KonzertWelt: Manowar (Brünn, 15.01.2016)

Datum: Freitag, 15. Jänner 2016
Location: Kajot Arena (Brünn/Tschechien)
Tour: “Gods And Kings World Tour 2016″
Headliner: Manowar
Support:
Ticketpreis: 790 Kronen (umgerechnet ca. 30 Euro)


 

Irgendwie enttäuschend.

Man mag es kaum glauben – ich höre seit mehr als 20 Jahren Metal und praktisch ebenso lang kenne und schätze ich MANOWAR. Gut, das mit dem „Schätzen“ hat sich in den vergangenen Jahren ein wenig geändert – aber das würde hier zu weit führen. Jedenfalls: In dieser langen Zeit habe ich die „Kings Of Metal“ kein einziges Mal live gesehen. Woran lag es? Nun, es hat sich einfach nicht ergeben oder war mir damals – in Schüler-/Studentenzeiten – schlichtweg zu teuer. Letzteres Argument können wohl auch viele aktuelle MANOWAR-Fans nachvollziehen. Bei mir spielen die Kosten nun keine so große Rolle mehr wie früher – daher wäre ich wohl auch zu einer Show gegangen, die mehr kostet, als obenstehender Preis, nur damit ich diese Band einmal sehen kann. Aber: Wenn Brünn von Wien aus doch so nah liegt, sollte man das Glück beim Schopf packen. Auch im Wissen, dass eine Woche später, am 22. Jänner 2016, das Ticket für die Show in München 81 Euro (!) kostet. Was die Merch-Preise betrifft habe ich übrigens keine Ahnung, ein MANOWAR-Shirt fehlt in meiner Sammlung zwar, aber irgendwie hatte ich auch so gar keinen Bock drauf.

Nun aber zum Wichtigsten – wie war das Konzert? Los ging es um 20:15 Uhr (ca. 15 Minuten Verspätung). Vorgruppe? Fehlanzeige! Noch ein Grund mehr, wieso ich mich über die mehr als doppelt so teure Show in München geärgert hätte. Nach dem gefühlt recht langen Intro starteten MANOWAR mit dem Uralt-Gassenhauer „Manowar“ in ihr Set, einem lange bewährten Opener. Mir hat der Song ja noch nie sonderlich gut gefallen, ist aber als live-Eröffnung durchaus ok. Der Sound war sehr gut, es gab zwar ein paar Probleme mit dem Mix, die waren aber nach einigen Nummern behoben. Abgesehen davon ließ nicht nur der Mann am Mischpult sondern auch die Band kleinere Anzeichen von „Ringrost“ erkennen. Teilweise wirkte die Performance ein wenig steif, gelegentlich stand man sich ein wenig im Weg – ganz, als ob man noch nicht richtig „on the road“ angekommen wäre (war ja auch erst die zweite Show auf dieser Tour). Später wurde das dann besser, routinierter – was aber leider ein anderes Gefühl bei mir auslöste. Mir kam nämlich vor, dass die Band recht „satt“ wirkte, Spielfreude konnte ich da nicht so viel entdecken, auch die Bewegungen auf der Bühne sahen sehr einstudiert aus. Insgesamt jedenfalls keine ganz runde Sache.

Musikalisch kam der Gig dagegen langsam in Fahrt. Nach dem Opener wurde ein Hit-Feuerwerk geboten – zumindest für mich als „neuen“ Fan war das schon eine Freude. Jedenfalls ab dem dritten Song, an zweiter Stelle gab es noch das unsägliche „Die For Metal“ zu erdulden, über das man als MANOWAR-Fan und Rock Hard-Leser ganz gut Bescheid weiß. Aber was soll’s, wenn gleich darauf „Sons Of Odin“ und „Kings Of Metal“ folgen und plötzlich alles wieder gut ist. Da weiß man, was man hat und erstmals schien mir im Publikum so richtig Stimmung aufzukommen (also auch hinter den ersten fünf, sechs Reihen). Ich hatte ja einen Sitzplatz, relativ weit oben, von da sah man recht gut, dass der Jubel sich zeitweise in Grenzen hielt, wenn man die im „Sign Of The Hammer“ hochgereckten Hände als Indikator nehmen möchte. Vor allem weil bereits an sechster Stelle der Setlist das erste Solo (Karl Logan, „Fallen Brothers“, zu Einblendungen verstorbener Heroen wie ex-MANOWAR-Drummer Scott Columbus, MOTÖRHEAD-Fronter Lemmy Kilmister und Richard Wagner (!), Erfinder (!!) des Heavy Metal), das direkt in das immer wieder nervige „Sting Of The Bumblebee“ überging. Gute Zeit, um mal kurz auszutreten und bei der Gelegenheit gleich Bier zu holen, auch weil es nach Joey DeMaios Gedudel noch „Ascension“ als quasi-Intro zu hören gab.

Danach folgte endlich wieder „richtige“ Musik und der geilste Teil der Show. „King Of Kings“, „Hand Of Doom“, „House Of Death“, „The Dawn Of Battle“ (!) und „Hail And Kill“, nur mit dem etwas schwächeren „The Lord Of Steel“ als „Zwischenloch“ mittendrin. Nach „Hail And Kill“ konnte ich es kaum glauben. Ein kurzes „Good Night“ von Sänger Eric Adams, der übrigens ansonsten praktisch keine Ansage vom Stapel ließ. Da kam mir die Show schon extrem kurz vor.

Ganz vorbei war es aber noch nicht, weil dann Band-Boss DeMaio ohne Bass, dafür mit Mikro die Bühne enterte. „Joeys Speech“ – was den geneigten Zuhörer hier erwartete, wusste ich schon aus diversen Erzählungen und Berichten in Magazinen. Und so war es dann auch – ca. eine Viertelstunde gab es „blah this“, „fuck that“ von unserem Mann. Er fing an, indem er irgendwelchen Mädels in der ersten Reihe sagte, sie kämen ihm wohl bekannt vor, weil er beim letzten Besuch ein kleines Schäferstündchen mit ihnen hatte. Ähhh… ja. Einstudierte Rede, anyone? Danach kam noch ein bisschen was über die Metal-Szene generell und MANOWAR im Besonderen und irgendwas mit Typen, die eifersüchtig wären, wenn sie einen nach dem Konzert im MANOWAR-Shirt sehen würden. Einen Teil der Rede verfolgte ich vom Bierstand aus – ich habe also nicht alles verstanden, aber das war wirklich ganz großer Bullshit, alles in allem. Stattdessen hätte es doch mindestens zwei Songs mehr geben können – das war wirklich eine Frechheit und zeigt deutlich, wieso MANOWAR a) von Außenstehenden belächelt werden und b) auch bei ihren Fans einen zunehmend schweren Stand haben. Was übrigens auch daran zu erkennen war, dass die Halle nicht annähernd so voll war wie wenige Wochen vorher, als ich dort JUDAS PRIEST bewundern durfte. Da waren die Stehplätze diesmal wesentlich lockerer besetzt. Achja… JUDAS PRIEST – eine andere Band, die sich gerne in schmuckes Leder hüllt. Joey DeMaio und Eric Adams passt ihre Lederkluft zwar noch gut (Karl Logan sah darin schon immer leicht merkwürdig aus), allerdings sieht man speziell DeMaio das Alter mittlerweile ziemlich an, was ihn irgendwie ein bisschen albern wirken lässt. Also auch optisch, meine ich.

Nach der Ansprache kam übrigens sogar noch was. „Warriors Of The World United“, dann noch der klassischer Rausschmeißer „Black Wind, Fire And Steel“, beides sehr gut dargeboten. Und dann? Ja, dann war tatsächlich Schicht im Schacht, natürlich erst, nachdem Joey DeMaio seinen Bass von den Seiten befreit hatte. Ein Fan wurde nicht auf die Bühne geholt, das war ja früher mal üblich, soweit ich weiß. Auch schon egal. „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“ wurde als Outro „missbraucht“. Warum zum Teufel konnten MANOWAR diese grandiose Nummer nicht noch anhängen? DAS wäre ein versöhnlicher Abschluss gewesen. An der Zeit kann es ja nicht gelegen haben, wenn man das Stück eh in voller Länge vom Band einspielt, ungefähr in der gleichen Lautstärke wie das restliche Konzert. Da hätte ich mir schon Live-Gesang gewünscht. So war das der letzte Dämpfer für ein irgendwie doch recht enttäuschendes Konzert.


Fazit: MANOWAR dürften ihren Zenit endgültig überschritten haben. Auf Platte ja schon länger, nun offensichtlich auch live. Zu kurz, zu wenig Spielfreude, zu viel Bullshit – das war einfach nichts, was den Status dieser Band untermauern würde. Ja, ich höre MANOWAR immer noch gerne. Ja, ich liebe die alten Alben, ich mag die in der Mitte und bin nur bei den letzten nicht mehr so begeistert. Ich sehe mir gerne Shows aus den 1990ern und 2000ern an, da war, glaube ich, der live-Höhepunkt der Band. Zu einem Konzert werde ich aber eher nicht mehr gehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing:

Ein Gedanke zu “KonzertWelt: Manowar (Brünn, 15.01.2016)

  1. Pingback: Musik A – Z. | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.