BuchWelt: Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang

Arkadi & Boris Strugatzki


Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanisław Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werken ist „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ aber nicht – zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Punkte – ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.

Gesamteindruck: 4/7


Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil.

Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ (auch als „Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang“ erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer normalen zu einer „Superzivilisation“ scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben meist sehr nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren – wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht. Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ teilweise sehr befremdlich, wenn man normale Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist – wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt – eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: За миллиард лет до конца света. (Za milliard let do kontsa sveta.)
Erstveröffentlichung: 1976
Umfang: 224 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 2.“


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3 Gedanken zu “BuchWelt: Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang

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