SpielWelt: Dead Space 2

„Dead Space“ war gut, „Dead Space 2“ ist… besser? Nun, zumindest ist es genauso gut, daher ist auch die Bewertung gleich geblieben. Perfekt ist auch dieses Spiel nicht, es bietet aber sehr gute Unterhaltung; von zarten und ängstlichen Gemütern sollte aber auch der zweite Teil des Weltraum-Horror-Shooters dringend gemieden werden.

Gesamteindruck: 6/7


Ultra-brutales Weltraumspektakel mit Stärken und Schwächen.

„Dead Space“ war ein wirklich gutes Spiel. Vor allem das Gefühl des klaustrophobischen Horrors wurde auf selten dagewesene, perfekte Art umgesetzt; auch die Schockeffekte waren wahrlich nicht von schlechten Eltern und sollen gerüchteweise sogar dafür gesorgt haben, dass einzelne Spieler gar nicht bis zur Schlusssequenz durchgehalten haben. Das zu toppen ist naturgemäß sehr schwer – und so ganz schafft es „Dead Space 2“ nicht, seinen Vorgänger zu übertreffen. Dabei gibt es durchaus einige Verbesserungen. Größtes Plus ist die vereinfachte, besser zu bedienende und wesentlich flüssigere Steuerung. Zusätzlich gibt es neue Waffen, neue Möglichkeiten, die eigene Ausrüstung zu verbessern und eine nochmals verdichtete, extrem unheimliche Soundkulisse. Auch dass der aus Teil 1 bekannte Held Isaac Clarke nun endlich sprechen kann, trägt positiv zur Spielerfahrung bei. Die Grafik wurde hingegen nur marginal verbessert, erfüllt aber nach wie vor sehr gut ihren Zweck.

Technisch wurden gegenüber Teil 1 also einige sinnvolle Verbesserungen eingeführt. Die Aufgaben, die der Spieler erfüllen muss, haben sich hingegen nicht geändert. Man schnetzelt sich weiterhin durch Horden von Necromorphen, diesmal allerdings nicht (nur) auf einem Raumschiff, sondern an Bord einer großen Weltraumstadt, der so genannten „Sprawl“. Zwischendurch gibt es die üblichen Hacker-Spielchen und man wird auch diesmal wieder per Funk auf einem streng linearen Weg durch den Ort des Geschehens geführt. Die Zwischensequenzen, bei denen man durch Tastendruck einem grausigen Tod entkommen muss, haben weiter zugenommen – kein Fehler, denn diese Events wurden sehr schön programmiert und fügen sich fast nahtlos ins Spielgeschehen ein. Auch Szenen, in denen der Protagonist von Visionen heimgesucht wird und dem Wahnsinn zu verfallen droht, wurden sehr gut und stimmig eingebaut, lediglich die „Stimme aus dem Jenseits“ ist leider so stark verzerrt, dass man so gut wie kein Wort versteht.

So weit, so gut – man sieht schon, auch „Dead Space 2“ ist wieder ein sehr gutes Spiel geworden. Dennoch möchte ich etwas ausführlicher auf die Problemzonen des Weltall-Survival-Horrors eingehen. Zunächst wurde einer der größten Kritikpunkte an Teil 1 beibehalten: Freies Speichern ist nach wie vor nicht möglich. Zwar haben sich die Programmierer erbarmt und die Speicherpunkte etwas dichter verteilt, dennoch fühlt man sich gegängelt, wenn man nicht speichern kann, wann man will. Dass das für die Atmosphäre unbedingt notwendig war, wage ich zu bezweifeln.

Ein anderes Manko betrifft die Länge des Spiels (wobei die „Länge“ in diesem Fall auf Schwierigkeitsstufe „Normal“ und eher gemächlichem Spielstil ungefähr 15 Stunden bedeutet). Grundsätzlich sind lange Spielzeiten ja durchaus positiv zu bewerten – in „Dead Space 2“ hat das aber merkwürdige Folgen. So passiert es jedes Mal ganz knapp vor Erreichen des Ziels, das irgendetwas dazwischen kommt und man wieder auf einen Umweg geführt wird. Solche Wendungen sind prinzipiell eine gute Sache, in „Dead Space 2″ werden sie aber inflationär und immer auf exakt dieselbe Art und Weise eingesetzt. Hier hätte entweder eine Straffung oder etwas mehr Abwechslung in der Gestaltung der „Cliffhanger“ Not getan. Dazu passt irgendwo auch der Wiederspielwert – der ist nämlich nur vorhanden, wenn man gerne mal auf einer höheren Schwierigkeitsstufe spielt. Alternative Lösungswege gibt es für kein Kapitel. Die Übergänge zwischen den Abschnitten sind im Gegensatz zum Vorgänger fließend und werden nur kurz per „Kapitel X“-Einblendung angezeigt. Irgendwie merkwürdig, weil man oft erst am nächsten Speicherpunkt merkt, dass man überhaupt in einem neuen Kapitel ist.

Und noch ein Punkt, der Grund zu Kritik gibt, muss erwähnt werden. Wer kurz vor seinem Ausflug auf die „Sprawl“ in „Rapture“ war, wird bemerken, dass die – nennen wir es mal – „Ähnlichkeiten“ zu „BioShock“ nicht gerade weniger geworden sind. Um es deutlich zu sagen: Ob man sich nun durch die Weltraum- oder die Unterwasserstadt bewegt macht quasi keinen Unterschied. Dem gelernten „BioShock“-Spieler werden unter anderem die immer wieder auftauchenden Audio- und Textlogs, die die Handlung vorantreiben, bekannt vorkommen. Auch dass man per Funk ans Ziel geführt wird, ist beiden Titeln gemeinsam, ebenso das Upgraden der Waffen, das Hacken von Systemen und die beengte, unheimliche Atmosphäre. Ob die ehemaligen Bewohner der Siedlung durch „Adam“ oder einen „Marker“ verwandelt wurden, macht kaum einen Unterschied, ob man „Splicer“ oder „Nekromorphen“ tötet, ist fast das Gleiche, ob man einem Wassereinbruch oder dem Entweichen der Atmosphäre ins All zum Opfer fällt, nur ein marginaler Unterschied. Auch Werbeplakate, Shops und die generelle Ausstattung der Orte wirken mehr als ähnlich und die Harpune als Waffe hat man auch schon anderswo gesehen. Lediglich der sarkastische Humor von „BioShock“ fehlt dem wesentlich ernsthafteren „Dead Space 2“ völlig. Diese Übereinstimmungen müsste man eigentlich stark kritisieren – wenn denn nicht beide Spiele so viel Spaß machen würden. Dennoch, etwas mehr Eigenständigkeit wäre wünschenswert gewesen.

Noch ein Wort zur Brutalität in „Dead Space 2“: Auch wenn die Schockmomente etwas abgenommen haben, man also nicht ständig knapp vor dem Herzkasper steht, wurde das ganze Vergnügen wieder ähnlich brutal gestaltet wie im Vorgänger. Das Abtrennen von Körperteilen bleibt ein essenzieller Faktor beim Beseitigen der Monsterhorden. Und ja, wie mittlerweile schon jeder weiß: Insbesondere die Kinder-Station hat es in sich. Und das ist durchaus als Kaufwarnung für Zartbesaitete zu verstehen! Der „Ab 18“-Aufkleber ist hier absolut angebracht.

Nimmt man all diese Kritikpunkte zusammen und stellt sie den vorhandenen Verbesserungen gegenüber, erreicht „Dead Space 2“ für mein Dafürhalten die gleiche Gesamtwertung wie der Vorgänger. Für die vollen Punkte fehlt allerdings noch ein bisschen was, auch wenn sich der Spielspaß im Vergleich zu Teil 1 aufgrund diverser Verbesserungen nochmals gesteigert hat. Übrigens wird die in „Dead Space“ insbesondere gegen Ende leicht verwirrende Story durch den Genuss von Teil 2 wesentlich klarer. Damit steigt auch die Vorfreude auf die Fortsetzung.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Survival Horror/Third-Person-Shooter
Entwickler: Visceral Games
Jahr: 2011
Gespielt auf: PC


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