BuchWelt: Bighead

Edward Lee


Die Warnung, die der Verlag auf dem Buchrücken ausspricht, kann man durchaus ernst nehmen. „Bighead“ ist eine auf rund 250 Seiten verdichtete Darstellung expliziter Gewalt- und Ekelszenen. Dabei geht es sowohl psychisch als auch physisch und sexuell derart zur Sache, dass Zartbesaitete tatsächlich die Finger von diesem Roman lassen sollten – was dankenswerter Weise gleich beim ersten Satz des Prologs klar wird.

Gesamteindruck: 3/7


Unglaubliche Brutalität ohne wirkliche Substanz.

„Brutal“ und „obszön“ (wie von Amazon angepriesen) ist „Bighead“ von Edward Lee in jedem Fall. Eine weitere Zuschreibung ist „verstörend“ – dieser Ausdruck trifft den Kern der Sache meiner Ansicht nach nicht so ganz. Der Autor, ohnehin nicht als Kind von Traurigkeit bekannt, teilt in diesem Buch mit der ganz groben Kelle aus; das ist zwar erschreckend, aber für „verstörend“ fehlt dann doch ein bisschen Subtilität und Substanz. Es sei denn, mit „verstörend“ ist gemeint, dass ein Mensch, nämlich Edward Lee, überhaupt zu solchen Gedanken fähig ist, die er in diesem Buch niederschreibt. Dann stimmt es wieder, irgendwie.

Das ist gleichzeitig auch das generelle Problem, das ich mit „Bighead“ habe. Die ganze Gewalt scheint nur auf den Zweck ausgerichtet zu sein, so viele Leute wie möglich um den Schlaf zu bringen. Das ist in diesem Genre zwar grundsätzlich nicht verkehrt, in vorliegendem Werk aber einfach nicht gut genug umgesetzt. Die Story im Hintergrund ist zwar einigermaßen spannend, aber zu oberflächlich und funktioniert daher aus heutiger Sicht maximal als Parodie auf diverse Horror-Slasher-Filme aus dem „Hinterwäldler-Genre“ („aus heutiger Sicht“ weil Edward Lee „Bighead“ bereits 1997 geschrieben hat, also einige Zeit vor der Schwemme an solchen Filmen). Das Ende ist schließlich sehr überraschend, aber nicht unbedingt auf positive Art. Es scheint, als ob der Autor zum Schluss die unmenschliche Gewalt, die er in „Bighead“ laufend fabriziert, relativieren wollte. Das gelingt ihm zwar einigermaßen, aber dadurch wirkt das Finale auch arg an den Haaren herbeigezogen. Plötzlich tauchen quasi-religiöse Ansätze und Mystery-Elemente auf, die so überhaupt nicht zum zwar gewalttätigen, jedoch eher nüchternen Rest passen wollen.

Abseits dieser Schwächen gibt es eine andere große Schwierigkeit: Passagen, die im Original in amerikanischem (Südstaaten-?)Slang geschrieben sind. Der Übersetzer hat nämlich versucht, diese Teile auch im Deutschen als Umgangssprache erkennbar zu halten, was durchaus löblich ist. Nur leider scheitert die Übersetzung hier kläglich und liest sich entsprechend holprig und vor allem unglaublich anstrengend. Dafür kann der Autor natürlich nichts – lästig ist es aber dennoch. Wobei dieses Problem wohl nie zu lösen sein wird, aber das ist eine andere Geschichte.

In der Bewertung reicht es damit nur für drei Punkte. Man ist einigermaßen von der recht dünnen Hintergrundgeschichte gefesselt und möchte schon wissen wie das Buch ausgeht. Mehr aber auch nicht. Ein zweites Mal wird kaum jemand „Bighead“ zur Hand nehmen – es sei denn, um gelegentlich bei diversen brutalen Szenen ein wenig Dampf abzulassen.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Edward Lee
Originaltitel: The Bighead.
Erstveröffentlichung: 1997
Umfang: 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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