SpielWelt: The Dig

LucasArts haben (nicht nur) im Point-and-Click-Bereich einige absolute Klassiker geschaffen. Allein die Reihen „Monkey Island“ und „Indiana Jones“ sind zu Recht hoch gelobt und suchen eigentlich bis heute ihresgleichen. „The Dig“, das nach diesen Veteranen auf den Markt kam, ist leider nicht ganz von dieser Güteklasse.

Gesamteindruck: 4/7


Fesselnd und atmosphärisch – reicht aber nicht ganz an die Klassiker heran.

Es ist natürlich nicht ganz einfach, ein Spiel über 20 (!) Jahre nach seinem Erscheinen zu bewerten, aber einen Versuch ist es allemal wert. Gleich zu Beginn gab es damals einen relativ starken Dämpfer: Die Grafik wurde praktisch nicht weiterentwickelt und unterscheidet sich nicht vom wesentlich älteren Original „Monkey Island“. Das bedeutet sehr stark verpixelte Figuren, die man bei größeren Entfernungen kaum als solche erkennt und eher farbarme Hintergründe. Aus heutiger Sicht ist das allerdings kaum noch ein Problem und sollte auch nicht in die Bewertung mit einfließen, denn ob ein Spiel nun vor 15 oder vor 20 Jahren erschienen ist, macht keinen allzu großen Unterschied. Heutige Grafikmaßstäbe kann man so oder so nicht anlegen. Hervorragend gelungen ist übrigens die atmosphärische Musikuntermalung, die sehr viel zur Stimmung beiträgt. Die deutsche Sprachausgabe ist dagegen ziemlich schwach, die an sich guten (und sogar recht bekannten) Sprecher legen einfach zu wenig Emotion in die Texte und wirken damit unglaubwürdig.

Wichtiger als solche Äußerlichkeiten – und daran hat sich in den letzten 20 Jahren nichts geändert – sind aber Story, Gameplay und Atmosphäre. Um es vorweg zu nehmen: „The Dig“ kann in diesen Bereichen zwar nicht immer voll, aber doch zufriedenstellend punkten. Die Hintergrundgeschichte wurde in Zusammenarbeit mit Steven Spielberg entwickelt und wartet mit einem Asteroiden, der eigentlich eine Art Raumschiff ist, auf; das ist einigermaßen originell. Sie kann zwar nicht mit einem „Monkey Island“ mithalten, fesselt nach kurzer Eingewöhnungszeit aber nichtsdestotrotz. Auch dass es zwei alternative Enden gibt, ist eine gelungene Idee.

Die Atmosphäre ist, wie schon erwähnt, allein aufgrund der passenden musikalischen Untermalung sehr gut gelungen. Die Bilder wirken zwar ein wenig farbarm, passen aber recht gut zum unbekannten Planeten, auf den es die Helden verschlagen hat. Die Identifikation mit der Hauptfigur klappt problemlos, lediglich, dass sich die Programmierer an manchen Stellen offenbar nicht entscheiden konnten, ob das Spiel nun „lustig“ oder „ernsthaft, mit gelegentlichen humoristischen Einlagen“ sein sollte, schmälert das Vergnügen. So wirkt der Humor oftmals viel zu gewollt (kann natürlich an der deutschen Version liegen), während man insgesamt eher das Gefühl eines ernsten Adventures hat.

Das Gameplay betreffend muss ich offen und ehrlich zugeben, dass ich ob des deftigen Schwierigkeitsgrades doch ein oder zweimal zur Komplettlösung greifen musste. Hier haben wir es mit einem seltsamen Gegensatz zu tun: auf der einen Seite sind die bis dahin gebräuchlichen, klassischen Verben („Gehe zu“, „Öffne“, „Zieh“ usw.) völlig verschwunden und durch ein einfaches Kreuz ersetzt worden. Ein Klick damit auf die sperrlich gesäten, manipulierbaren Gegenstände genügt und die Figur führt automatisch die passende Aktion durch. Auf diese Weise geht natürlich einiges vom alten Charme der LucasArts-Adventures verloren. Trotz dieser Vereinfachung ist der generelle Schwierigkeitsgrad jedoch sehr hoch angesetzt worden. Viele der Rätsel und Minispiele sind nur schwer zu lösen, da die Hinweise entweder nicht vorhanden oder kaum zu begreifen sind. Könnte natürlich sein, dass das an den heutigen Spielgewohnheiten liegt. Realistisch ist es allemal, immerhin befinden wir uns auf einem fremden Planeten, dessen Sprache und Symbole so gar nichts mit der Erde zu tun haben. Nebenbei sorgen die knackigen Puzzles für brauchbare Langzeitmotivation – wichtig zu einer Zeit, als so etwas wie der Wiederspielwert noch in den Kinderschuhen steckte.

Im Endeffekt halte ich vier Punkte für gerechtfertigt – der Abstand zu den erwähnten Genreklassikern ist meiner Ansicht nach aber doch zu groß. Spielenswert für Nostalgiker ist „The Dig“ jedoch allemal; die typische LucasArts-Atmosphäre sollte man unbedingt einmal (wieder) erleben.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Adventure
Entwickler: LucasArts
Jahr: 1995
Gespielt auf: PC


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2 Gedanken zu “SpielWelt: The Dig

  1. Pingback: Spiele A-Z | Weltending.
  2. Könnte sein, dass ich jetzt völligen Quatsch erzähle, aber ich meine, dass das ganze ursprünglich eine Filmidee war, für die man aber einfach kein Studio finden konnte. Deshalb haben Spielberg und Lucas das ganze dann als Spiel umsetzen lassen. An sich fand ich das Game auch ganz gut, wenn auch nicht der Klassiker schlechthin dabei rausgekommen ist. Vergleichen mit den sonstigen Lucas Arts Adventures lässt es sich aber ohnehin nur schwer, denn dafür fehlt hier einfach das komplett bekloppte, das die anderen Games so ausmacht.

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