auszusetzen. So gut die Hintergrundgrafiken sind, so schwach sind die Animationen der eigenen Spielfigur. Mimik und Gestik sind nicht vorhanden und alle Bewegungen sind abgehackt. Jeder „Schritt“ würde in einem anderen Spiel als „Clipping-Fehler“ bezeichnet werden. Auch beim Sound geht es nicht problemlos zu: Die Synchronisation der Charaktere ist stellenweise sehr gut, andernorts zumindest verbesserungswürdig. Zwar wurden die Sprecher passend gewählt, allerdings werden viele Dialoge mit zu wenigen oder unpassenden Emotionen wiedergegeben. Hier weiß ich allerdings nicht, wie das Ganze auf Englisch klingt – vermutlich wesentlich besser.

Schlimmer als diese Äußerlichkeiten (ich würde deshalb keinen Punkt abziehen) sind allerdings Mängel in der Bedienung. Grundsätzlich bin ich ein „altmodischer“ Spieler, der mit Adventures á lá „Maniac Mansion“ aufgewachsen ist. Von daher brauche ich keinen Schnickschnack wie Hotspot-Anzeige – dennoch ist der Fortschritt nicht immer etwas Schlechtes. In „The Lost Crown“ vermisst man beispielsweise schmerzlich die Option, Dialoge abzubrechen. Ein falscher Klick auf eine bereits gestellte Frage und man muss sich im schlimmsten Fall ein minutenlanges Gespräch ein zweites Mal anhören, ohne etwas dagegen tun zu können – ärgerlich. Hinzu kommt, dass es in vielen Situationen keineswegs klar ist, was man als Nächstes machen soll. Problematisch, weil man Locations oft erst verlassen kann, wenn alle Aufgaben erledigt sind; wenn es denn nur Aufgaben wären – aber die Spielfigur muss jeden einzelnen, klickbaren Punkt auf dem Bildschirm bemerken und „benutzen“ bzw. „ansehen“. Und das oft mehrmals – andernfalls geht es einfach nicht weiter. Wenn man hier irgend etwas übersieht, muss man Räume oft mehrfach durchsuchen und per Maus „scannen“. Frustrierend – auch weil man die Spielfigur im Endeffekt nur beim Verlassen des Bildschirmes überhaupt bewegen kann – freies Hin- und Hergehen ist nicht möglich. So passiert es bisweilen, dass der Geisterjäger einen wichtigen Gegenstand verdeckt. Die Komplettlösung wird damit – leider – zum ständigen Begleiter. Es gibt einfach zu viele Details, die man aufgrund der technischen Unzulänglichkeiten übersehen kann. Auch das Gehen selbst offenbart übrigens ein Problem: Die Bewegung ist meist quälend langsam, lediglich das Verlassen eines Bildschirms geht per Doppelklick etwas schneller.

A pro pos langsam: Das Öffnen des Menüs und von einzelnen Menüpunkten (viele gibt es ohnehin nicht) braucht verhältnismäßig viel Zeit. Da kann man schon Mal die Geduld verlieren. Bei den Optionen gibt man sich generell altmodisch. Im Menü lassen sich die Untertitel ein- und ausschalten, mehr Funktionen gibt es nicht. Auflösung ändern? Lautstärke anpassen? Fehlanzeige, auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich nicht justieren. Benutzerfreundlich geht jedenfalls anders und man kann sich gut vorstellen, dass allein aufgrund dieser Schwierigkeiten viele potentiell interessierte Abenteurer das Spiel frustriert in die Ecke feuern.

Das Herzstück eines Adventures ist aber die Story. Wer es schafft, über die technischen Unzulänglichkeiten hinweg zu sehen, wird in „The Lost Crown“ mit einer guten Geschichte und echtem Gänsehaut-Feeling belohnt. Es gibt wirkliche Schockmomente, diese werden aber dosiert eingesetzt. Erinnert an altmodische Schauerromane und ist weit von irgendwelchen Blut- und Ekeleffekten entfernt. Erzählerisch also alles im grünen Bereich? Leider nicht wirklich. Die Story ist zwar gut aber erschien mir stellenweise etwas wirr. Es ist definitiv von Vorteil, wenn man die quasi-Vorgänger „Dark Fall: The Journal“ bzw. „Dark Fall 2: Lights Out“ kennt. Wer das nicht tut, wird sich an vielen Stellen über die Reaktionen der Charaktere wundern und auch mit dem nicht gerade berauschenden Ende nicht allzu viel anfangen können.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Adventure
Entwickler: Darkling Room
Jahr: 2008
Gespielt auf: PC


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Ein Gedanke zu “SpielWelt: The Lost Crown

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