BuchWelt: Gott bewahre

John Niven


Die Bewertung von „Gott bewahre“ fällt gar nicht so leicht. Rein thematisch ist das Buch natürlich zu begrüßen. Zwei große Missstände der menschlichen Gesellschaft – ein sehr alter und ein topaktueller – werden auf leicht lesbare, durchaus unterhaltsame Art abgehandelt. Dass neue Argumente, die in einer Diskussion vorgebracht werden könnten, fehlen, ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Wieso letztlich nur vier Punkte stehen bleiben hat einen anderen Grund: John Niven schafft es leider nicht, seinen Figuren wirkliche Tiefe zu verleihen. Im Gegenteil, alle Personen wirken sehr klischeehaft und verhalten sich großteils auch so. Hintergrundinformationen über die Charaktere erhält man nur sehr spärlich. Ein schlechtes Buch ist „Gott bewahre“ keineswegs – nur eines, das für meinen Geschmack nicht ganz zu Ende gedacht wurde.

Gesamteindruck: 4/7


Gutes Buch, schwache Charaktere.

John Niven ist ein Autor, der nicht gerade zimperlich ist – bestens nachzulesen in Werken wie „Kill Your Friends“. Kein Wunder also, dass er sich auch in „Gott bewahre“ einer eher deftigen Sprache bedient. Insbesondere im Himmel lässt Niven seine Figuren fluchen, das allzu christlich eingestellten Lesern Hören und Sehen vergeht. Speziell der Allmächtige persönlich nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Auch die generellen Zustände im Paradies sind ganz anders beschrieben, als sich das der Sonntagschrist so vorstellt.

Daran ist schon der erste Ansatz, den der Autor mit „Gott bewahre“ verfolgt, zu erkennen: Das Buch ist zunächst eine auf humorvolle Art vorgebrachte Kritik an institutionalisierter Religion. Vornehmlich bekommt das Christentum sein Fett weg, aber auch andere Weltreligionen werden angesprochen, wenn auch nicht so prominent. Nun ist dieser Angriff speziell auf „westliche“, fundamentalistische Christen durchaus begrüßenswert – und offenbart gleichzeitig, dass der Autor selbst auch christlich geprägt ist. Das im Christentum gültige Religionsmodell mit Himmel und Hölle, Gott, Jesus, Engeln und Heiligen, wird übernommen, allerdings in einer angenehm modifizierten Variante, die das Paradies wesentlich freundlicher und lockerer erscheinen lässt, als es die reale Amtskirche vermag. Zumindest kritisch hinterfragen kann man dennoch, wieso ausgerechnet der christliche Gott für Niven „der Richtige“ zu sein scheint.

Der zweite Ansatz, der in „Gott bewahre“ verarbeitet wird, ist im Vergleich dazu sehr weltlich orientiert und hat – wie könnte es bei John Niven anders sein – viel mit Musik zu tun. Insbesondere das Übel der Castingshows und der damit einhergehenden, raffgierigen und seelenlosen Industrie kritisiert der Autor hart und vehement. Lesern, die diesen Freakshows ohnehin kritisch gegenüber stehen, liefert Niven damit zumindest Bestätigung, auch wenn wirklich neue Gegenargumente ausbleiben. Aber zumindest könnte das Buch einem Teil des breiten Publikums, das weiterhin nicht genug von „DSDS“ & Co bekommen kann, die Augen öffnen. Das bleibt aber vermutlich ein Wunschtraum… Übrigens gibt es in diesem Part des Buches ein Wiedersehen mit Steven Stelfox, den aufmerksame Leser aus Nivens „Kill Your Friends“ in lebhafter Erinnerung haben dürften.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: John Niven
Originaltitel: The Second Coming.
Erstveröffentlichung: 2011
Umfang: 400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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