FilmWelt: Lost Boys 2: The Tribe

Dass der Film direkt für den DVD-Markt produziert wurde, sagt schon einiges. „The Tribe“ kann sich im Endeffekt nicht entscheiden, ob es Remake oder Sequel sein will, was an und für sich schon für eine niedrige Wertung reichen würde. Ein katastrophales Drehbuch, die verkrampft wirkende Handlung und dümmliche Dialoge geben dem Streifen den Rest. Da können auch die einigermaßen bemühten Schauspieler und die optische und akustische Klasse nichts mehr retten.

Gesamteindruck: 2/7


Katastrophales Remake/Sequel zu einem Kultfilm der 80er.

Ob nun der reine Nostalgie-Faktor dazu führt oder nicht: „The Lost Boys“ war und ist ein Kultfilm der 1980er Jahre. „Schuld“ daran waren weder eine innovative Story noch ein grandioses Drehbuch, sondern der schlichte, trashige Charme der guten alten Zeit und der gewaltige Coolness-Faktor der Hauptdarsteller.

Das Remake (manche Stellen des Films sprechen eher für die Bezeichnung „Sequel“) „Lost Boys 2: The Tribe“ kommt bei weitem nicht an diese Vorgabe heran. Woran das liegt, wird gleich in den ersten Szenen klar: um den neuen Sehgewohnheiten (oder was die Filmemacher dafür halten) gerecht zu werden, wurden sowohl der Blut- und Eingeweideanteil als auch die Anzahl/Intensität der Nacktszenen um mehrere Faktoren erhöht. Ähnlich ist es mit der Sprache der Protagonisten, die einige Kraftausdrücke mehr enthält. Damit könnte man natürlich gut leben, wenn die restliche Qualität stimmen würde; so sieht aber alles nach der billigen Formel „blutiger + nackter = besser“ aus, die in den seltensten Fällen aufgeht.

Leider wird – mit Ausnahme der Story, die praktisch eine 1:1 Kopie der Vorlage ist, allerdings einen wesentlich schaleren Nachgeschmack hinterlässt – das trashige Original in allen Punkten deutlich unterboten. Beispielsweise schimmert in manchen Dialogen durchaus der kauzige Witz der alten Zeiten hervor, der Großteil ist hingegen unsagbar dümmlich – leider. Der Humor, der wohl als Anspielung auf die 1987er-Version gedacht war, kommt noch dazu zu selten zum Einsatz und wirkt, wenn er dochmal durchblitzt, völlig aufgesetzt. Auch die Charaktere sind bestenfalls flache Abziehbilder. Den bemühten Schauspielern gelingt es kaum, ihnen (untotes) Leben zu verleihen. Daran ändert auch Corey Feldman, der wieder seine bekannte Rolle als „Edgar Frog“ spielt, nicht viel. Gerade diese Figur, die 1987 noch für viele Lacher gut war, wirkt trotz offensichtlicher Überzeichnung stellenweise sehr verkrampft und reicht nicht an die lockere „Teenager-Version“ ihrer selbst heran.

Was bleibt ist ein ordentlicher Hauptdarsteller (Angus Sutherland), der als Anne Rice-mäßiger, romantisch angehauchter Obervampir allerdings reichlich fehl am Platz innerhalb der Surfer-Blutsauger-Riege wirkt und damit nicht so recht in die Fußstapfen seines Halbbruders Kiefer, der diese Rolle in den 1980ern spielte, treten kann. Überzeugend sind auch die Bilder, die sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt wurden; die Spezialeffekte sind für eine DVD-Produktion ebenfalls o.k. Der Soundtrack ist sogar schwer in Ordnung und aus meiner Sicht das Beste am ganzen Film.

Die genannten Pluspunkte reichen aus meiner Sicht aber bei weitem nicht, um den Film – gerade in Hinblick auf den Mythos „The Lost Boys“ – eine bessere Bewertung zu geben. Vor der 1-Punkte-Wertung rettet den Streifen im Endeffekt nicht die eigene Qualität, sondern lediglich, dass es noch weitaus schlechteres auf DVD zu sehen gibt.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Lost Boys: The Tribe.
Regie: P. J. Pesce
Jahr: 2008
Land: USA/Kanada
Laufzeit: 94 Minuten (uncut)
Besetzung (Auswahl): Tad Hilgenbrink, Angus Sutherland, Autumn Reeser, Corey Feldman



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