FilmWelt: Until The Light Takes Us

Der Film lebt im Endeffekt von seiner geradezu atemberaubenden Ästhetik. Inhaltlich Neues wird kaum ans Tageslicht gebracht, was aber wohl auch nicht die Absicht gewesen sein dürfte. Dazu wäre weitere Recherche- und Vergleichsarbeit und vor allem größere Distanz zu den Protagonisten notwendig gewesen. So reicht es für gute fünf Punkt für einen Film, der sich auf bisher noch nicht dagewesene Weise mit einer Sub-Kultur beschäftigt, die tatsächlich alle Extreme der Auflehnung gelebt hat.

Gesamteindruck: 5/7


Betörend atmosphärischer Film, der auch den Zuseher fordert.

Aaron Aites und Audrey Ewell versuchen mit „Until The Light Takes Us“ ein wenig …ähem… „Licht“ in die turbulenten Ereignisse zu bringen, die sich Anfang der 1990er Jahre hauptsächlich in Norwegen zutrugen. Auf so großes Interesse von Medien und Öffentlichkeit wie zur damaligen Zeit können die Filmemacher natürlich nicht hoffen. Die mediale Welt ist inzwischen noch schnelllebiger geworden, Geschehnisse von vor mehr als 20 Jahren werden nur mehr in Ausnahmefällen neu aufgerollt. So wird die Zielgruppe für diesen Film relativ klein sein und sich auf diejenigen beschränken, die sich ohnehin für das Thema interessieren und/oder entsprechende Vorkenntnisse mitbringen – etwas Anderes wird wohl auch niemand ernsthaft erwartet haben.

Der Film selbst ist eine sehr stimmungsvolle Dokumentation und Reflexion von Ereignissen, die für die Welt der extremen Musik von einschneidender Bedeutung waren. Zu Wort kommt ein geringer Teil der damaligen Protagonisten, als „Hauptdarsteller“ fungiert Gylve „Fenriz“ Nagell von Darkthrone. Die Projektverantwortlichen schaffen es tatsächlich, eine unglaublich dichte und hypnotische Atmosphäre zu generieren, aus der man nach gut 90 Minuten mit einem seltsamen Gefühl „erwacht“. Die Empfindungen ähneln stark denen, die man nach Genuss eines der im Film zitierten, „klassischen“ Alben des Black Metal spürt. Ein größeres Kompliment kann es für das Duo Aites/Ewell wohl kaum geben, vor allem wenn man bedenkt, dass die beiden Amerikaner angeblich keinen Black Metal hören. Bild- und Tonqualität, Schnitt und die gesamte Ästhetik (inklusive Aufnahmen mit Handkameras, Promofotos, norwegische Winterlandschaften und die Einbindung von moderner Kunst) fügen sich nahtlos zusammen und zeigen, dass sich die Filmemacher tatsächlich sehr gut in die Materie eingearbeitet haben. Eine Synchronisation wurde glücklicherweise nicht vorgenommen, deutsche Untertitel sind vorhanden.

Eine der größten Stärken des Filmes bietet allerdings auch Anlass zur Kritik. Prinzipiell ist es eine gute Idee, auf jegliche Moderation zu verzichten – das passt hervorragend in das Gesamtbild. Andererseits verlangt dieses Konzept a) eine Reflexionsleistung durch den Zuschauer und b) weitere Einarbeitung in die Thematik. Jan Axel „Hellhammer“ Blomberg bekundet beispielsweise offen seinen Respekt vor der Tat von Bård „Faust“ Eithun, der 1992 einen Homosexuellen ermordete und sich im Film nur verdunkelt und mit verzerrter Stimme vor die Kamera wagt. Vor allem aber die unkommentiert eingebauten Aussagen von Varg Vikernes (Burzum) sind mit Vorsicht zu genießen. Aus dem Filmmaterial geht keineswegs hervor, dass der Brandstifter und Mörder selbst unterschiedlichste Geschichten zum Tathergang in Umlauf gebracht hat. Mittlerweile bezeichnet er den Mord mit 23 Messerstichen an seinem ehemaligen Freund Øystein „Euronymus“ Aarseth als „Notwehr“. Seine rassistischen Äußerungen und wirren Verschwörungstheorien bleiben hingegen unerwähnt. Hier ist natürlich die Frage, inwieweit das überhaupt Thema das Films sein soll – mich hat es jedenfalls einigermaßen irritiert. Andererseits hatte das Filmteam wohl ohnehin einen Narren an Vikernes gefressen, immerhin ist „Until The Light Takes Us“ eine Abwandlung von „Hvis Lyset Tar Oss“, dem Titel des Burzum-Albums von 1994.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Until The Light Takes Us
Regie: Aaron Aites, Audrey Ewell
Jahr: 2008
Land: USA
Laufzeit: 93 Minuten
Besetzung (Auswahl): Gylve „Fenriz“ Nagell, Varg „Count Grishnackh“ Vikernes, Kjetil „Frost“ Haraldstad, Jan Axel „Hellhammer“ Blomberg



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