BuchWelt: Ich hab die Unschuld kotzen sehen

Dirk Bernemann


Insgesamt fünf Punkte für einen extremen Splitter des Gesellschaftsspiegels. Ein hochinteressantes Buch, dem eine höhere Wertung nur wegen der durchwegs langweiligen bzw. kaum lesbaren Lyrik am Ende verwehrt bleibt.

Gesamteindruck: 5/7


Kein Gute-Laune-Buch.

Dirk Bernemann hat mit diesem Werk ein wahrlich schonungsloses Buch geschrieben, soviel kann auf jeden Fall festgehalten werden. Der Leser wird dabei durch lose miteinander verknüpfte (wobei die Art der Verknüpfung sehr erfrischend ist) Kurzgeschichten von beeindruckend negativer Weltsicht regelrecht zu Boden gedrückt. Meiner Meinung nach nahezu durchwegs gut gelungen ist dabei der Stil, der einfach Gedanken, wie sie durch den Kopf schießen, wiedergibt – das mutet stellenweise fast surrealistisch an, auch wenn diese Klassifizierung nicht so wirklich zutrifft. Das Buch ist jedenfalls bestimmt durch abgehackte Sätze, eine klare und einfache Sprache, die von Kraft- und Milieuausdrücken gespickt ist – was meiner Meinung nach nur in wenigen Fällen aufgesetzt, sondern, im Gegenteil, recht authentisch wirkt.

Dass ein solches Buch kein wirklich zufriedenstellendes Ende haben kann, ist durch die Art Verknüpfung der einzelnen Geschichten auch klar, ansonsten müsste es praktisch für jeden Mensch der Welt, oder zumindest über die, die irgendwie in das negativistische Schema passen, eine eigene Kurzgeschichte geben. Trotzdem kommt das Ende für mich zu schnell, hier hätte der Autor das Buch durchaus noch weiter führen können. Dagegen sprach vermutlich die Übersättigung, die bei einem solchen Schreibstil zwangsläufig irgendwann eintreten muss – beim einen schon nach einem Kapitel, der andere hat vielleicht erst nach dem dreißigsten genug davon. Dazu kommt, dass wohl noch Platz für ein wenig Lyrik im Buch sein sollte. Diese Lyrik bringt letztlich aber eindeutig Abzüge in der Gesamtbewertung, da Gedichte offenbar nicht die Stärke des Autors sind. Oder er kann mich damit nicht erreichen – ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Dirk Bernemann
Originaltitel: Ich hab die Unschuld kotzen sehen.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 120 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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