FilmWelt: Ed Wood

Alles in allem ein, vor allem aus ästhetischer Sicht, sehr gut gelungener Film. Leider wirkt die Geschichte unvollständig und lässt den Zuschauer damit ein wenig ratlos zurück. Aufgewogen wird das durch die Liebe zum Detail und den Respekt, den Regisseur Tim Burton in jeder einzelnen Szene für den realen Ed Wood und dessen dilettantische Riege an Schauspielern durchschimmern lässt. Fast könnte man dadurch zum Schluss kommen, dass die Filme, die „der schlechteste Regisseur aller Zeiten“ zu verantworten hatte, zu Unrecht belächelt wurden.

Gesamteindruck: 5/7


Sehr schöner Film, als Biographie aber unvollständig.

Die Geschichte des „schlechtesten Regisseurs aller Zeiten“ (wobei ich mir aus heutiger Sicht nicht sicher bin, dass Ed Wood dieser Titel überhaupt gebührt) bietet natürlich reichlich interessanten Stoff. Allerdings liegt genau darin ein Problem der Verfilmung: Regisseur Tim Burton greift sich einen sehr kurzen Ausschnitt aus Woods Leben heraus und erzeugt damit einen einigermaßen verfälschten Eindruck. Zwar waren die Dreharbeiten zu „Bride of the Monster“ und „Plan 9 from Outer Space“ der Höhepunkt der Karriere des Regisseurs, dennoch wäre es für eine Biografie (und als solcher soll der Film ja auch verstanden werden) angemessener, wenn das ganze Leben der Hauptfigur beleuchtet würde. Vor allem ist es ja so, dass Woods Leben kein Happy-End hatte, wie der Film suggeriert. Das erfährt man zwar im Abspann, leider wird gerade dadurch das Gefühl der Unvollständigkeit gefördert. Mag sein, dass der Regisseur das beabsichtigt hat, ich persönlich hätte jedoch gerne mehr über die Person Ed Wood erfahren.

Was Burton jedoch sehr gut gelungen ist, ist die Darstellung der Freundschaft zwischen Ed Wood und Bela Lugosi, der seinen Zenit damals längst überschritten hatte. Hier läuft Martin Landau zur Hochform auf – man freut sich über jeden seiner Auftritte als abgewrackter, vom Drogenmissbrauch gezeichneter, ungarischer Star der skurrilen, Wood’schen Schauspieltruppe. Im Vergleich dazu wirkt die Darbietung von Burton Haus- und Hofschauspieler Johnny Depp ein wenig zu hölzern, aber dennoch akzeptabel. Sehr gut sind auch die Nebendarsteller – lediglich die Rolle des Wrestlers Tor Johnson, verkörpert von George „The Animal“ Steele wirkt für mich ein wenig zu klischeehaft.

Was die technische Ausführung betrifft, scheint es die natürlichste Sache der Welt zu sein, dass ein solcher Streifen in schwarz/weiß gehalten ist. Überhaupt erinnert die gesamte Umsetzung an einen Film aus den 50er Jahren, Beleuchtung, Kostüme, selbst der Ton sind angemessen, wenn auch glücklicherweise von entschieden besserer Qualität als in einem Ed Wood-Original. Hier merkt man Tim Burton seine Liebe zum Detail und seine Liebe zu alten „B-Movies“ jederzeit an, ebenso den Respekt, den er damit dem „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ zollen möchte. Nicht, dass die Filme von Wood dadurch plötzlich zu Meisterwerken würden – jedoch schafft es Burton, die Zuschauer auf die Seite des liebenswerten Verlierers zu ziehen und ungeahnte Sympathiewerte für ihn zu wecken.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Ed Wood.
Regie: Tim Burton
Jahr: 1994
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Johnny Depp, Martin Landau, Sarah Jessica Parker, Patricia Arquette



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