BuchWelt: 20.000 Meilen unter dem Meer

Jules Verne


Es mag als „Gottelästerung“ gesehen werden, aber: Die Höchstwertung verfehlt eines der bekanntesten Bücher der klassischen Science Fiction. Meiner Ansicht nach enthält es ein paar Längen zu viel und ist dadurch schwerer lesbar als andere, kurzweiligere Werke – auch von Jules Verne selbst.

Gesamteindruck: 6/7


Umfangreiche Erzählung mit Stärken und Schwächen.

Wirklich großartig ist die Sprache von Jules Verne. Dieser – aus heutiger Sicht – antiquierte Stil liest sich fantastisch und macht jedes Buch, das so geschrieben ist, zu etwas Besonderem. Verne, Poe, Dafoe, Wells und einige andere beherrschten diese Kunst meisterhaft, allein das ist Grund genug, dass so viele ihrer Werke heute Klassiker sind. Dazu muss man im Übrigen auch die alten Übersetzer erwähnen, die ihr Bestes taten, die Sprache dieser Schriftsteller einzufangen und ins Deutsche zu transformieren. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das „damals“ besser gelungen ist, als man es heute so oft lesen muss.

Auch „20.000 Meilen unter den Meeren“ (so der Titel der von mir gelesenen Übersetzung) ist von meisterhafter sprachlicher Qualität. Der Stil ist angenehm und detailliert, verlangt unter Umständen von manchen Lesern (bei weitem nicht von allen), eine gewisse Einarbeitungszeit. Auch die grundsätzliche Handlung des Buches ist absolut in Ordnung, die Beschreibung des U-Bootes zum Teil geradezu prophetisch, wenn man bedenkt, wann das Buch geschrieben wurde. Hieran sieht man, wieso das Werk damals als Science Fiction gehandelt wurde. Auch die Entdeckung von Atlantis, die Unterquerung von Suez und – natürlich – der Riesenkrake sind sehr gut und fesselnd beschrieben.

Wo viel Licht ist, ist aber leider (manchmal) auch Schatten. So ergeht sich der Autor oft seitenlang in Klassifizierungen und Beschreibungen der Meeresflora und -fauna. Anfangs liest man diese für Meeresbiologen interessanten Abhandlungen noch durch, aber im Laufe des Buches ertappt man sich immer wieder, wie man sie gelangweilt überspringt. Grundsätzlich ist gegen diese Klassifizierungswut nichts einzuwenden, aber hier wäre ein bisschen weniger wohl mehr gewesen. Gleiches gilt für die Beschreibung einiger historischer Ereignisse, die gespickt mit Namen und Koordinaten sind, die den meisten wohl kaum etwas sagen dürften. Ein weiterer Kritikpunkt ist das abrupte Ende des Buches – vor allem wenn man den doch recht großen Gesamtumfang bedenkt. Ich habe prinzipiell nichts gegen offene oder überraschende Schlüsse, nur wirkt in diesem Fall alles ein wenig überhastet, was so gar nicht zum restlichen Buch passen will.

Die Höchstwertung hat das Werk damit für mich verfehlt, weil es meiner Meinung nach bessere und vor allem kurzweiligere „klassische“ Science-Fiction-Bücher gibt (auch von Verne selbst). Auch sechs Punkte schienen mir zunächst etwas zu hoch gegriffen, weil ich beim Lesen einfach nicht das Vergnügen empfand, das ich mir erwartet hatte. Allerdings haben wir es hier mit einem Klassiker der Weltliteratur zu tun und wenn man bedenkt, wann das Buch verfasst wurde, gebührt Jules Verne der höchste Respekt für seine prophetischen Visionen.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Jules Verne
Originaltitel: Vingt mille lieues sous les mers.
Erstveröffentlichung: 1869-1870
Umfang: 640 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


Thematisch verwandte Beiträge auf Weltending:

Ein Gedanke zu “BuchWelt: 20.000 Meilen unter dem Meer

  1. Pingback: Autoren A – Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.